Jeden Tag wird das Wasser mit einer sogenannten „Ewigkeits-Chemikalie“ angereichert. Baden-Württemberg wies laut einer Studie den höchsten Wert in ganz Deutschland auf. Wie sieht es da im Kreis Rottweil aus?
Der Chemikaliengehalt der sogenannten „Ewigkeits-Chemikalie“ TFA (Triflouressigsäure) im Trinkwasser steigt. Die synthetisch, chemische Verbindung baut sich weder in der Umwelt noch im Körper ab und hat im Trinkwasser eigentlich nichts verloren. Doch wie kommt sie dann da rein?
TFA ist ein Abbauprodukt, das etwa in Pflanzenschutzmitteln vorkommt und so über die Böden in unser Grund- und Trinkwasser gelangt. Und das nicht zu knapp, wie eine aktuelle Studie einiger Umweltschutzorganisationen, darunter „Global 2000“ und „PAN Europe“, zeigt. In 34 von 36 europäischen Leitungswasserproben wurde TFA nachgewiesen. Besonders Bedenklich: Vor allem in Baden-Württemberg sei das Leitungswasser stark belastet – laut Studie 1100 Nanogramm pro Liter, der höchste Wert in ganz Deutschland. Noch höhere Werte gibt es im Nachbarland Österreich mit 4100 Nanogramm pro Liter.
Wurde die Chemikalie TFA in Rottweil gemessen?
Wir fragen beim Rottweiler Trinkwasserlieferanten, der Energieversorgung Rottweil (ENRW), nach. Wurde dort bereits TFA nachgewiesen? Die ENRW verneint, teilt aber mit, dass eine TFA Messung für 2025 angekündigt sei.
Das Leitungswasser könne man unbesorgt trinken und die Parameter gemäß der Trinkwasserverordnung sei unterschritten. Welche Parameter untersucht werden, regele die Trinkwasserverordnung. Auch der Chlorgehalt im Wasser werde ständig überwacht.
Was macht das Gesundheitsamt im Kreis Rottweil?
Das Gesundheitsamt beim Rottweiler Landratsamt ist für die Untersuchung der Trinkwasserqualität verantwortlich. Die Chemikalie TFA sei nicht in der Trinkwasserverordnung aufgeführt und werde daher vom Gesundheitsamt im Trinkwasser auch nicht überwacht. Neu sei allerdings, dass in der novellierten Trinkwasserverordnung vom 20.Juni 2023 aufgrund der EU-Richtlinie eine Untersuchungspflicht auf PFAS, also langlebige Chemikalien, bestehe. Und dazu gehört auch TFA.
Wie sieht eine Wasserekontrolle aus?
Das Gesundheitsamt überwache laufend, ob die Wasserversorger im Landkreis Rottweil ihrer Untersuchungspflicht nach der Trinkwasserverordnung nachkommen. Sie haben die Pflicht, das Trinkwasser abhängig von der Wassermenge, mindestens vier bis 16 Mal im Jahr auf mikrobiologische Parameter und allgemeine Indikatorparameter zu untersuchen. Ein beziehungsweise zwei Mal im Jahr werden chemische Parameter und allgemeine Indikatorparameter unter die Lupe genommen. Das Gesundheitsamt führe bis zu 20 Probenahmen im Jahr durch. Die Probe werde an der Übergabestelle des Wasserversorgers an den Verbraucher, der sogenannten Ortsnetz-Entnahmestelle, entnommen. Die Untersuchung der Wasserprobe erfolge dann in einem Labor.
Wie ist hier die Alarmkette?
Sowohl die Wasserversorger als auch die Labore seien gesetzlich verpflichtet, Grenzwertüberschreitungen unverzüglich dem Gesundheitsamt zu melden. Liege eine Gesundheitsgefährdung vor, reagiere das Gesundheitsamt umgehend und spreche etwa ein Abkochgebot für den betroffenen Bereich aus.
Das Trinkwasser im Landkreis entspreche Stand jetzt der Trinkwasserverordnung und könne unbesorgt für den menschlichen Gebrauch verwendet und auch getrunken werden.
Fehlende Qualitätsstandards für Grund- oder Oberflächenwasser
Aber: Laut „Global2000“ gibt es für TFA im Trinkwasser bislang keinen gesetzlichen Grenzwert im Wasser. Dies und das Fehlen von Qualitätsstandards für Grund- oder Oberflächenwasser führten dazu, dass die chemische Verschmutzung nicht wahrgenommen wurde. Wie gefährlich TFA ist, thematisierte der „Stern“ in einem Artikel. Dort wird aus einer Studie von Bayer zitiert, die schwere Missbildungen bei Kaninchenbabys ausmachte, nachdem deren Mütter während der Schwangerschaft TFAs ausgesetzt waren.