Die ganze Woche schon sind Landwirte in ganz Deutschland unterwegs, um auf die Probleme ihrer Branche aufmerksam zu machen. Foto: Eyckeler

Anfang der Woche startete die „Protestwoche der Landwirte“ und sorgte neben einigen Verkehrsbehinderungen auch für ausreichend Gesprächsstoff. Zwei Landwirte erklären im Gespräch mit unserer Redaktion ihre Standpunkte und geben eine Prognose ab.

Die Sparpläne der Bundesregierung stoßen bei den Landwirten aktuell auf deutlichen Unmut. Schon seit Anfang der Woche sind deutsche Bauern mit ihren Traktoren in den Städten unterwegs und machen mit Hupen und Plakaten an den Fahrzeugen auf sich aufmerksam. Dem ursprünglichen Vorhaben der Regierung, die Kfz-Steuerbefreiung und die Steuerbegünstigungen bei Agrardiesel zu streichen, wollen sie auf keinen Fall klein beigeben.

 

Zu der landesweiten Aktion aufgerufen hat der Bauernverband Nordschwarzwald-Gäu-Enz, in welchem auch Mario Zimmermann vom Seidtenhof Baiersbronn ein aktives Mitglied ist. Somit war er ebenfalls bei einem der vielen Proteste am Montag vor Ort – und hat einiges zu erzählen. „Gestartet sind wir aus dem Raum Baiersbronn am Sammelpunkt in Klosterreichenbach um 5.30 Uhr morgens und es ging in Richtung Freudenstadt/Gewerbegebiet Sulzhau, anschließend als langer Korso über die B 28 nach Horb.“

Bei Abfahrt seien rund 100 Schlepper am Start gewesen und 30 bis 40 Lkw. Außerdem Handwerker, Kleinunternehmer, Jäger und Privatleute. Zusammengezählt war die Gruppe den Tag über mit rund 200 Fahrzeugen unterwegs.

„Die Menschen haben keine Luft mehr zum Atmen.“

„Die im Verhältnis große Beteiligung weiterer Berufsgruppen hat gezeigt, dass es um weitaus mehr geht als „nur“ um Agrardiesel und Steuererhöhungen“, findet Zimmermann. Vielmehr habe er das Gefühl gehabt, die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik in Berlin wachse von Tag zu Tag auch in weiteren Branchen. „Die Menschen scheinen auch aufgrund von sinnfreien Kostensteigerungen und ausufernder Bürokratisierung so langsam keine Luft mehr zum Atmen zu haben.“

Sowohl Zimmermann als auch der Verantwortliche für Freudenstadt, Falco Roth, seien begeistert von der Solidarität untereinander und dem vorbildlichen Verlauf der Demo. „Der Verkehr zum Autobahnzubringer wurde entschleunigt und wir hatten die Möglichkeit, mit verschiedenen Aufschriften an den Fahrzeugen Präsenz in der Öffentlichkeit zu zeigen und unsere Anliegen sichtbar zu machen“, erinnert sich Zimmermann. Versorgt worden seien die Teilnehmer mit reichlich Essen und Trinken, das ausnahmslos von örtlichen Betrieben bereitgestellt wurde. „Beste Organisation“, lobt der Landwirt. Nach dem Abschlusstreffen um 14.30 Uhr ging es für ihn anschließend wieder „heim in den Stall“.

Kritischer Blick in die Zukunft der Landwirtschaft

Die Zukunft für die Landwirtschaft sieht er kritisch. „In unserer Raumschaft ist die Agrarstruktur sehr kleinteilig, oftmals sind Flächen steil und nur schwer zu bewirtschaften.“ Speziell bei seinem eigenen Betrieb mit ökologischer Wirtschaftsweise komme noch ein geringerer Ertrag hinzu, da kein Dünger verwendet werde. „Im Ergebnis benötigen wir mehr Diesel pro Hektar und mehr Fläche pro Großvieheinheit“ – wie also bei größeren Bewirtschaftungseinheiten mit besseren Böden. Dass die Investitionskosten in keinem Verhältnis mehr zum Ertrag stehen würden, sei eben genau das Problem. „Es bleibt am Ende die Frage, ob wir das der folgenden Generation noch zumuten können.“

„Uns fehlt die Perspektive.“

Paula Altner, angehende Landwirtin in Holzhausen, hat dazu eine klare Meinung. „Uns fehlt die Perspektive.“ Dadurch, dass die Landwirte die Preise ihrer Produkte nicht selbst bestimmen könnten, müssten sie die gestiegenen Produktionskosten selbst tragen. „Es wird dadurch immer schwieriger, unsere Betriebe am Laufen zu halten und davon leben zu können. Viele Existenzen sind bedroht und es wird weiterhin dazu kommen, dass vor allem kleine Betriebe schließen müssen.“

Gebraucht werde also eine Umstrukturierung der gesamten Agrarpolitik. „Wir Landwirte erhalten Subventionen, damit wir trotz der hohen Anforderungen und Standards für Umweltschutz und Verbraucher mit unseren Produkten wettbewerbsfähig bleiben. Dadurch entsteht eine Abhängigkeit“, erklärt die 21-Jährige. Benötigt werde eine Reduzierung dieser Abhängigkeit, um für die Arbeit und die eigenen Produkte fair bezahlt werden zu können.

„Wir wünschen uns eine Regierung, die mit der Landwirtschaft arbeitet und nicht gegen uns. Das beinhaltet praktische und umsetzbare Lösungen, die mit den Landwirten zusammen erarbeitet werden, anstatt uns vor vollendete Tatsachen zu stellen.“ Aktuell heiße es für die Landwirte: immer höhere Kosten ohne jegliche Alternativen.

Landwirte müssen weiter für ihre Ziele einstehen

Ob die Proteste bereits erfolgreich waren? Paula Altner sieht etwas Licht am Ende des Tunnels. „Auf jeden Fall haben sie schon etwas bewirkt, etwa die Rücknahme der Streichung für die Kfz-Steuerbefreiung forstwirtschaftlicher Maschinen. Wir dürfen also unser grünes Kennzeichen behalten.“ Außerdem sei es ein wichtiger Schritt gewesen, die Leute auf die Anliegen und Probleme der Branche aufmerksam zu machen. „Ich hoffe sehr, dass die Regierung auch noch die Entscheidung zur Streichung der Agrardiesel-Rückvergütung zurücknimmt und über vorherige Entscheidungen in der Agrarpolitik nachdenkt. Wie schon gesagt: Wir brauchen Zusammenarbeit.“

Mario Zimmermann blickt etwas verhaltener auf die Woche zurück. „Natürlich ist das Thema „Grünes Kennzeichen“ aktuell vom Tisch. Aber im Moment nehme ich wahr, dass wir Landwirte weiter für unsere Ziele einstehen müssen, damit sich unsere Rahmenbedingungen so ändern, dass sich die Erzeugung von heimischen Lebensmitteln wieder lohnt!“ Müsse er heute eine Prognose abgeben, ob die Forderungen der Landwirte gegenüber der Regierung Gelingen oder Scheitern werden, könne er sich noch für keine der beiden Varianten entscheiden. „Auf jeden Fall werden wir weiter für unsere Positionen kämpfen und auch die Belange aller anderen Branchen mit unterstützen.“