Nele Willfurth ist 18, als sie in den Calwer Kreistag gewählt wird. Uns erzählt die heute 22-jährige Studentin, wie sie Politik und Studium unter einen Hut bringt, weshalb sie eigentlich mehr zufällig auf die Wahlliste geraten ist und warum ihr das Thema „Öffentlicher Nahverkehr“ besonders am Herzen liegt.
Als Nele Willfurth 2019 für die Grünen in den Calwer Kreistag gewählt wird, ist ihr anzusehen: Damit hat sie nicht gerechnet. Das Abitur liegt nur wenige Wochen zurück – genauso wie ihr 18. Geburtstag. Die Zeitung bezeichnet die Egenhausenerin als „wahrscheinlich jüngste Kreisrätin, die Calw je hatte.“ Überrascht? Ja. Gewillt, das Amt anzunehmen? Auch.
Seitdem sitzt Willfurth, heute 22, in Kreistagssitzungen, im Umwelt-Ausschuss und im Arbeitskreis zu Mobilität und Radverkehr. Sie stellt Anträge, liest Vorlagen und entwickelt Konzepte mit. Sie ist im Aufsichtsrat beim VGC und 2022 in die Regionalversammlung Nordschwarzwald nachgerückt.
Applaus für die erste Wortmeldung
Obwohl sie mit Abstand die jüngste im Kreistag ist: „Ich habe nicht das Gefühl, anders behandelt zu werden. Ganz am Anfang wurde ich regelmäßig noch für die Tochter oder Enkelin der anderen gehalten“, erzählt sie. Bei ihrer ersten Wortmeldung gab es Applaus. Das könnte an ihrem jungen Alter gelegen haben. Auf das werde sie häufiger angesprochen. Aber: „Die Leute denken immer, das spielt so eine große Rolle. Aber entweder bekomme ich das nicht mit oder es spielt wirklich keine große Rolle.“
In die grüne Jugend ist sie bereits mit 16 eingetreten. „Damals sind mir dann die Unterschiede zwischen Stadt und Land auch vermehrt aufgefallen. Und so hat sich die Idee entwickelt, politisch was zu machen.“ Im Gemeinschaftskundeunterricht geht es um die großen globalen Themen: Etwa Kriege, meint sie. „Also schon was sehr Abstraktes. Und da hat mir die Kommunalpolitik die Möglichkeit gegeben, konkret was zu ändern.“
Grüne schneiden unerwartet erfolgreich ab
Schließlich wurde sie gefragt, ob sie auf die Wahlliste wolle, allerdings hieß es: „Die Wahrscheinlichkeit gewählt zu werden hält sich in Grenzen.“ Sie wollte ihre Partei unterstützen und stand auf dem sechsten Listenplatz von sieben. Aber: Die Grünen schnitten unerwartet gut ab und Willfurth wurde Kreisrätin – auch von Mitschülern und Lehrern gewählt. Letztere standen teils selbst auf den Wahllisten.
Ihre Leidenschaft fand sie dann im Mobilitätsthema. „Ich denke, im ländlichen Raum kennen das alle jungen Leute, dass man noch sehr auf das Auto angewiesen ist und der ÖPNV stark auf Schüler ausgelegt ist.“ Mobilität vereine außerdem zwei Themen, die sie beide sehr interessieren: Soziale Teilhabe und Klimaschutz. Besonders stolz ist sie, dass noch vor dem 9-Euro-Ticket ein Jahr lang der Busverkehr im Kreis Calw an den Wochenenden kostenlos war. „Das ist eindeutig mein Lieblingsantrag“, erzählt sie. Wünschen würde sie sich auch einen Halb-Stunden-Takt für den ÖPNV. Dauerhaft würde sie sich aber auch gerne vermehrt mit dem Thema „Krankenhaus“ befassen, vor allem aufgrund des Calwer Neubaus.
Arbeiten und Lernen? Das geht auch in der Bahn!
Auch selbst ist sie rege ÖPNV-Nutzerin. Ihren Bachelor in Nachhaltiges Regionalmanagement hat sie in Rottenburg abgelegt, mittlerweile studiert sie in Karlsruhe Mobilitätsmanagement. Die Verbindung zu Egenhausen ist aber nie abgerissen, sie verbringt hier immer noch sehr viel Zeit – auch dank der direkten Bahnverbindung. Während der Fahrt könne sie arbeiten und lernen.
Die Politik nimmt im Schnitt den Umfang einer 50-Prozent-Stelle ein: fünf bis zehn Stunden für den Kreistag pro Woche, zehn weitere für die Grüne Jugend. „Aber ich empfinde es noch nicht als Arbeit“, meint Willfurth. Außerdem variiere der Aufwand übers Jahr: „Der Dezember ist mit den Haushaltsverhandlungen relativ aufwendig, im Juli kommt dann das, was vor der Sommerpause noch erledigt werden soll.“
Nachwuchs wird auch in der Lokalpolitik gesucht
In der Lokalpolitik braucht es junge Leute, das steht für sie fest. Sonst sei die Interessensvertretung sehr einseitig: „Da sitzen ähnliche Menschen mit ähnlichen Hintergründen, die ähnliche Dinge sagen.“ Und: „Manchmal werden die Ideen von jüngeren auch sehr dankbar angenommen.“ Zudem ist auch hier Nachwuchs gefragt.
Für sich selbst möchte sie eine Zukunft in der Politik nicht ausschließen, aber sie versteift sich nicht darauf. Möglich wäre auch ein Planungsbüro für Mobilität, überlegt sie. „Ich lasse es auf mich zukommen“, meint sie.