Der bekannte Journalist Deniz Yücel kommt nach Calw zu einer Veranstaltung zum Thema „Heimat – Integration – Demokratie“ der Autorenvereinigung PEN Berlin.
„Ist das noch/schon mein Land?“ Unter diesem Motto veranstaltet die Autorenvereinigung PEN Berlin in 22 Orten Baden-Württembergs Gesprächsreihen. Am 20. Februar ist die „Kleine Bühne“ (im Saal der Musikschule) Schauplatz dieser hochkarätigen Veranstaltung.
Florian Fuchs, Vorsitzender des Kleinkunstvereins „Kleine Bühne“, äußerte sich begeistert. „Wenn PEN Berlin, also die wichtigste Schriftstellervereinigung im Land, bei uns anfragt, ob wir eine Podiumsdiskussion zum Thema ,Heimat – Integration – Demokratie’ abhalten wollen, dann sagen wir natürlich nicht nein. Wir, das ist die Kleine Bühne und unser Kooperationspartner VHS, sind unheimlich stolz, dass der PEN Berlin, insbesondere Deniz Yücel gerade bei uns nachgefragt haben. “
Fuchs berichtete, dass der Sprecher der PEN-Vereinigung, Deniz Yücel persönlich die Veranstaltungsreihe im Land begleitet. Yücel ist hierzulande auch wegen seiner spektakulären Inhaftierung 2016 bis 2017 in der Türkei bekannt. Als Türkei-Korrespondent saß er wegen angeblicher „Terror Propaganda“ in strenger Einzelhaft. Was auch das damalige politischen Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei eintrübte.
Yüzel zu den Gesprächsreihen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz: „Das wird nicht immer nett. Aber mir scheint dieser Weg, die Auseinandersetzung zu suchen, der richtige. Besser, als in Berlin zu sitzen, ,unsere Demokratie’ zu beschwören und dabei zuzusehen, wie die Menge derer, die mit diesem Possessivpronomen bezeichnet wird, immer kleiner wird.“
Das Besondere: Das Publikum ist integraler Bestandteil des Konzepts. „Es soll nicht ehrfürchtig den Gästen lauschen, um am Ende zwei, drei hastige Fragen zu stellen, sondern ist eingeladen, mitzusprechen – mit dem Podium, aber auch untereinander.“ Yücel gibt Fragen aus dem Publikum weiter an die Diskutanten.
Belastende Ängste
Die Veranstalter weiter: „Viele Ängste belasten die Deutschen: Die Angst davor, dass der Staat seine elementaren Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Die Angst vor einer Überforderung der Gesellschaft durch Einwanderung. Die Angst davor, dass Wohnen unbezahlbar und Gesundheitsvorsorge unerreichbar werden. Die Angst vor einem tiefen Fall der Wirtschaft dieses Landes. Begleitet von vielschichtigen Gefühlen wie Einsamkeit, Machtlosigkeit und Verunsicherung. Wie soll man sich verhalten gegenüber dem politischen Extremismus? Wie und wann sich gegen ansteigenden Antisemitismus und Rassismus wenden? All diese und weitere Ängste lassen sich in einem Motiv bündeln: die Angst vor dem Verlust des Vertrauten. Die Angst vor dem Verlust von Heimat.“
Auf dem Podium begegnen sich: Frédéric Schwilden, Schriftsteller – Journalist bei der Welt und Fotograf sowie Autor des Romans „Gute Menschen“ – und Ryyan Alshebl, der 2015 aus Syrien über das Mittelmeer nach Deutschland geflüchtet ist und nicht einmal zehn Jahre später in Ostelsheim zum Bürgermeister gewählt wurde. Die Moderation übernimmt Zarah-Louise Roth. Sie ist derzeit vor allem für den NDR tätig.
Eine kostenlose Kartenreservierung ist möglich unter www.kleine-buehne-calw.de.