Die Ausstellung „S’Bähnle kummt“ zur Schmalspurbahn ist seit dem ersten Adventswochenende im Lahrer Stadtmuseum zu sehen. Zur Vernissage war das Foyer gefüllt.
Die Mitarbeiter im Museum mussten im Foyer kurzerhand nachbestuhlen, bis auch die letzte Reihe besetzt war. Bürgermeister Guido Schöneboom freute sich über das Interesse: „Mit dem Andrang haben wir nicht gerechnet.“
Der Sozialdezernent, in dessen Bereich die Kulturarbeit und damit das Museum gehören, wusste, dass die Schmalspurbahn im Volksmund auch „Entenköpfer“ genannt wurde (siehe Info).
Und Schöneboom steuerte die Anekdote zur Ausstellung bei, warum das „Bähnle“ am damaligen Knotenpunkt Schlüssel immer zurücksetzte (O-Ton: „Anlauf nahm“), bevor die Fahrt zum Endhaltepunkt Seelbach weitergehen konnte: Die Gleise mussten gefegt werden. Ob die Ausstellung auch verrät, warum das notwendig war? Nur so viel: Einen Anstieg, für den der Anlauf notwendig gewesen wäre, hat es am Schlüssel nie gegeben.
Das unfertige Modell des Stadtbahnhofs ist ebenfalls zu sehen
Auf die Nennung des vollständigen alemannischen Titels verzichtete der gebürtige Sachse allerdings, das würden andere besser aussprechen, meinte Schöneboom. Cornelia Lanz, die Leiterin des Amts für Stadtgeschichte und Archivwesen, in dessen Zuständigkeitsbereich auch das Museum gehört, verwies dazu auf das noch im Bau befindende Modell des alten Stadtbahnhofs.
Dort hatte die Schmalspurbahn, die zwischen 1898 und 1952 das Ried, die Stadt Lahr und das untere Schuttertal erschlossen hatte, gehalten. Dieses sehr genau nachgebaute Modell des Urteilsplatzes ist im selben Maßstab (1:32) wie das Herzstück der Ausstellung nachgebaut und steht im Foyer, solange diese Ausstellung im 2. Obergeschoss zu sehen sein wird.
Die Ausstellung heißt „S’Bähnle kummt“, erklärte Silke Höllmüller, die Leiterin des Museums. Man habe sich für den Namen „Bähnle“ entschlossen, wohl wissend, dass auch die Namen „Bähnli“ oder eben „Entenköpfer“ möglich gewesen wären.
Automobilverkehr sorgt für das Ende des „Entenköpfers“
Höllmüller führte kurz durch die Geschichte der Schmalspurbahn und der MEG, dem Vorläufer der SWEG (wir haben in unserer Ausgabe am Donnerstag bereits berichtet). Interessant waren etliche historische Schwarz-Weiß-Fotografien, die Szenen mit der Bahn in der Stadt zeigten. Hier war auch zu sehen, wie aufwendig das Entfernen der Schienen nach 1952 gewesen war, als diese Nahverkehrsverbindung ein Opfer des zunehmenden Automobilverkehrs wurde.
Höllmüllers ausdrücklicher Dank galt allen, die an dieser neuen Ausstellung, der ersten seit dem Jahr 2018, zu einem nicht geringen Teil ehrenamtlich mitgewirkt hatten. Sie verwies auch darauf, dass „S’Bähnle kummt“ nicht nur eine Ausstellung zur Geschichte der Schmalspurbahn in und um Lahr sei, sondern auch eine Ausstellung zur Geschichte dieses Modellbaus. Beispielhaft dafür ist der zeitliche Aufwand: So haben die Modellbauer für den noch nicht fertigen Nachbau des alten Stadtbahnhofs bisher rund 500 Stunden investiert.
Im 2. Obergeschoss in einem der Räume für die Wechselausstellung steht das Modell, das den Urteilsplatz gegen Ende des „Bähnles“ sehr genau wiedergibt. Es sind Automobile, die es Ende der 1940er Jahre gab.
Auf der Rückseite werden verschiedene Lokomotiven samt Waggons bereitgestellt, samt eines Gebäudes, über das bei der Vernissage etliche Besucher rätselten. Einige Plakate mit kurzen Texten zur Geschichte der MEG und des „Bähnles“ sowie zur Bedeutung der Eisenbahn ergänzen die Schau. Vorführungen gibt es zu den Öffnungszeiten des Museums (mittwochs bis sonntags von 11 bis 18 Uhr) immer zwischen 14 und 17 Uhr.
Woher kommt der Name?
Ob der Name „Entenköpfer“ in der Stadt Lahr, der Gemeinde Dinglingen oder in den Dörfern im Ried entstanden ist? Die Wikipedia listet, neben der Bahn der MEG, sieben andere Schmalspurbahnen im Südwestdeutschen Raum auf, die Anspruch auf den Namen geltend machen können.