Pure Freude: Mit ihrem B2-Zertifikat können die Frauen und Männer aus dem Kurs jetzt noch besser in Deutschland durchstarten. Auch Koordinatorin Yonne Herbst (links) und Kursleiterin Anastasia Thiel (Vierte von links) drücken ihnen dafür die Daumen. Foto: Daniela Schneider

Im Berufssprachkurs B2 der VHS VS wächst eine internationale Gemeinschaft zusammen. 18 Absolventen berichten, wie der Kurs ihr Leben veränderte – und welche Türen ihnen nun offenstehen.

Wer an diesem Vormittag die Volkshochschule an der Metzgergasse betritt, liest in großen Lettern auf der Tafel: „Herzlichen Glückwunsch! – Berufssprachkurs B2“.

 

Gemeint sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die nach bestandener Prüfung ihr Zertifikat erhalten.

Bevor sie in den Berufssprachkurs starteten, hatten alle bereits einen Integrationskurs absolviert oder Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 nachgewiesen.

Seit März drückten sie gemeinsam die Schulbank, mit einem klaren Ziel: so gut Deutsch zu lernen, dass sie beruflich weiterkommen können.

Ein sehr guter Schnitt

Wie anspruchsvoll das Niveau B2 ist, zeigt sich an den Ergebnissen: 18 Teilnehmende haben bestanden, sechs leider nicht. Dennoch sei dies ein „sehr guter Schnitt“, sagt Catherine Müller, Leiterin des Sachgebiets Deutsch/Integration an der VHS – dieser Kurs zählt zu den erfolgreichen, und das merkt man auch spätestens, wenn man sich mit den Teilnehmenden unterhält.

Kurskoordinatorin Yvonne Herbst betont bei der Übergabe der Zertifikate: „Sie haben sehr hart gearbeitet. Der Erfolg ist nicht vom Himmel gefallen.“ Hunderte Stunden Deutsch büffeln und viel Wissenswertes auch über die hiesige Arbeitswelt erfahren – die Absolventinnen und Absolventen haben im Kurs und zu Hause viel gelernt.

Auch Nicolina Luca (links) und Polina Rodionova (rechts) haben bestanden - und bedanken sich herzlich bei ihrer Kursleiterin Anastasia Thiel. Foto: Daniela Schneider

Kursleiterin Anastasia Thiel, von der Gruppe gerne als „Lieblingslehrerin“ bezeichnet, nimmt den Applaus ihrer Schülerinnen und Schüler sichtlich gerührt entgegen. Die internationale Vielfalt im Raum 107 zeigt sich eindrucksvoll: Griechenland, Ukraine, Syrien, Moldau, Türkei, Albanien, Marokko, Kamerun, Mexiko, Kosovo, Afghanistan, Irak und Argentinien – die Welt saß in diesem Kurs zusammen, und sie tut es auch an diesem letzten gemeinsamen Vormittag in Schwenningen.

Einige von ihnen haben den Unterricht berufsbegleitend besucht, wie zum Beispiel Polina Rodionova, die aus der Ukraine stammt. Vor zwei Jahren begann sie ohne Deutschkenntnisse – heute arbeitet die 31-Jährige bei der Steinbeis-Stiftung in Villingen-Schwenningen. Die ehemalige Profisportlerin und promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin sagt: „Ich bin sehr froh, dass ich diese Chance bekommen habe. Mein Ziel ist es, weiter Deutsch zu lernen und mich zu integrieren“.

Ihre Kurskollegin Luca Nicolina aus der Republik Moldau nutzte ihre Elternzeit, um die Sprache zu vertiefen. Ein Satz ihrer Kursleiterin habe sie besonders geprägt: „Es ist die Zeit, unsere Krücken loszulassen“. Die dreifache Mutter fühlt sich gestärkt und möchte als Verwaltungsfachfrau weiter vorankommen, auch bestärkt durch die Gruppe, in der alle eine schöne Zeit zusammen hatten und auch von der Internationalität profitierten.

Die glückliche Marina Jakovleva: Die Ukrainerin, die seit drei Jahren in Deutschland lebt, wird vielleicht bald wieder unterrichten. Die examinierte Lehrerin ist Deutschland einfach nur dankbar, wie sie sagt. Foto: Daniela Schneider

Marina Jakovleva aus der Ukraine hat in Deutschland bereits einen B1-Kurs absolviert und nun den Berufskurs abgeschlossen. Die Journalistin und zertifizierte Englischlehrerin ist dankbar für die Unterstützung: „Ich war sehr überrascht, was Deutschland für ukrainische Leute macht. Das hätte ich nicht erwartet“, sagt sie dankbar für „so viel Geduld, so viel Verständnis“. Jetzt kann sie ihr Diplom anerkennen lassen und hofft, bald wieder unterrichten zu können.

Zehra Tasdemir freut sich, dass sie mehr Sicherheit gewonnen hat. Sie würde nun gerne Sozialpädagogik studieren. Foto: Daniela Schneider

Und auch für die 20-jährige Zehra Tasdemir, die aus Bursa in der Türkei nach Deutschland emigrierte, war der Kurs ein wichtiger Meilenstein. Jetzt, da sie ihn gemeistert hat, will sie den nächsten Schritt gehen – und strebt das Sprachniveau C1 an. Das geht zwar nicht bei der VHS Villingen-Schwenningen – hier macht sich bemerkbar, dass mittlerweile aufgrund von Sparmaßnahmen des Bundes nicht mehr alle Angebote vorgehalten werden können. Zehra Tasdemir ist sich aber dennoch sicher: Sie wird weitermachen, um ihrem Ziel, einem Sozialpädagogikstudium, näher zu kommen. Dass sie das optimistisch angehen kann, hat sie auch dem Kurs an der VHS VS zu verdanken: „Mir ist aufgefallen, dass ich mich dadurch im Alltag selbstbewusster bewege“, sagt die junge Frau – auch das also ein Ergebnis des Berufssprachkurses B2.

Die Berufssprachkurse

Mehrere Beteiligte
Die Berufssprachkurse (BSK) sind ein Kursangebot des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für die Integration in den Arbeitsmarkt. Sie bauen auf den Integrationskursen auf und sollen Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund sprachlich fit für den Beruf machen. An der Volkshochschule Villingen-Schwenningen gab es seit 2017 inzwischen 30 dieser Berufskurse in Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter VS.

Die Kurse
Die Teilnehmenden der Berufssprachkurse mit Zertifikatsprüfung sollen ihr Grundwissen über das Berufsleben erweitern und Besonderheiten der Arbeitswelt in Deutschland kennenlernen. In den Kursen erfahren sie zum Beispiel Wissenswertes über Vorstellungsgespräche oder Arbeitsverträge und lernen berufliche E-Mails und Briefe zu verfassen. Die Kurse sollen sie optimal auf das Berufsleben vorbereiten. Was das Sprachniveau betrifft, sollen die Teilnehmenden lernen, komplexe Texte zu konkreten und abstrakten Themen und im eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen zu verstehen. Sie sollen sich so spontan und fließend verständigen können, dass ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist. Und sie sollen sich zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben können.