Hält die Solidarität mit der Ukraine an? Diese Frage stellen sich viele angesichts des Verhaltens der neuen US-Regierung. Wir haben mit Oleksandra Valter über die Lage in ihrer Heimat gesprochen.
Auf dem alten Postareal stapeln sich Pakete, Kisten und Material. Hier hat die Lahrer Ukraine-Hilfe ihr Spendenlager und hier bereitet sie Hilfstransporte in das von Russland überfallene Land vor. Beim Besuch unserer Redaktion ist gerade eine neue Lieferung an Spenden angekommen. Oleksandra Valter und Gabriele Rauch verstauen die Sachen in der großen Halle. Auch drei Jahre nach dem Beginn des Krieges hält in Lahr die Unterstützung für das schwer gebeutelte Land an, berichten die beiden.
Ganz andere Signale gibt es derzeit aus den USA. Zwar sind die nach dem Eklat zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj ausgesetzten Militärhilfen wieder angelaufen – die Unsicherheit über den künftigen Kurs der Amerikaner aber bleibt. Wie blicken Ukrainer aus unserer Region auf die aktuellen Entwicklungen?
Oleksandra Valter lebt seit fast neun Jahren in Deutschland. „Als Trump gewann, war mir sofort klar, dass es zu Ungunsten der Ukraine ist“, sagt sie. Der Zwist mit Selenskyj vor der Weltöffentlichkeit sei für sie nur schwer auszuhalten gewesen. Als „emotionale Explosion“ beschreibt Valter ihre spontanen Gefühle, als es passierte. Inzwischen schätze sie die Konsequenzen des amerikanisch-ukrainischen Treffens als „nicht so schlimm wie gedacht“ ein. „Irgendwie ruhig“ empfindet die Ukrainerin das derzeitige Verhältnis zwischen den beiden Staaten.
Um nicht „erschlagen“ zu werden von den vielen Nachrichten, verfolge sie diese normalerweise nur drei bis vier Mal in der Woche, erzählt Valter. Lieber investiert die Juristin ihre Zeit für die Menschen, die Hilfe brauchen. Sie hilft Ukrainern etwa bei der Suche nach einer Wohnung in Lahr oder bei bürokratischen Hürden – zum Beispiel wegen Sprachbarrieren. Neben Deutsch und Ukrainisch beherrscht sie auch die russische Sprache.
Drohnen beschießen Zivilisten auf den Straßen
2022 gründete Valter eine Whatsapp-Gruppe für Flüchtlinge aus der Ukraine. Es gibt sie auch drei Jahre nach Beginn des Angriffskrieges noch. „Sie hat derzeit 596 Mitglieder“, so Valter. Auf Ukrainisch werden dort Infos ausgetauscht oder auch Kontakte geknüpft.
Die Lage in der Region Cherson, in der Valter aufgewachsen ist, beschreibt sie als fürchterlich. Erst am Vortag habe sie mit Menschen, die noch dort leben, gesprochen. Cherson liegt nur unweit der Frontlinie entfernt. Immer wieder erschütterten Angriffe die Stadt und verbliebenen Bewohner. „Russische Drohnen suchen nach Menschen, machen Jagd auf sie“, beschreibt Valter.
Während die Stadt Cherson von der ukrainischen Armee zurückerobert wurde, sind weite Teile der Region unter russischer Besatzung. Hinzu kommt eine weitere Katastrophe, erinnert Valter: Die Zerstörung des Wasserkraftwerks Kachowka im Jahr 2023 löste eine massive Überschwemmung aus. Viele Häuser in ihrem Heimatort seien zerstört worden. „Das Haus meiner Eltern war bis unter das Dach überschwemmt“, berichtet Valter.
Demokratische Zukunft als Ziel
Auf die Frage, wie sehr die möglicherweise nachlassende Unterstützung für die Ukraine deren Kriegsaussichten gefährdet, sagt Valter: „Wir glauben, dass wir gewinnen.“ Auch in Europa hätten viele erkannt, dass sie sich nicht auf die USA verlassen könnten. Sollte die Ukraine sich nicht behaupten können, seien alle großen Anstrengungen umsonst gewesen. „Diejenigen, die gestorben sind, haben ja dafür gekämpft“, so Valter. „Wir wollen eine demokratische Zukunft haben.“
Die Lahrer Ukraine-Hilfe
Der Verein „Gemeinsam Europa“ („Lahr hilft“) hat sich nach Beginn der russischen Invasion 2022 gegründet. Seither organisiert er Hilfsgüter-Transporte ins Kriegsgebiet. Wer den Verein unterstützen möchte, findet auf dessen Internetseite unter www.gemeinsam-europa.com eine Liste mit Sachspenden, die gebraucht werden. Die Spendenannahmestelle ist in der Innenstadt im alten Postareal.