Ein Fernseh-Interview gerät aus den Fugen: Christel Günther und Sadik Varol bei der Probe. Regisseur Andreas Jendrusch (vorne) leistet Hilfestellung. Foto: Hannes Kuhnert

Die Neue Studiobühne Baiersbronn wärmt sich mit Loriots Sketchen für Wilhelm Hauffs „Kaltes Herz“ auf.

Die Theaterkulisse im Hintergrund kommt irgendwie bekannt vor. Auf der Bühne davor sitzen zwei Menschen: links eine aufgebrezelte Fernseh-Journalistin, rechts ein angeblicher US-Astronaut. Die Szene kennt man doch? Richtig: Es ist Loriots krauser Humor über Alltäglichkeiten.

 

Die Neue Studiobühne Baiersbronn belebt seine unvergesslichen Sketche wieder. Premiere ist am Freitag, 22. November, im Haus des Gastes in Tonbach.

Derzeit ackern sich Laienspieler der Studiobühne im Musiksaal der Grundschule Klosterreichenbach durch die Proben. Es klappt schon ganz gut, auch wenn Regisseur Andreas Jendrusch noch einige Tipps zu Sprache und Körperhaltung einflicht oder es gleich vormacht.

Neuer Regisseur bringt frischen Wind

Jendrusch ist neu bei der Studiobühne und mit ihm bläst auch ein frischer Wind. Der wurde ganz offensichtlich auch gebraucht. Denn 2023 musste eine Theater-Spielzeit abgeblasen werden. Weil die Schauspieler fehlten. Sie waren entweder in die Jahre gekommen oder abgesprungen.

„Wenn ich mit meinen 38 Jahren zweitjüngste Schauspielerin der Studiobühne bin, wird klar, dass wir Nachwuchs suchen müssen“, sagt Julia Kotsch. Sie ist seit April neue Vorsitzende der Bühne und löste damit Otto Gaiser ab, der vor zehn Jahren den Vorsitz übernommen und die Truppe zu neuen Zielen geführt hatte. In den Reihen der Schauspieler hatten sich nach Corona einige Lücken aufgetan und auch eine gewisse Müdigkeit breit gemacht. Die scheint jetzt mit vier neuen Darstellern und dem neuen Regisseur wie weggeblasen zu sein.

Spielfreude ist allenthalben spürbar

Kotsch und Gaiser sprechen von sprühender Energie und Spielfreude, die allenthalben zu spüren seien. Das liege sicherlich auch an Andreas Jendrusch. Er arbeite als Profi ansonsten viel mit Profis, bringe aber großes Verständnis für das Amateurtheater mit: sachlich, zielgerichtet und wertschätzend.

Stabwechsel mit einem Lächeln: Julia Kotsch hat den Vorsitz der Neuen Studiobühne von Otto Gaiser übernommen. Foto: Hannes Kuhnert

Das Miteinander mache allen Beteiligten Freude. Und man habe ja miteinander noch Großes vor. Zur Gartenschau 2025 bereitet die Bühne „Das Kalte Herz“ im neuen Baiersbronner Märchenpark vor: Wilhelm Hauffs klassisches Märchen in einer Baiersbronner Fassung, bearbeitet von Johannes Smeets und Andreas Jendrusch.

Zunächst aber geht es um Herrn Doktor Klöbner und Herrn Müller-Lüdenscheidt in der Badewanne, um den letzten Kosakenzipfel, das Jodlerdiplom oder um das eingangs erwähnte Fernseh-Interview. Eben um die urkomischen Sketche von Loriot. Die hatte die Studiobühne schon einmal vor zehn Jahren mit großem Erfolg aufgeführt. Jetzt werden sie seit Juli in vielen Proben wieder aufpoliert. Ein paar Neue sind hinzugekommen – das gilt sowohl für die Schauspieler als auch für die Sketche.

Aufführungen an verschiedenen Spielorten

Mit „Früher war mehr Lametta – amüsante Komik von Loriot“ präsentiert die Neue Studiobühne eine Sammlung ausgewählter Sketche in fünf Aufführungen: am 22. November ab 19.30 Uhr im Haus des Gastes in Tonbach, am 23. November ab 19.30 Uhr im Rosensaal in Baiersbronn, am 24. November ab 17 Uhr im Rosensaal in Baiersbronn, am 30. November ab 19.30 Uhr im Stadthaus in Freudenstadt und schließlich am 1. Dezember ab 17 Uhr im Kulturpark Glashütte in Obertal-Buhlbach. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Buchhandlung Osiander in Baiersbronn, über die Homepage www.neue-studiobuehne.de sowie an der Abendkasse.

Zur Person

Andreas Jendrusch
, Jahrgang 1978, ist Schauspieler, der nach dem Studium an vielen deutschen und ausländischen Bühnen gespielt hat und auch heute immer mal wieder auf der Bühne steht. Vor zehn Jahren hat er in Simmersfeld (Kreis Calw) das „Regionentheater aus dem schwarzen Wald“ gegründet, das er als Intendant leitet und mit dem er durch die Region tourt. Inzwischen hat es seinen Sitz in Bad Teinach-Zavelstein. Er möchte Theater zum Anfassen machen, nah beim Publikum sein, Theater aufs Land bringen, sagt Jendrusch im Gespräch mit unserer Redaktion. Sein mit Preisen bedachtes Kinder- und Jugendtheater tritt nahezu bundesweit auf. In Calw hat er die „Kultur-Apotheke“ am Marktplatz ins Leben gerufen. Das Amateurtheater im ländlichen Raum liegt ihm besonders am Herzen. Er übernimmt immer wieder die Regie bei Amateurbühnen, vertritt sie auch im Landes- und im Bundesverband der Freien Tanz- und Theaterschaffenden. Gerne würde er für das Amateurtheater auch im Nordschwarzwald feste Spielorte finden. In Baiersbronn, so sagt Jendrusch, sei er bei der Neuen Studiobühne auf eine sehr spielfreudige und engagierte Truppe gestoßen, in der alle an einem Strang ziehen. Die Amateure seien top vorbereitet, das Miteinander sei „sehr, sehr, sehr gut“, er spüre das Vertrauen der Schauspieler. Die „Theaterstruktur dahinter“ funktioniere wohltuend gut; das sei durchaus nicht überall so.