Ende August wählt Bad Liebenzell einen neuen Bürgermeister. Der erste Bewerber steht fest: Sebastian Kopp. Was er plant und warum er auch die Schattenseiten des Jobs nicht fürchtet.
Gefragt nach dem Job des Bürgermeisters, der seit Jahren immer härter zu werden scheint, hatte Sebastian Kopp Ende 2025 in unserem Jahresinterview eingeräumt: „Der Beruf ist herausfordernd.“
Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit rund einem dreiviertel Jahr im Dauereinsatz als Stellvertreter des erkrankten Bad Liebenzeller Bürgermeisters Roberto Chiari. Seit Mitte Juli 2025 unterstützt ihn der ehemalige Haiterbacher Schultes Andreas Hölzlberger als Leiter der internen Verwaltung.
Anfang Mai dieses Jahres gab Chiari nun bekannt, das Landratsamt Calw versetze ihn „aufgrund dauerhafter Dienstunfähigkeit zu diesem Zeitpunkt in den Ruhestand“. Zum 31. Mai endet seine Dienstzeit. Und Bad Liebenzell braucht einen neuen Bürgermeister.
Ein herausfordernder Beruf, den Sebastian Kopp mittlerweile zumindest zum Teil bereits seit mehr als einem Jahr übernommen hat. Nun will er genau da weitermachen. „Ich bewerbe mich für das Amt des Bürgermeisters in Bad Liebenzell bei der Wahl im Sommer 2026“, verkündete Kopp in dieser Woche in einer Presseerklärung.
Seit März vergangenen Jahres führe er in Vertretung die Amtsgeschäfte im Ehrenamt. Und er habe „in dieser Zeit von der Bevölkerung sehr viel Zuspruch erfahren“, berichtet der Bewerber. „Innerhalb dieses Jahres ist mir klar geworden, dass ich das Amt des Bürgermeisters gut ausfüllen kann und ich die Stadt in Zukunft führen möchte.“
Beim Neujahrsempfang der Stadt Ende Januar war ihm sogar eine besondere Anerkennung zuteil geworden. Weil er nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Chiari im Ehrenamt umfassend an vorderster Stelle mit viel Einsatz für Bad Liebenzell gewirkt habe, erhielt er eine von einer Bürgerin angeregte Ehrung und stehende Ovationen.
Erklärtes Ziel: Stadt zukunftsfähig machen
In der Begründung hieß es, er habe sich in seinem Tun „weit über das im Ehrenamt Erwartbare“ für seine Heimatstadt eingesetzt.
Das will er ganz offenbar weiterhin. „Erklärtes Ziel von mir ist nach der Amtsübernahme die Weiterentwicklung der Organisation der Stadtverwaltung und der Infrastruktur der Stadt, um diese zukunftsfähig zu machen“, unterstreicht Kopp.
Besonders liege es ihm am Herzen, „auch weiterhin ein erreichbarer und verlässlicher Ansprechpartner für die Bevölkerung, Vereine, Feuerwehren und Institutionen zu sein“.
Der stellvertretende Bürgermeister stellt jedoch auch klar: Die finanzielle Situation der Stadt Bad Liebenzell sei leider sehr schwierig, die Stadt praktisch nicht mehr handlungsfähig. Das wichtigste Ziel nach seiner Wahl werde es daher sein, diese finanzielle Situation „deutlich zu verbessern und so die Handlungsfähigkeit wieder herzustellen“.
Seit zwölf Jahren im Gemeinderat, seit sieben Jahren im Kreistag
Kopp sieht sich für die Aufgabe gut aufgestellt. Seit zwölf Jahren ist er Mitglied des Gemeinderats, fungiert als Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Liste, seit sieben Jahren sitzt er für die Freien Wähler im Kreistag. „Daher bin ich in unserer Region gut vernetzt“, erklärt er.
Aufgrund von Chiaris langer Krankheit habe er sich als Stellvertreter inhaltlich bereits gut eingearbeitet und könne „deshalb nach der Wahl sofort mit der Sacharbeit beginnen und unsere schöne Stadt auch überzeugend repräsentieren“. Dafür wolle er sich mit ganzer Kraft einsetzen.
Kopp ist verheiratet, vierfacher Vater, selbstständiger Bestattungsunternehmer und seit Jahrzehnten Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Für sein Unternehmen hat er indes bereits einen Plan, sollte er den Chefsessel im Rathaus gewinnen: „Im Falle einer erfolgreichen Wahl würde ich mein Geschäft meinem Sohn übergeben“, sagt Kopp.
„Persönliche Angriffe muss man aushalten“
Dass der Bürgermeister-Job auch durchaus seine Schattenseiten mit sich bringt, ist Kopp indes bewusst – nicht nur, weil er seit mehr als einem Jahr jemanden vertritt, den der Beruf die Gesundheit gekostet hat.
„Persönliche Angriffe muss man aushalten, für sich einordnen können und es braucht eine resiliente Grundhaltung“, hatte Kopp Ende 2025 im Jahresinterview mit unserer Redaktion gesagt. Zumal sich das Berufsbild der Rathauschefs auch in Zukunft nicht ändern werde. „Den Druck muss man schlicht und ergreifend aushalten können.“