Dirk Brünker verschwand vor zwei Jahren spurlos, 77 Tage später wurde seine Leiche gefunden – die Umstände seines Todes bleiben ein Rätsel. Die Familie sieht Ungereimtheiten bei den Ermittlungen, nun rollt ein Recherche-Team den Fall des Villingers neu auf.
Die Weihnachtszeit wird bei Familie Brünker nie mehr so sein wie früher. Denn am 23. Dezember 2022 verschwand der 61-jährige Dirk Brünker spurlos. 77 Tage später bergen Rettungskräfte den Leichnam des Villingers aus der Brigach in Donaueschingen.
Doch trotz der Gewissheit, dass der Familienvater nicht mehr am Leben ist, ist für die Witwe Michaela sowie die Kinder Tamara und Kai vieles unbegreiflich. Und: Sie haben von Beginn an Zweifel an den Erklärungen der Polizei. Doch was steckt dahinter? Sind die Zweifel berechtigt? Wie verlor Dirk Brünker sein Leben? Eine Recherche-Organisation soll nun Antworten auf drängende Fragen der Familie liefern.
Transparenz der Behörden gefordert
Die Journalisten Nadine Saeed und Luke Harrow vom Berliner „Recherche Zentrum“ erklären im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es rund um die Aufklärung des Falls Ungereimtheiten geben soll. Sie beschäftigen sich seit dem Frühjahr mit den Geschehnissen rund um das mysteriöse Verschwinden des Villingers, nachdem Tamara Brünker die Organisation um Mithilfe gebeten hat. Seitdem kämpfen sie auch, wie sie mehrfach betonen, um mehr Transparenz seitens der Behörden.
Saeed und Harrow beklagen, dass der Familie und dem Anwalt keine uneingeschränkte Akteneinsicht gewährt werde. „Es liegen nur Fragmente vor – es ist beispielsweise nicht ausreichend dokumentiert, wie die Einsätze vonstatten gingen“, so Harrow. Man wolle sämtliche Akten einsehen, die mit dem Brünker-Fall zusammenhängen, erklären die Investigativ-Journalisten. Mit der derzeitigen Aktenlage gebe es „viele Unstimmigkeiten“.
Polizei äußert sich nicht zu den Akten
Die Polizei begründet die nur teilweise herausgegebene Akte gegenüber dem Anwalt mit Geheimhaltungsrichtlinien zu einsatztaktischem Vorgehen und Informationen in diesem Zusammenhang, die die allgemeine Sicherheit gefährden könnten. Das zuständige Polizeipräsidium Konstanz will sich auf Anfrage unserer Redaktion hingegen nicht zur Herausgabe der Akten äußern. So erklärt Polizeisprecher Daniel Brill, dass die Familie „rechtlich gegen die nicht gewährte Einsicht der Akten“ vorgehe und das Präsidium sich deshalb nicht zu dem laufenden Verfahren äußert.
Tatsächlich lässt das Recherche-Team hinsichtlich der Herausgabe der Akten nicht locker. Ein auf Verwaltungsrecht spezialisierter Anwalt habe sich der Sache angenommen, „das zieht sich insgesamt aber seit Mai“, so Saeed. Mithilfe der Akten wolle man prüfen, ob es weitere Ermittlungsansätze hinsichtlich der konkreten Todesursache von Dirk Brünker gibt. Sollte das so sein, will man die Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens erreichen.
Brünker wurde zuletzt von Polizisten gesehen
In diesem Zusammenhang kritisieren sie ebenso den eigenen Angaben zufolge lückenhaften Autopsiebericht, in dem Bilder fehlen. Saeed: „Es gibt darüber hinaus keine definitive Aussage über die Todesursache.“ Diesbezüglich mahnen Familie Brünker und das Recherche-Team die polizeilichen Aussagen an. „Noch bevor die Obduktion begann, haben die Ermittlungsbehörden Fremdeinwirkung ausgeschlossen“, erklären sie.
Ihre Kritik an der offiziellen Darstellung der Behörden bezieht sich auch auf den Zeitpunkt, als der Ex-Kicker des FC 08 Villingen zuletzt gesehen wurde. Von den Behörden war in diesem Zusammenhang das Gasthaus Ott genannt worden, das stimmt Recherchen zufolge jedoch nicht. „Tatsächlich stieß Dirk Brünker anschließend auf Polizisten, er hatte sich in eine Art Festnahme-Situation eingemischt“, so die 46-jährige Journalistin. Der betroffene Polizeibeamte habe dies auch seinem Dienstherrn mitgeteilt, sei jedoch erst Ende Januar dazu befragt worden.
Familie glaubt nicht an Sturz in Brigach
Diese und weitere Unstimmigkeiten hätten dazu geführt, die Untersuchungen zu intensivieren. Das Team sei bereits seit mehreren Monaten dran, arbeite mit internationalen Experten zusammen und habe sich die relevanten Örtlichkeiten auch schon persönlich angeschaut. Stück für Stück erwarte man in den kommenden Wochen und Monaten weitere Ergebnisse zu den Recherchen und Untersuchungen.
„Für die Familie ist vieles unklar, sie glaubt nicht, dass er in den Warenbach oder die Brigach gefallen ist“, berichten die Journalisten. Man wolle deshalb nicht locker lassen, bis die entscheidenden Fragen geklärt sind. „Wir wollen Klarheit darüber, wie Dirk Brünker gestorben ist.“
Recherche Zentrum
Organisation
Beim Recherche Zentrum handelt es sich eigenen Angaben zufolge um eine Gruppe von Investigativjournalisten, Filmemachern und Aktivisten, die staatlich unabhängige Aufklärungsarbeit betreiben möchte.
Arbeitsweise
Die Beteiligten betreiben laut ihren Aussagen eine intensive Analyse der Akten, beauftragen Experten und Sachverständige zur Klärung zentraler Fragen, machen eine ausführliche Hintergrundrecherche und suchen nach Möglichkeit auch Gespräche mit beteiligten Personen und Zeugen.
Finanzierung
Die Arbeit werde den Familien der Betroffenen nicht in Rechnung gestellt. Im Fall Dirk Brünker übernehme man die Kosten für die Anwälte, die Sachverständigen und entsprechende Gutachten sowie eine umfängliche Recherchearbeit und ist deshalb auf Spenden angewiesen.