Bei der Kinder- und Jugendpornografie sind die Zahlen in der Region gestiegen. Foto: Arne Dedert/dpa

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Jugendtrainer eines Vereins aus dem Fußballbezirk Nordschwarzwald, der Nacktfotos von seinen unter-14-jährigen Spielern haben wollte.

Der Fußballbezirk Nordschwarzwald ist im Schockzustand: Bei einem seiner Vereine forderte offenbar ein Jugendtrainer per Whatsapp Nacktfotos von seinen Spielern – nach jetzigem Ermittlungsstand alle unter 14 Jahre alt. Eines der Kinder vertraute sich seinen Eltern an, die zur Polizei gingen. Es kam zu einer Hausdurchsuchung beim mutmaßlichen Täter, wobei mehrere Datenträger sichergestellt wurden.

 

Sichergestellte Datenträger werden jetzt ausgewertet

„Das Besondere an diesem Fall ist, dass auf die Kinder zugegangen wurde. Das ist also schon etwas anderes als der klassische Sammler von Kinderpornografie“, sagt Oberstaatsanwalt Markus Wagner von der Staatsanwaltschaft Rottweil. Sie ist für den Fall zuständig, da der betroffene Verein aus dem Kreis Rottweil kommt. Zum Ermittlungsstand kann Wagner noch nicht viel sagen, da die sichergestellten Datenträger erst ausgewertet werden müssen. „Wir hatten schon Auswertezeiten von einem halben Jahr“, macht der Oberstaatsanwalt wenig Hoffnung aus zeitnahe Ergebnisse.

Betroffen ist laut Wagner offenbar nicht nur der Jugendspieler, der sich seinen Eltern anvertraut hat, sondern mehrere Kinder. Auf die Frage, ob der mutmaßliche Täter bislang schon aufgefallen ist, kann der Oberstaatsanwalt nur sagen: „Da haben wir keine Erkenntnisse.“ Klar ist aber: Der betroffene Verein hat sich bereits von dem Jugendtrainer getrennt.

Beim Fußballbezirk Nordschwarzwald reagiert man wenig gesprächig auf den Kinderpornografie-Verdacht. Erst auf Anfrage unserer Redaktion sagt der Bezirksvorsitzende Wolfgang Ottmar nur: „Wir stehen in dieser Sache mit der zuständigen Stelle beim WFV in Kontakt. Ansonsten verweise ich darauf, dass wir uns zu den laufenden Ermittlungen nicht äußern werden.“ Die Frage nach Präventiv-Projekten und möglicher Unterstützung für die betroffenen Familien lässt Ottmar unbeantwortet.

Anstieg um 20 Prozent bei Kinderpornografie

Im Bereich der Staatsanwaltschaft Rottweil sind die Zahlen bei der Kinder- und Jugendpornografie im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen. Allerdings verweist Oberstaatsanwalt Wagner darauf, dass es in diesem Bereich zu mehr Aufklärung kommt – etwa durch international tätige Hacker-Gruppen, die ihre Informationen den Behörden zur Verfügung stellen. Dass die Zahlen also tatsächlich gestiegen seien, gehe daraus laut Wagner nicht zwingend hervor.

Mit Blick auf den Jugendfußball sagt WFV-Pressesprecher Heiner Baumeister: „In Bereich des Württembergischen Fußballverbandes handelt es sich um absolute Einzelfälle, die sich in ihrer Qualität stark unterscheiden. Obwohl wir quantitativ keine ansteigende Tendenz feststellen, messen wir dem Kinderschutz im Fußball große Bedeutung zu. Wenn sich konkret Betroffene melden, bieten wir Unterstützung an und können professionelle Hilfe vermitteln.“ Baumeister betont in diesem Zusammenhang: „Jeder uns zugetragene Fall belegt die Wichtigkeit individuell erarbeiteter Kinderschutzkonzepte für Vereine, um sich präventiv bestmöglich zu schützen. In enger Zusammenarbeit mit der Württembergischen Sportjugend unterstützt der Württembergische Fußballverband seine Vereine dabei, dieses Thema in der Vereinsarbeit umzusetzen – in Form von Einzelberatung und Schulungsangeboten.“