Die Kooperation zwischen den Stadtwerken und der Badenova soll der Stadt Lörrach Vorteile bringen. Die Mitglieder im Ausschuss blieben nach der Konzeptvorstellung skeptisch.
Die Stromnetzkonzession, also das Nutzungsrecht der Energieinfrastruktur durch einen Betreiber, sieht in Lörrach im Zuge einer strategischen Neuausrichtung eine stärkere kommunale Beteiligung vor. Im Zentrum dieser Neuausrichtung steht die im Jahr 2021 erfolgte Gründung der Stadtnetze Lörrach als gemeinschaftliches Unternehmen der Stadtwerke Lörrach und der BadenovaNETZE.
Gremium will mehr und konkretere Informationen
Einzelheiten über die weitere geplante Entwicklung wurden am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) gleich von vier Verantwortlichen dieser Gesellschaft erläutert. Dabei stieß ihre Präsentation auf viel Misstrauen. Die Mitglieder des Gremiums wünschten sich fast durch die Bank weg mehr Informationen und konkretere Zahlen. Diese jedoch konnten oder wollten die Geschäftsführer nicht liefern. Mit Verweis auf Unwägbarkeiten sowie anstehende Verhandlungen mit dem bisherigen Netzbetreiber blieben die Angaben zumindest in der öffentlichen Sitzung vage, was zu zahlreichen Rückfragen führte.
Mehr Einfluss auf Entscheidungen
Von der Rekommunalisierung verspricht sich die Stadt als Konzessionsgeberin einen deutlich größeren Einfluss auf strategische Entscheidungen und Investitionen in die Energieinfrastruktur sowie direkte wirtschaftliche Vorteile, insbesondere durch Beteiligungserträge aus der Netzgesellschaft sowie zusätzlichen Gewerbesteuereinnahmen.
Die Gesellschaft ist so strukturiert, dass die Stadtwerke Lörrach mit 51 Prozent die Mehrheit halten, während BadenovaNETZE 49 Prozent übernimmt. Die operative Verantwortung soll bei einer eigens gegründeten Verwaltungsgesellschaft liegen.
Investitionen in Infrastruktur geplant
Gewinne werden anfangs jedoch noch nicht ausgeschüttet, sondern verbleiben im Unternehmen, um auf diese Weise dessen Eigenkapital und Wert kontinuierlich zu erhöhen. Mit zunehmender Größe und Modernität des Netzes, so der Plan, sollen die Erträge dann in Zukunft steigen. Vor diesem Hintergrund sind auch Investitionen geplant: So soll die Infrastruktur am Wiesenweg zu einem zentralen Standort für die gesamte Region weiterentwickelt werden. Die Eigentümerin Badenova will insgesamt mehr als elf Millionen Euro investieren.
Klaus Schallenberger, Betriebsleiter der Stadtwerke Lörrach, erläuterte die Ziele und die Motivation der Stadt bei diesem Vorgehen, während sein Stellvertreter sowie kaufmännischer Geschäftsführer Tobias Kilian näher auf den Wirtschaftsplan der Stadtwerke einging. Demnach sind zunächst Investitionen in Höhe von fünf Millionen Euro geplant, unter anderem für den Netzkauf. Langfristig soll die Beteiligung am Stromnetz dabei helfen, die Finanzen der Stadtwerke Lörrach zu stärken.
Gespräch mit Naturenergie geplant
Der Technische Geschäftsführer Tilmann Pfaff erläuterte im Anschluss, wie die Gesellschaft der Stadtnetze Lörrach aufgestellt ist. Als nächstes gehe es nun darum, den operativen Betrieb zu organisieren, den Aufsichtsrat zu gestalten und ein Auftaktgespräch mit dem bisherigen Betreiber Naturenergie zu führen. Deren Mitarbeiter in Lörrach, so war zu erfahren, sollen auf Wunsch übernommen werden. Einen Fachvortrag zum Thema „Regulierung im Stromnetz“ hielt Jan Kircher, kaufmännischer Geschäftsführer von BadenovaNETZE. Er sprach von planbaren Gewinnen für beide beteiligten Gesellschafter. „Die Stadtnetze Lörrach verdient ab dem ersten Tag der Netzübernahme Geld“, betonte er.
Das Gremium blieb skeptisch. Dabei ähnelten sich die kritischen Nachfragen aus allen Fraktionen. Vor dem Hintergrund, dass die Gewinne zunächst einbehalten werden sollen, fragten sie danach, ab wann denn nun mit welchen Ausschüttungen zu rechnen sei. Für Irritationen sorgte zudem die Aussage, dass Mitarbeiter von Naturenergie Übernahmeangebote erhalten haben. Kircher versicherte jedoch, dass Badenova über eigene Ingenieure verfüge und dies ein Angebot an Personen sei, die ihren Arbeitsplatz in der Region nicht verlieren wollen.
Wie sollen Überschüsse eingesetzt werden?
Für die Kunden soll sich im Wesentlichen nichts ändern, außer dass sie ihre Rechnungen demnächst an Badenova zahlen. Auch die Konzessionsabgabe werde wie bisher weitergezahlt, hieß es auf Nachfrage. Es gebe kaum ein sichereres Geschäft, versuchte Schallenberger die Gemüter zu beruhigen. Die regulierten Erlöse lägen über den Kosten. Es stelle sich lediglich die Frage, wie die Überschüsse eingesetzt werden sollen. Immerhin könne nach einem jahrelangen Rechtsstreit nun wieder mit einer besseren Verzinsung gerechnet werden, wurde festgestellt.