Danceperados war eine besonders mitreißende Show im Theater am Ring. Foto: Jörg Wenzler

Zwei Stunden Tanzrausch, Live-Musik und Lebensfreude pur: Die Danceperados of Ireland reißen das Publikum zu Standing Ovations hin.

Mit viel Temperament und überschäumender Lebensfreude brachte das irische Tanz- und Musikensemble „Danceperados of Ireland“ am vergangenen Mittwochabend das Theater am Ring zum Beben.

 

„Danceperados“ – das ist natürlich an das englische Wort „desperado“ angelehnt, was wiederum eine Bildung aus dem 17. Jahrhundert zum Adjektiv „desperate“ (verzweifelt) ist, in Anlehnung an das spanische „desesperado“, das sich auf das lateinische „desperare“ (die Hoffnung aufgeben) bezieht.

Und „Danceperados“? Nun, die übersetzen ihre angelehnte Wortschöpfung frei als die „Tanzwütigen“.

Sich lustvoll auszutoben

Das ist natürlich wie so oft bei derartigen Anlehnungen nicht ganz stimmig, denn „Tanz“ gibt es eine ganze Menge, aber „wütig“ im Sinne von „wütend, voller Wut“ war auf der Bühne niemand, den ganzen Abend nicht. Ganz im Gegenteil.

Da wurde getanzt, dass die Bude wackelte, gesungen und musiziert, dass es eine wahre Lust war, den fünf ausgezeichneten Musikern zuzuhören. Nicht um Wut ging es, sondern um Leidenschaft und Lebensfreude, darum, sich gegenseitig an die Wand zu tanzen, wobei es völlig egal war, wer nun doller tanzte, sondern nur darum, sich lustvoll auszutoben.

Den irischen Tanz gibt es schon ordentlich lange, sagt uns das informative Programmheft. Natürlich hat er, wie so ziemlich alles in Irland, uralte gälische Wurzeln. Zum ersten Mal erwähnt worden sei er dann im 16. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert habe es erste „Dance Masters“ gegeben, die über die Dörfer reisten, um der Landbevölkerung die aktuellen Tanzschritte beizubringen. Bis sich dann im 20. Jahrhundert Organisationen gründeten, die Ordnung in den Wildwuchs des irischen Tanzes bringen wollten. Heute gibt es über 100 000 Tänzerinnen und Tänzer auf der ganzen Welt.

Einen großen Schub erfuhr der Irische Tanz 1994, als im Pausenprogramm des „Eurovision Song Contest“ Riverdance auftrat und damit den Auftakt für eine geradezu inflationäre Bewegung bildete. Wie Pilze schossen die Gruppen aus dem Boden, und jeder versuchte, auch ein Stück vom irischen Tanzkuchen abzubekommen.

Davon nehmen sie Abstand

Es wurde dann aber leider nur allzu oft versucht, mit billigsten Produktionen möglichst viel Geld zu verdienen. Und genau davon möchten sich die Danceperados abgrenzen. Nicht mit irgendwelchen schnell zusammengeschusterten Playbacks wird hier gearbeitet, nein, auf der Bühne sitzt eine fünfköpfige Band, mit Fiddle, Traversflöte, Akkordeon, Gitarre aber auch Schlagzeug, bei dem die irische Handtrommel bodhrán nicht fehlen darf, und macht irische Musik vom Feinsten. Vom gälischen Marienlied bis zum Song zeitgenössischer Liedermacher.

Und nicht nur als Begleitung der Tänzerinnen und Tänzer, sondern auch eigenständig sind die Musiker tätig. Zur Unterstützung des hochkarätigen Tanzensembles aber spielen sie auf wie die Teufel.

Und wie die Teufel tanzen sie auch, die Jungs und Mädels der Danceparados. Mit wirbelnden Beinen, klappernden Schuhen, immer wieder begleitet von Klatschern und Juchzern – zwei Stunden lang ist da die Hölle los im Theater am Ring. Und wir lernen, dass es auch irische Tanzformen gibt, in denen der Oberkörper nicht steif und die Arme nicht fest angepresst sind. Und all das zu einer modernen Lightshow, die nur manchmal etwas hektisch wirkt. „The Spirit Of Irish Christmas“ – natürlich ist da das Thema Weihnachten präsent.

Mit Erzählungen über Bräuche und historische Zusammenhänge zwischen den einzelnen Sets wird den Zuschauern das spezielle am Kontext Irland-Weihnachten nahegebracht. In Irland ist der natürlich katholisch geprägt, denn schließlich war die Grüne Insel lange Zeit das westlichste katholische Land Europas. Spaß, Lebensfreude, vereint mit sehr großem Können – kein Wunder, dass der Saal am Ende tobte und mit stehenden Ovationen Zugabe um Zugabe fordert.