„Es gibt viele Befürworter der Windkraft“, ist Andre Amon überzeugt. Bisher seien nur die Gegner laut geworden. Das soll sich nun ändern: Jetzt hat sich eine Pro-Wind-Initiative gegründet. Sie stellte sich bei einem Pressegespräch im Glatter Schlosscafé vor.
Dass Glatt dafür ausgesucht wurde, hat einen bestimmten Grund. Vor einem Jahr tobte dort ein Unwetter, beschädigte erheblich das Dach des Wasserschlosses und fällte Bäume.
Klimatische Veränderungen könnten zu noch schwereren Katastrophen führen, glaubt Amon, von daher müsse umgesteuert und der CO₂-Ausstoß massiv reduziert werden, unter anderem auch durch Windkraft.
Amon wies darauf hin, dass in Nordrhein-Westfalen ganze Wälder weggebaggert werden, damit „bei uns das Licht brennt“. Im Hinblick darauf sei es erträglich, wenn „bei uns im Wald fünf Windräder stehen“.
Das sieht er auch als einen Akt der Solidarität mit den Menschen in Nordrhein-Westfalen, deren Heimat für „unsere Energie“ zerstört wird. Amon: „Ich bin massiv irritiert, wenn man nicht weiter schaut als über die eigene Hausschwelle hinaus.“
Windräder sind nicht radioaktiv
Wenn es um den Wald geht, dann kochen die Emotionen hoch. Der Sulzer Stadtrat weiß das, findet aber, dass Emotionen und Angst schlechte Berater sind. Seiner Ansicht nach verträgt sich Windkraft durchaus mit dem Wald, könne sogar die Biodiversität steigern.
„In 30 Jahren bauen wir die Windräder wieder ab, ohne dass etwas strahlt, und pflanzen den Wald wieder an“, sagt er. Der Umbau des Waldes ist ohnehin im Gang und Ziel der neuen Forsteinrichtungen, wie kürzlich die Förster in Vöhringen aufgezeigt haben.
Geld für Schulen und Kitas
Windräder sollten, so Amon, auch als Chance zur Erneuerung des Waldes gesehen werden. Lothar Kopp hat sich auf der „Dicke“ in Bergfelden mögliche Standorte für Windräder angeschaut. Es seien alte Fichtenbestände, die ohnehin fallen müssten.
Amon räumt ein, dass es bei der Verpachtung von Flächen für Windkraftanlagen auch ums Geld geht, nur dass es an die Stadt fließt und somit allen Bürgern zugute kommt. Jeder wolle gut ausgestattete Schulen, dezentrale Kindergärten und ausreichend Personal dafür.
Weg zur Klimaneutralität
Die Ansprüche seien überall hoch. Auch für den Hochwasserschutz benötige die Stadt Finanzmittel. „Die Wertschöpfung bleibt vor Ort“, unterstreicht Gabriele Brucker.
Die Initiative „Pro Wind“ sieht sich als eine Bewegung aus der Bürgerschaft heraus. Sie will Überzeugungsarbeit leisten, dass es wichtig ist, Windkraftanlagen auch im Wald zu bauen, und zeigen, dass dies der richtige Weg zur Klimaneutralität ist.
Fakten und Vernunft
„Jede Generation hat ihre Herausforderungen. Die Zeit der Kernkraftwerke ist vorbei“, betont Siegfried Dölker. Mit den Windkraftgegnern darüber eine Debatte zu führen, hält er allerdings für sinnlos. Sie seien nicht kompromissfähig.
Zielgruppe der Initiative sind daher vor allem die noch „Unentschlossenen“, die mit Fakten und Vernunft überzeugt werden sollen. Infraschall beispielsweise, behaupten die Windkraftgegner, wirke sich schädlich auf die Gesundheit aus.
Nächste Station: Einwohnerversammlung
In Dürrenmettstetten scheinen Windkraftanlagen offenbar kein Problem zu sein. „Wir leben seit 30 Jahren damit“, erklärt Dölker. Bei so viel Infraschall „müssten dort alle tot sein“, fügt Helmut Pfister hinzu.
Bisher gibt es ein Logo „Pro Wind“ der Initiative. Vorgesehen ist als nächster Schritt eine Unterschriftensammlung als Signal dafür, dass viele Leute Windkraft befürworten. Eventuell soll es noch Infoveranstaltungen geben.
Amon hofft, dass zu der Einwohnerversammlung zum Thema Windkraft am kommenden Montag auch Befürworter kommen und sich äußern.