In Baden-Württemberg gab es zuletzt viele Gewitter. (Symbolfoto) Foto: Brigipix/Pixabay

Sie kommen plötzlich und gehen schnell: Von manchen werden sie „Geistergewitter“ genannt. Doch was steckt hinter dem Wetterphänomen? Und warum lassen sich „Geistergewitter“ nicht vorhersagen?

Am Donnerstag wurde Rastatt von einem schweren Gewitter überrascht: Es gab überschwemmte Straßen, umgekippte Bäume und hoch gedrückte Gullydeckel. Die offizielle Unwetterwarnung erreichte die Polizei dabei laut dem SWR (Südwestrundfunk) erst, als der Spuck schon vorbei war.

Auch Orte in und um den Schwarzwald wurden zuletzt von schweren Gewittern überrascht - etwa Bisingen im Zollernalbkreis. Dort gab es zwar Warnungen für die Region, bis kurz vor dem schweren Unwetter im Mai war jedoch nicht klar, wo genau und wie stark das Gewitter ausfallen wird.

Darum lassen sich die „Geistergewitter“ kaum vorhersagen

Florian Engelmann, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst (DWD) Stuttgart, erklärt, warum sich „Geistergewitter“ so schwer vorhersagen lassen. „Das Thema ist die Kleinräumigkeit. Großräumige Ereignisse können besser vorhergesagt werden. Je kleiner das wird, so schwieriger ist das, zu erfassen“, so der Experte. Das habe zwei Gründe: zum einen die zu geringe Datenlage - schließlich hat nicht jeder Ort eine Wetterstation - und zum anderen könnten die meisten Wettermodelle kleinräumige Ereignisse nur „sehr sehr schwer erfassen“. Im Vorfeld von „Geistergewittern“ könnten die Wetterexperten zwar sagen, dass es irgendwo zu Gewittern komme. Zu bestimmen, wo und wann genau - das sei aber schwierig.

Das macht die „Geistergewitter“ aus

Engelmann erklärt weiter: Bei plötzlich auftretenden Gewittern handelt es sich um sogenannte Einzelzellen-Gewitter, also um eine einzelne Gewitterzellen, die ganz punktuell entstehen und dann auch relativ schnell wieder verschwinden. „Häufig sagt man dazu auch Hitzegewitter“, fügt der Meteorologe hinzu. Ob „Geistergewitter“ stark oder schwach ausfallen, das sei unterschiedlich. Die Einzelzellen-Gewitter seien von Multizellengewittern zu unterscheiden, so der Meteorologe. Dort fassten sich mehrere Zellen zu einem Komplex zusammen.

So kommt es zu „Geistergewittern“

Wetterexperte Engelmann nennt die Voraussetzungen für plötzlich auftretende Gewitter: besonders starke Wärmeeinstrahlung und hohe Luftfeuchtigkeit. „Viel Sonne sorgt für viel Energie“, erklärt er. Wenn sich die Energie dann an einem Ort besonders stark halte, könne es zu einem „Geistergewitter“ kommen. Die stark erwärmte Luft steige auf und sorge für das Gewitter.

Diese Orte sind besonders Gewitter-gefährdet

Hotspots für „Geistergewitter“ kann Experte Engelmann zwar nicht ausmachen. Allerdings seien der Schwarzwald und die Schwäbische Alb in Baden-Württemberg generell besonders häufig von Gewittern betroffen. Das liege einfach an der Geografie: Neben dem Faktor der Erwärmung sorgten eben auch Gebirge für das Aufsteigen von Luft und könnten so unter bestimmten Umständen für Gewitter sorgen.

So sind die Aussichten für die nächsten Tage

Der „Schaukelsommer“, wie Engelmann es nennt, setzt sich im Südwesten erstmal fort. Die Aussichten seien weiterhin wechselhaft, so der Meteorologe. Sonne, Wolken, Schauer und Gewitter werden sich laut seiner Prognose die nächsten Tage weiter abwechseln. Schuld daran seien wechselnde Tiefdrucktätigkeiten. Engelmann erklärt: „Uns fehlt das stabile Hochdruckgebiet. Die Tiefs bringen uns das wechselhafte Wetter.“ Es drohen also auch weiterhin Gewitter und „Geistergewitter“.