Die Automaten der Hüfinger Landkiste bieten regionale Lebensmittel rund um die Uhr an. Dahinter steckt für die Betreiber ein Trend: Herkunft wird vielen Kunden immer wichtiger.
Der Honig ist leer oder fürs Sonntagsfrühstück fehlen Eier – wenn Supermärkte (schon) geschlossen haben, kann man in Hüfingen auch zu Randzeiten noch einkaufen.
Möglich macht das die Hüfinger Landkiste in der Zehntgasse 2. Dort stehen zwei große Automaten mit gekühlten Produkten wie Eier, Käse, Wurst oder Kartoffeln. Die Tür ist rund um die Uhr geöffnet, Kunden zahlen direkt vor Ort.
Seit vergangenem Jahr betreiben die Familie Maier aus Hüfingen und der Leimgrabenhof in Pfohren die Landkiste. Sie kennen sich aus der Landwirtschaft. „Die Familie Maier ist auf uns zugekommen und hat eine Vermarktungsstelle gesucht“, sagt Jörg Fehrenbacher. In Pfohren betreibt der Leimgrabenhof schon länger einen Verkaufsautomaten.
20 bis 30 Käufer am Tag
Auch in Hüfingen kommt das Konzept gut an. „Etwa 20 bis 30 Leute kommen täglich“, erzählt Tinett Maier. „Von Jung bis Alt ist alles dabei.“ Vor allem die Eier laufen sehr gut. Das Angebot richtet sich aber auch nach den Jahreszeiten. Jetzt im Frühjahr gibt es Hofeis und Grillprodukte, im Herbst wiederum Kürbisse.
Das Ziel: Frische Ware von den umliegenden Höfen, ohne Umweg. „Wir haben das Gefühl, die Leute wollen die Erzeuger direkt unterstützen, haben aber nicht immer die Möglichkeit dazu“, erklärt Jörg Fehrenbacher.
Für ihn ist die Landkiste eine kleine Sammelstelle, an der Kunden sich ihren Wunsch nach mehr Regionalität erfüllen können.
Wunsch nach Vertrauen
Denn der wird seines Erachtens nach größer. „Ich glaube, das hat viel mit dem Wunsch nach Vertrauen zu tun“, sagt der Landwirt. Dieses sei für viele im Handel durch Preisabsprachen der großen Märkte oder Zusatzstoffe verloren gegangen. „Unsere Produkte funktionieren ohne Label und kommen von Erzeugern, die vor Ort sind und dadurch eine größere Verantwortung haben.“
So haben Kunden Bezug zu einzelnen Höfen und bekommen das, was eben gerade verfügbar ist. „Vom Hof sind die Produkte nicht unbedingt teurer“, betont Fehrenbacher. „Billig ist es nicht, denn es steckt viel Arbeit dahinter. Aber es ist direkter und es gibt keine Handelsaufschläge.“
Jörg Fehrenbacher macht es Spaß, so zu präsentieren, was Landwirtschaft alles kann. „Es sind ehrliche Produkte, direkt vom Hof, zu einem erschwinglichen Preis. So wie man es auch mal gelernt hat, sich zu ernähren.“ Es sei wichtig, den Bezug zur Landwirtschaft nicht zu verlieren und dadurch auch Produkte aus dem Handel hinterfragen zu können.
Rund um die Uhr
Der organisatorische Aufwand hält sich für die Betreiber in Grenzen. Die Automaten machen die Landkiste rund um die Uhr zu einem sichereren Verkaufsort. Die Familie Maier hatte zuvor ein Verkaufshäuschen, das auf Vertrauen beruhte. „Da hatten wir Probleme mit Diebstahl“, sagt Tinett Maier.
Weitere Standorte sind möglich
Sowohl Maier als auch Fehrenbacher können sich vorstellen, das Konzept in Zukunft an weiteren Standorten auszubauen, wenn die Rahmenbedingungen passen. „Ich denke, das macht einen Ort attraktiver. Jede Gemeinde ist ja auf der Suche nach einem Nahversorger“, sagt Fehrenbacher.
Seiner Erfahrung nach dauert es aber ein paar Jahre, bis sich das Konzept etabliert hat. „Man braucht erst einmal Reichweite. Und natürlich müssen Qualität und Service passen.“
Das Angebot
Die Hüfinger Landkiste bietet Kunden Wurst, Fleischwaren, Käse, Kartoffeln, Eier und Honig sowie Getränke, an manchen Tagen Zwiebeln und jetzt in der wärmeren Jahreszeit verschiedene Eissorten oder auch Grillprodukte. Die Bezahlung an den Automaten ist bar oder mit Karte möglich. Während die Familie Maier vor allem Käse und Honig beisteuert, kommen vom Leimgrabenhof hauptsächlich die Fleischprodukte wie Konserven, Wurst(salate) und Aufstriche.