Die erst 13-jährige Helen Jakubowski aus Rottweil erobert mit ihren Texten die Herzen des Publikums. Foto: Denise Kley

Drei Teilnehmerinnen, darunter eine 13-Jährige, treten beim Dichterwettstreit im restlos ausverkauften Museum Art.Plus in Donaueschingen an.

Volles Haus im Museum Art.Plus: Ein Dichterwettstreit in moderner Form lockte am Freitag, 9. Januar, 120 Menschen in den Spiegelsaal. Die Rede ist von einem Poetry Slam. „Wir sind restlos ausverkauft – aber von Donaueschingen bin ich es nicht anders gewohnt“, sagte Organisator und Moderator Elias Raatz.

 

Den Start machte Marina Sigl (29). Sie ist in Donaueschingen aufgewachsen und kann schon auf Hunderte Auftritte bei Poetry Slams zurückblicken. Sigl war außerdem in der ProSieben-Dating-Show „Love is King“ als Hoflyrikerin zu sehen. Sie gab eine poetische Kurzgeschichte zum Besten, die auf dem Meer spielt.

Auf den Schultern ihrer Eltern

Bei ihrem zweiten, inhaltlich stärkeren Stück sprach sie von ihrem Aufwachsen als Arbeiterkind. Sie beendete den Auftritt mit einer starken Botschaft: Ohne ihre Familie hätte sie ihre beruflichen Träume, ihre Bildung und ihre Ziele so nicht verfolgen können. „Ich stehe auf den Schultern meiner Eltern“, lautete ihr Fazit.

Die preisgekrönte Slam-Poetin Anna Lisa Azur. Die 27-Jährige ist rund 500 Kilometer aus Wuppertal angereist. Foto: Denise Kley

Doch die Konkurrenz schlief nicht: Helen Jakubowski (13) aus Rottweil überzeugte mit einem gesellschaftspolitischen Stück. In diesem thematisierte sie die Lebensrealität einer alleinerziehenden Mutter, eines Migranten, eines Mannes in einer Lebenskrise und einer einsamen Seniorin. Mit ihrem gefühlvollen und einsichtigen Text ließ die 13-Jährige das Publikum staunend und betroffen zurück.

Wenig prüde

Die Dritte, Anna Lisa Azur (27), kommt aus Wuppertal. Sie prangerte den Schönheitswahn der Gesellschaft an und beschrieb, wie Frauen unter Sexismus leiden. Vor ihrem zweiten Auftritt sagte sie lachend: „Kinder und unter 18-Jährige sollten nun am besten den Saal verlassen.“ In ihrem Text „Plädoyer“ appellierte sie an die Frauen, für ihre sexuellen Bedürfnisse einzustehen.

Das Publikum zeigte sich wenig prüde und belohnte sie mit 49 Punkten. Für die Wuppertalerin hat sich die weite Anreise gelohnt: Azur holte sich den Gesamtsieg, Sigl belegte den zweiten und Jakubowski den dritten Platz.