Anastacia freut sich auf das Konzert auf dem Marktplatz in Balingen. Foto: Live Nation

Anastacia spielt am 30. Juni ein Konzert in Balingen. Mit unserer Redaktion spricht über ihren Durchbruch, die Musikbranche und auf was sich ihre Fans freuen dürfen.

Am 30. Juni steht Anastacia auf dem Marktplatz in Balingen auf der Bühne. Im Interview spricht die US-Sängerin über ihren späten Durchbruch, die Veränderungen in der Musikindustrie und darüber, warum Konzerte für sie heute wichtiger sind denn je.

 

Anastacia, letztes Jahr feierten Sie Ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum. Gab es jemals einen Moment, in dem Sie darüber nachgedacht haben, etwas anderes als Musik zu machen?

Anastacia: Bevor meine Karriere wirklich begann, auf jeden Fall. Ich habe schon in meinen Zwanzigern versucht, in der Musikbranche Fuß zu fassen. Viele Leute fanden zwar, dass ich eine besondere Stimme habe, aber niemand wusste so richtig, was man mit mir anfangen sollte. Künstlerinnen wie mich gab es damals kaum. Die einzige Person, mit der ich verglichen wurde, war Tina Turner.

Ich glaube, viele Produzenten wollten mich in bestimmte Richtungen drängen. Erst später habe ich verstanden, dass gerade meine Eigenständigkeit das Entscheidende war. Man musste mich gar nicht verändern – man musste es einfach zulassen.

Hatten Sie damals einen Plan B?

Anastacia: Nicht wirklich. Ende der 90er-Jahre war ich allerdings an einem Punkt, an dem ich dachte: Wenn das jetzt nicht klappt, brauche ich einen „richtigen“ Beruf. Ich hatte gerade meinen Job verloren und bekam Arbeitslosengeld. Das war eine schwierige Zeit.

Ich habe damals überlegt, vielleicht mit Kindern zu arbeiten oder Sozialarbeiterin zu werden. Etwas, bei dem ich Menschen helfen kann. Das hätte zu meiner Persönlichkeit gepasst. Und genau in dieser Phase kam plötzlich die TV-Show, durch die ich entdeckt wurde. Kurz danach bekam ich meinen ersten Plattenvertrag. Das war verrückt.

Sie haben Ihre Karriere noch in einer ganz anderen Musik-Welt begonnen – mit CDs, MTV und Musikfernsehen. Wie sehen Sie die heutige Streaming- und Algorithmus-Welt?

Anastacia: Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich noch die Zeit erlebt habe, in der Musik ein richtiges Erlebnis war. Damals ist man in den Plattenladen gegangen, hat auf neue Alben gewartet und die Booklets gelesen. Das hatte etwas Besonderes.

Heute läuft vieles über Streaming und Algorithmen. Natürlich verstehe ich, dass sich die Welt verändert hat, aber ich finde es schade, dass oft eher die Plattformen Geld verdienen als die Künstler selbst. Gerade junge Musiker kennen diese frühere Zeit gar nicht mehr.

Trotzdem bin ich dankbar, dass es Live-Konzerte noch gibt. Auf der Bühne kann man immer noch echte Momente schaffen – und genau das liebe ich.

Ihre aktuelle Tour ist sehr intensiv. Wie schaffen Sie es, bei so vielen Konzerten körperlich und mental fit zu bleiben?

Anastacia: Ich bin sehr diszipliniert. Meine Songs sind nicht einfach zu singen, deshalb muss ich extrem auf meine Stimme achten. Zwischen den Konzerten ziehe ich mich oft komplett zurück. Ich rede wenig, bin viel alleine und sammle Energie.

Wir planen die Tour inzwischen bewusst so, dass ich möglichst nicht zu viele Shows direkt hintereinander spiele.

Sie bevorzugen oft kleinere Venues statt riesiger Arenen. Warum?

Anastacia: Weil dort eine besondere Magie entsteht. In kleineren Locations spürt man die Menschen viel stärker. Ich habe das Gefühl, selbst die Person in der letzten Reihe emotional erreichen zu können.

In großen Arenen ist die Energie zwar gewaltig, aber die persönliche Verbindung geht leichter verloren. Für mich ist genau diese Nähe zum Publikum das Wichtigste.

Viele Fans singen bei Ihren Konzerten jede Zeile mit. Was geht Ihnen in solchen Momenten durch den Kopf?

Anastacia: Das sind die schönsten Momente überhaupt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die Leute gar nicht wollen, dass ich weitersinge – sie wollen selbst mitsingen. Und sie machen sogar meine kleinen stimmlichen Eigenheiten nach. Das berührt mich total.

Dann entsteht plötzlich etwas sehr Intimes zwischen Publikum und Bühne. Es geht nicht mehr nur um die Musik, sondern um ein gemeinsames Erlebnis. Genau dafür liebe ich Konzerte.

Was dürfen die Fans beim Konzert am 30. Juni auf dem Marktplatz in Balingen erwarten?

Anastacia: Natürlich alle großen Hits. Aber ich bringe auch Songs aus verschiedenen Phasen meiner Karriere mit. Jede Nummer hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Botschaft.

Vor allem möchte ich, dass die Menschen einen Abend erleben, bei dem sie mitsingen, abschalten und einfach Spaß haben können. Genau diese gemeinsame Energie macht ein Konzert für mich besonders.