Arte ist ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender als Symbol der Freundschaft. Das Programm wird täglich in zwei Sprachen ausgestrahlt. Dazu gab es einen Vortrag in Bräunlingen.
In der Stadthalle drehte sich am 12. November alles um das Thema Arte. Der Vorsitzende der Lammgesellschaft, Otto Körner, gab eine kurze Einführung zum Zustandekommen dieses Vortrages. Weltweit sei Arte das einzige Fernsehprogramm, das sich ausdrücklich an zwei Länder und Kulturen richtet und systematisch in zwei Sprachen produziert und gesendet wird. Mit viel Kenntnis und Humor berichtete er vom langen Prozess bis zum Start von Arte.
Die Idee, einen gemeinsamen Sender als Symbol der Freundschaft zu gründen, kam 1986 vom damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand und Bundeskanzler Kohl. Dennoch dauerte es fünf weitere Jahre, bis 1991 ein Staatsvertrag zustande kam und der Sender starten konnte. Schreitmüller verwies auf das hohe Engagement des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth, der die Bundesländer zur Unterschrift bewegen konnte.
Täglicher Lernprozess
Hier könne man, so Schreitmüller, auch den organisatorischen Unterschied sehen: In Frankreich entscheide oft der Kulturminister allein, während im föderalen Deutschland möglichst alle Länder eingebunden seien. Allerdings würden französische Kulturminister häufig wechseln, was für den Sender bedeute, bestimmte Themen immer wieder neu verhandeln zu müssen.
Zu Beginn mussten sich im Sender, dessen Personal in allen Gremien zur Hälfte aus jedem Land stammt, die unterschiedlichen Erwartungen der Mitarbeitenden aufeinander zubewegen. Dieser Lernprozess fordere bis heute – vor allem in den Programmkonferenzen, die letztlich entscheidend seien. Fotos aus der Anfangszeit belegten dies eindrucksvoll.
Die Zuschauer in Frankreich und Deutschland hätten unterschiedliche Traditionen, Vorkenntnisse und Zugangsweisen. Auch die Tagesrhythmen seien verschieden: In Deutschland beginnt der Fernsehabend um 20 Uhr mit den Nachrichten, in Frankreich später – entsprechend sehe man später fern. Trotz dieser Unterschiede könne man stolz darauf sein, wie erfolgreich Arte sich im TV-Markt präsentiere. Heute arbeiten in der Zentrale in Straßburg circa 400 fest angestellte Mitarbeiter aus beiden Ländern, die das tägliche Programm jeweils in beiden Sprachen produzieren.
Sendegebiet bis nach Afrika
Das Sendegebiet habe sich über Zentraleuropa hinaus nach Großbritannien, Teile Skandinaviens und Nordafrika ausgeweitet. Diese Expansion müsse programmatisch berücksichtigt werden. Genau diese Themenvielfalt, kombiniert mit hoher Qualität, mache Arte aus. Der Sender sende auch viele Beiträge, die in afrikanischen Ländern produziert werden, da aus diesen Regionen viele Zuschauer stammen. Werbung gebe es bei Arte nicht; finanziert werde der Sender über Fernsehgebühren oder öffentliche Budgets – jeweils zur Hälfte aus beiden Ländern.
Zum Abschluss erzählte Schreitmüller heitere wie nachdenkliche Anekdoten aus dem Alltag des Senders, um das Besondere an Arte zu verdeutlichen. Um die Zukunft mache er sich wenig Sorgen: Fernsehen werde weiterhin täglich viele Stunden genutzt. Allerdings ändere sich das Nutzungsverhalten, da Zuschauer immer flexibler auf Inhalte zugreifen möchten. Deshalb würden die Sender ihre Mediatheken kontinuierlich ausbauen, um rund um die Uhr alle Themen anbieten zu können.
Zu Besuch in Bräunlingen
Eine Gruppe von Veranstaltern
hat den Spezialisten für das deutsch-französische Medienprojekt nach Bräunlingen geholt. Die Lammgesellschaft Bräunlingen, die VHS Baar, die Stadt Bräunlingen und der Baarverein haben zusammen bewirkt, dass Professor Andreas Schreitmüller in der Bräunlinger Stadthalle sprechen konnte. Andreas Schreitmüller, geboren im Jahr 1956, war 1991 bei der Gründung des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte dabei. Er verantwortete über 30 Jahre lang dessen fiktionalen Bereich mit Spielfilmen, Fernsehfilmen und Serien. Heute ist er im Ruhestand. Ausgezeichnet wurde er zweimal mit dem deutschen Fernsehpreis, mit dem Bundesverdienstkreuz und in Frankreich mit dem nationalen Orden der Ehrenlegion.