Christian Bantle, viele Jahre seit der Jugend beim AB Aichhalden als Ringer aktiv, hat im Sommer 2024 die Sportart gewechselt und fightet nun mit den Cracks des Rugby-Cluclub Rottweil. Die „Schwarz-Gelben“ sind Tabellenführer der 2. Bundesliga Süd/West und haben das Ziel: Aufstieg in die 1. Bundesliga. Foto: Fritz Rodolf

Christian Bantle, der über zwei Jahrzehnte beim AB Aichhalden als Ringer aktiv war, wechselte die Sportart und spielt seit Sommer 2024 beim Rugbyclub Rottweil. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Bote gibt er Einblick zu seinem Wechsel.

Überspitzt formuliert, ging es für Bantle von der Ringermatte in den Matsch, denn die Rugbycracks scheuen sich nicht, auch bei widrigen Bedingungen den Fight um das „Ei“ anzunehmen. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Bote gibt Christian Bantle Einblicke über seinen Wechsel als langjähriger Ringer des AB Aichhalden zum Rugbyclub Rottweil.

 

Hallo Christian. Seit dieser Saison bist Du für den Rugbyclub Rottweil (RCR) aktiv. Seit Kindesalter warst Du beim AB Aichhalden als Ringer im Einsatz. Wie kam es zu der Veränderung, was reizt Dich, sozusagen von der „Ringermatte in den Matsch“ zu wechseln?

Nach über 20 Jahren im Ringen wollte ich noch einmal etwas anderes ausprobieren. Während meines Studiums habe ich Freunde aus Frankreich kennengelernt, und wir haben gelegentlich Rugby angeschaut. In Frankreich ist Rugby Nationalsport, und irgendetwas hat mich an diesem sehr körperlichen Sport gereizt. Als die Ringersaison 2023/24 vorbei war, habe ich auf der RCR-Homepage eine Telefonnummer gefunden, angerufen und gefragt, ob ich für ein Schnuppertraining vorbeikommen darf. Nach ein paar Trainings war klar, dass ich mich auch in einem Spiel versuchen wollte. Nach vier Monaten Training, bei meinem dritten Spiel, stand ich zum ersten Mal in der Startaufstellung.

War es eine große Umstellung? Der körperliche Einsatz ist beim Rugby ebenso anspruchsvoll wie beim Ringen.

Das ist das Schöne. Zum einen ist es eine große Umstellung, weil nun auch ein Ball mit im Spiel ist. Das war und ist eine große Veränderung. Zum anderen sind die Tackles im Rugby sehr körperlich. Da hilft mir meine Ringererfahrung sehr. Was beim Ringen ein gut ausgeführter Doppelbeinangriff ist, ist beim Rugby ein sauberes Tackle.

Auch das Regelwerk ist ein ganz anderes. Gab es da „Nachhilfestunden“ zum lernen?

Die gab und gibt es. Nach meinem zweiten Training hat man mir die App „World Rugby: Regeln des Spiels“ empfohlen. Dort sind die Rugby-Regeln verständlich erklärt. Außerdem hilft es, Spiele anzuschauen. Und doch muss ich zugeben, dass ich noch nicht alle Regeln beherrsche. Ich bin vom Typ „Learning by Doing“, und so gibt es in fast jedem Training „Nachhilfestunden“. Das macht den RCR auch aus. Bei uns ist jeder willkommen und erhält die Hilfe im Training, die er benötigt.

Welche Rolle, Spielerposition, nimmst Du ein?

Mit meinen circa 84 kg eigne ich mich besser als schneller „Außendreiviertel“ anstelle eines kräftigen Stürmers in der Mitte. Anders als im Fußball sind die Stürmer im Rugby viel mit „Gedränge“ und Tackles beschäftigt. Der Ball und die Läufe sind langsamer als auf den Außenpositionen. Dort sind die Lücken größer und damit die Laufwege länger. Die Hauptaufgabe des linken und rechten Außenspielers ist es, Angriffe abzuschließen und Versuche zu legen. Kurz: Sie sollen die Punkte erzielen.

Brauchtest Du eine Eingewöhnungszeit in der Spielpraxis?

Definitiv. Ich kann mich noch gut an mein erstes Auswärtsspiel gegen Stusta München erinnern. Ich bin gut in das Spiel hineingekommen und habe ein erstes gutes Tackle gesetzt. Danach allerdings habe ich zwei Pässe nicht gefangen und zwei Fouls begangen. Die Gegner fingen an, sich lustig über mich zu machen. Das war nicht schön, gehört aber zum Rugby dazu. Ich bin der Überzeugung, dass es diese Erfahrungen und die Spielpraxis braucht, um besser zu werden. Ich persönlich habe in meinen ersten Ringerjahren viel mehr Niederlagen kassiert, als ich Siege verbuchen konnte. Diese Erfahrungen helfen einem, besser zu werden.

Wie wurdest Du beim RC Rottweil aufgenommen?

Sehr gut. Meine Mitspieler sind zwar hart auf dem Platz, aber abseits sehr herzlich. Die Vereinsstruktur erinnert mich an die meines Heimatvereins AB Aichhalden, und ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt.

Beim Rugby ist derzeit noch Winterpause. Welches Fazit ziehst Du nach der Vorrunde in der 2. Bundesliga?

Wir stehen auf Tabellenplatz 1, haben jedes Spiel in der Vorrunde gewonnen und einen kleinen Vorsprung gegenüber unseren direkten Konkurrenten aufgebaut. Das Team und ich sind guter Dinge für die Rückrunde, und wir freuen uns auf die Duelle.

Beim AB Aichhalden warst Du über ein Jahrzehnt Stammringer. Wie hat man beim ABA reagiert, dass Du die Sportart wechselst?

Der ABA ist mein Heimatverein und viele meiner besten Freunde sind Ringer. Die meisten waren zwar enttäuscht, haben es aber auch verstanden, dass ich noch etwas anderes ausprobieren wollte. Man hat mir gesagt, dass ich aktuell 196 Mannschaftskämpfe bei den Aktiven bestritten habe. Die 200 möchte ich sicher noch vollmachen. Insofern ist meine Ringerkarriere noch nicht beendet.

Nicht bereut, den Wechsel vollzogen zu haben?

Nein.

Im Ringen sind es zwei Mal drei Minuten, in denen man alles geben muss, die Spielzeit beim Rugby geht über 80 Minuten. Wie war es da mit der Anpassung?

Bezogen auf die Anstrengung ist es schwer, beide Sportarten miteinander zu vergleichen. Ringen ist unglaublich anstrengend, weil sich der Kampf auf sechs Minuten komprimiert. Rugby ist nicht weniger anstrengend, aber es verteilt sich anders. Und doch gibt es diese intensiven zwei bis drei Minuten des ununterbrochenen Spiels, die mich sehr an Ringen erinnern.