Mit dem „Dialog der Liebe der berühmtesten drei Romantiker“ brachte Sofja Gülbadamova Werke von drei Komponisten des 19. Jahrhunderts auf die Bühne des Pflugsaals.
Die Biografien von Clara und Robert Schumann sind eng mit der von Johannes Brahms verflochten. Daher hat Sofja Gülbadamova ihr Konzert „Dialog der Liebe der berühmtesten drei Romantiker“ genannt. Ihr Auftritt im gut besuchten Pflugsaal gehörte zur Reihe Weltklassik Klavier.
Ungewöhnlich war, dass die Pianistin vor den Stücken ausführlich erklärte, warum sie diese Werke als eine Art Dialog ausgewählt hatte – und wie einige der Stücke zusammenhängen. Die „Vier ernsten Gesänge“ (Opus 121) stammen aus dem Jahr 1896. Clara Schumann (1819-1896), mit der der Wahlwiener Brahms (1833-1897) den größten Teil seines Lebens eng verbunden war, würde nach einem Schlaganfall nicht mehr lange leben. Es war der letzte Liedzyklus Brahms’, der eine Erinnerung an die lange Freundschaft zu Schumann mit dem Werk verband. Brahms verwendete in den Gesängen Themen aus dem Alten Testament. Gülbadamova spielte die Gesänge als Ouvertüre ihres Konzertes in der Bearbeitung von Max Reger, ohne die Stimme eines Bassisten.
Ob Brahms zu den Romantikern zählt? Am Ende des Schaffens des gebürtigen Hamburgers hatten Claude Debussy und andere die Atonalität erreicht. Tatsächlich wirken die Werke Brahms dagegen immer noch romantisch, auch wenn diese Epoche eine Generation zurückliegt.
Das teilweise expressive Spiel Gülbadamovas passte zu ihrer Auswahl an Dialogen. Das vermittelte sich gut mit den „Drei Romanzen“ Clara Schumanns (Opus 21) aus dem Jahr 1853. Auch hier machte ihr brillantes Spiel wett, dass „nur“ der Flügel ohne Violine zur Geltung kam.
Zuschauer werden ins musikalisches Gesprächeingebunden
Welche Schwierigkeiten die Mitte des 19. Jahrhunderts längst anerkannte Virtuosin Schumann als Frau mit ihrer Kunst hatte, drückte Gülbadamova so aus: „Sie durfte nicht komponieren, oder sie durfte nicht üben, um ihren Mann nicht beim Komponieren zu stören.“ Gerade die „Drei Romanzen“ zeigen jedoch, welche Fähigkeiten Clara Schumann als Komponistin neben ihrem Mann Robert (1810-1856) hatte – trotz aller Widerstände. „Drei Fantasiestücke“ Robert Schumanns (Opus 111) aus dem Jahr 1851 waren eine gelungene Ergänzung des Dialoges im ersten Teil.
Die „Bunten Blätter“ (Opus 99) Robert Schumanns stammen aus den 1830er-Jahren. Das Werk wurde allerdings erst in den 1850er-Jahren veröffentlicht. Der Verleger hatte die Idee, den 14 kurzen Klavierstücken diesen Namen zu geben. „Drei Romanzen“ (Opus 28) von Robert Schumann und Variationen für Klavier über ein Thema von Robert Schumann (Opus 20) von Clara Schumann waren ein gelungener Abschluss eines spannenden musikalischen Dialoges.
Dank der präzisen Informationen waren die Zuhörer ins musikalische Gespräch eingebunden. Diese Idee könnte sich in der Reihe gerne fortsetzen.
VIP-Pass verschenken
Als Weihnachtsgeschenk bewirbt das Team von „Weltklassik am Klavier“ in einer Pressemitteilung einen „VIP-Pass“ für 25 Euro. Dieser sei für ein beliebiges Konzert der Reihe einsetzbar.