Brigitte Sachs-Wullenweber verarbeitet in ihrem Werkstattladen in der Habsburgerstraße 112 in Freiburg Stoffreste zu Taschen und Rucksäcken in knalligen Farben. Vor Ort kann man ihr beim Nähen über die Schulter schauen.
Wer den Werkstattladen Nikano in der Habsburgerstraße 112 betritt, dem fallen unweigerlich die vielen bunten Taschen und Rucksäcke und Mäppchen ins Auge, die Brigitte Sachs-Wullenweber dort seit rund einem halben Jahr verkauft. Die Produkte näht sie alle selbst und direkt vor Ort in ihrem Laden. So können Kunden ihr über die Schulter schauen und sehen, wie die bunten Taschen entstehen. Sie selbst ist zudem immer direkt im Geschehen und kann bei Bedarf beraten.
Die Mischung zwischen Beratung und Produktion in ihrem Werkstattladen funktioniert gut. „Die Abwechslung ist super. Ich kann den Kunden auch direkt zeigen, welche Materialien ich habe und welche Farbkombinationen möglich sind“, erklärt die studierte Theaterwissenschaftlerin. Denn bei ihr können Kunden sich die Taschen auch nach ihren Wünschen zusammenstellen – vorausgesetzt, sie hat die Wunschfarben und -stoffe vorrätig.
Taschen werden aus Stoffresten hergestellt
Zum Einsatz kommen alte Lkw-Planen, Segelstoffe, Plakate und Stoffreste aus Kunstleder. Letztere bezieht sie von einer Firma aus Coburg, die aus dem Kunstleder Möbel für Kindergärten herstellt. Das Material ist schadstoffgeprüft, wasserresistent und leicht. Daraus entstehen dann in ihrer Werkstatt die bunt kombinierten Rucksäcke, Taschen und Mäppchen.
„Ich habe immer schon aus alten Stoffen neue Kleidung genäht“, erklärt die 56-Jährige. Ihre Leidenschaft hat sie anfangs als Nebengewerbe betrieben und aus Fahrradschläuchen und anderen Materialien Taschen genäht. Daraus sind dann ihr eigenes Label und schließlich die bunten Taschen aus Kunstleder entstanden.
Über die Jahre sind viele neue Schnitte entstanden und ihr Sortiment ist stetig gewachsen. Anfangs haben ihre beiden Töchter ihre Prototypen auf Herz und Nieren getestet. Mittlerweile testet sie ihre Produkte zumeist selbst auf ihre Alltagstauglichkeit.
14 Jahre hat sie ihren Werkstattladen in Erlangen betrieben, ehe sie ihn Ende 2023 zugemacht hat, um mit ihrem Mann in ihre badische Heimat zurück zu ziehen. „Die Leute haben mir die letzten Taschen abgekauft“, blickt die gebürtige Offenburgerin zurück.
Produkte kommen in Freiburg gut an
In Freiburg angekommen, habe sie das erste halbe Jahr lang nur genäht, um für die Eröffnung genug Ware anbieten zu können. Der Aufwand hat sich gelohnt: Ihr Laden und ihr Konzept kommen in Freiburg gut an. Sie bekomme auch viel positives Feedback. „Es sind auch schon Kunden in meinen Laden gekommen, die beim Vorbeifahren mit der Tram die vielen knalligen Farben gesehen haben und dann zurückgelaufen sind“, was Sachs-Wullenweber besonders freut. Sie erklärt Interessierten auch gerne, was hinter den Produkten steckt oder zeigt, wie diese genäht werden.
Auch die Kundinnen aus ihrer Zeit in Erlangen sind ihr zum Teil treu geblieben. „Es waren schon ein paar Kundinnen aus Erlangen in Freiburg zu Besuch. Eine Kundin hat auch extra in Freiburg Urlaub gemacht“, erklärt Sachs-Wullenweber.
Einen Online-Shop betreibt Sachs-Wullenweber nicht. Das sei für sie vom Aufwand nicht zu stemmen. Einzelne Taschen biete sie aber über ihren Instagram-Kanal an.
Mittelfristig möchte sie sich mit ihrem Werkstattladen vergrößern und in die Freiburger Innenstadt umziehen. Dann könne sie auch einen zweiten Nähtisch aufstellen und eine Mitarbeiterin einstellen.