Das Jazzkonzert von Matthias Schriefl und seiner Studenten-Bigband löste eine Klang- und Beifallsintflut im Bürgerhaussaal aus.
Der 44-jährige Professor für Jazztrompete an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart Matthias Schriefl stellte an drei Abenden des Altensteiger Musiksommers seine künstlerischen und pädagogischen Kompetenzen unter Beweis.
Am Anfang des finalen Konzerts versetzte der begnadete Multi-Instrumentalist und Komponist zusammen mit seiner 20-köpfigen Formation das Publikum in beste Laune mit New Orleans-Jazz, dann ließen die Instrumentalisten mit weiteren Eigenkompositionen des Band-Leaders eine siedend-explosive Atmosphäre entstehen.
Im Laufe des mit elementarer Kraft, Humor, ungezügelten improvisatorischen Einlagen getränkten Konzerts kam die Einstellung Schriefls zur Musik immer deutlicher zum Vorschein. Laut einem Interview sei diese für ihn „etwas Lebendiges“, weil „Vieles, was sich nicht bewegt, stinkt irgendwann“.
Und diese Vitalität klang in jedem Programmpunkt mit. Darüber hinaus lüftete er von der Bühne aus das Geheimnis seiner mit unzähligen Jazz-Preisen ausgezeichneten Erfolge: „Disziplin, Disziplin, Disziplin“.
Diesen Prinzipien folgend, schöpft der gebürtige Allgäuer seine Ideen aus diversen Quellen und verleiht jedem Stück eine persönliche Prägung voller Kreativität, Passion, handwerklicher Präzision, rhythmischer Raffinesse und eigentümlichen harmonischen Wendungen.
Publikum lacht Tränen
Geradezu hinreißend interpretierten die Studierenden, ihr Mentor Schriefl und der Special Guest Professor für Jazzposaune an der Hochschule für Musik Würzburg Felix Fromm, die Bearbeitungen der Allgäuer Folklore. Ihre bäuerliche und angeheiterte Deftigkeit füllten die Musiker mit akrobatischen Soli, dann entzündeten sie eine riesige Ladung aus Witz und beißender Ironie in dem großartig instrumentierten „Rambo Zambo“. Das Publikum lachte Tränen.
Da im Spektrum der Interessen von Schriefl auch indische Musik liegt, deren Merkmale er in seine Stücke einwebt und mit westlichem Jazz in Einklang bringt, beteiligten sich an dem Konzert zwei Musiker aus dem Süden des Subkontinents.
Exotische, virtuose Klänge
Mit ihrem frappierenden Intro führten Amith Nadig und B. C. Manjunath die Zuhörer in den Bann der exotischen wie virtuosen Klänge der Bambusflöte Bansuri sowie der unglaublich schnellen wie klaren Silbensprache zur Begleitung der indischen Trommel Mridangam. Ihrer Fertigkeit und Besessenheit schloss sich Schriefl an und hob hier schier die Grenzen der Trompeten-Virtuosität auf.
Auch der instrumentale und vokale Nachwuchs der Stuttgarter Musikhochschule zeigte sich im besten technischen und künstlerischen Licht. Ihr emotionales Engagement sowie disziplinierte Spielsicherheit beeindruckte besonders bei der grandiosen Wiedergabe der verrückt oder gar perfide wirkenden Rhythmen.
Im stehenden Schlussapplaus gab das Publikum seinen Emotionen freien Lauf, und nach andauernden Schreien, Pfiffen und Begeisterungsrufen legte die Bigband eine fulminante Zugabe hin.