Albstadt: CSD Zollernalb: Wie geht's weiter?

Egal was das Ehepaar Schrödl angerichtet hat: Ihren Einsatz für Gleichberechtigung und Toleranz (Symbolbild) wollen die anderen Mitglieder des CSD Zollernalb selbstbewusst fortsetzen.
ArchivAlbstadt - Wie geht es weiter mit dem Verein "Christopher Street Day Zollernalb" (CSD)? Das Verschwinden der Gründer Stefan und Manuel Schrödl wollen die Mitglieder nicht zum Anlass nehmen, alles hinzuwerfen – im Gegenteil: Sie distanzieren sich von deren Verhalten – und bleiben ihren Zielen treu.
Zahlreiche Fragen gab es gestern Abend beim Treffen der CSD-Mitglieder im "Doc Holiday" zu klären, doch noch nicht auf alle haben die Mitglieder des Vereins für Schwule, Lesben, Trans- und Bisexuelle, Transgender – und alle anderen Interessierten, die sich für ein gleichberechtigtes Leben einsetzen – bislang gefunden. Erstens: Wie viele Mitglieder hat CSD Zollernalb überhaupt? Mit den Gründern Stefan und Manuel, die sich kurz vor dem geplanten, kreisweiten Festival abgesetzt haben, ist auch die Mitgliederliste von der Gründung 2013 verschwunden. Zweitens: Welche Verbindlichkeiten hat der Verein? Für das Festival waren Räume und Künstler gebucht gewesen. Nun müssen die verbliebenen Vorstandsmitglieder feststellen, ob irgendwelche Rechnungen offen sind.
Was alle besonders trifft ist die Tatsache, dass das Verhalten der beiden Gründer ein schlechtes Licht auf die Gemeinschaft, die "Community", wirft. Daher distanzieren sie sich ausdrücklich vom Geschäftsgebaren des Ehepaars Schrödl, das zuvor auch eine Abiturklasse aus Meßstetten geprellt und die Kosten für die Abiturzeitung einkassiert hatte, ohne diese zu drucken – die Werbeagentur der Schödls, die 2013 den Auftrag angenommen hatte, gibt es längst nicht mehr. Inwieweit deren neue Firma "Rainbow Community" in der Organisation des CSD-Festivals drinhängt, das Ende Juni an mehreren Orten im Zollernalbkreis stattfinden sollte, weiß keines der anderen Vorstandsmitglieder genau. Für sie ist es daher wichtig, an Informationen zu kommen: Wer ist Mitglieder im Verein? Welche Partner und Sponsoren des Festivals wurden geschädigt? Sollten Beträge offen sein, könne das nur über ein Insolvenzverfahren des Vereins geregelt werden, so die Auskunft des Amtsgerichts.
Das Festival – soviel steht fest – wird nicht stattfinden. Erschüttert sind die CSD-Mitglieder vor allem darüber, dass das Ehepaar Schrödl es noch nicht einmal für nötig befunden habe, andere Beteiligte zu informieren und es abzusagen. Gerüchten zufolge sollen sich die beiden im Raum Freudenstadt aufhalten.
Die anderen Vorstandsmitglieder, die sich selbst betrogen fühlen, wollen das durch eine Anzeige deutlich machen.
Bleibt das nächste Problem: Die zarten Pflänzchen jener Bemühungen, die jungen Menschen jener Zielgruppe helfen sollten, selbstbewusst zu ihren sexuellen Neigungen zu stehen, scheinen vorerst zumindest beschädigt. Speziell die Kontakte zur Aids-Hilfe Tübingen, die den Verein dabei unterstützen wollte, im Zollernalbkreis ein ähnliches Angebot aufzubauen, wollen die CSD-Mitglieder wieder aufbauen – Aufklärung, wie sich junge Menschen bei sexuellen Kontakten schützen können, ist eines der wichtigsten Vereinsziele.
Auch zu übergeordneten CSD-Organisationen, landes- und bundesweit, gab es bereits Verbindungen. Immerhin: Dort ist inzwischen bekannt, dass das Ehepaar Schödl im Zollernalbkreis verbrannte Erde hinterlassen hat – zum Schaden aller, die nun darum kämpfen, nicht mit derartigem Verhalten über einen Kamm geschert zu werden.
"Vielleicht gelingt es uns, den Namen ›CSD Zollernalb‹ reinzuwaschen" – das ist ihre Hoffnung. "Der Verein lebt noch" – das ist ihre Botschaft. Allerdings mit einem wichtigen Zusatz: Seine Ziele haben grundsätzlich nichts zu tun mit dem Verhalten von Stefan und Manuel Schrödl.
Weitere Informationen:
Mitglieder des 2013 gegründeten Vereins "Christopher Street Day Zollernalb" und jene, denen finanzielle Nachteile durch die Planung des Festivals entstanden sind, bitten die anderen Vorstandsmitglieder, sich unter E-Mail csd-zollernalb@queerboys.de zu melden.