Für Bau und Planung der Strecke, so hieß es zuletzt im Mai dieses Jahres, werden rund 121 Millionen Euro fällig. Nun zeigt sich: Das reicht bei Weitem nicht. Doch woher kommt diese Kostenexplosion? Und warum wusste offenbar niemand davon? Landrat Helmut Riegger spricht von „internen Versäumnissen“.
Die ersten Kalkulationen wirken rückblickend bescheiden. 2014, vor nunmehr zehn Jahren, war noch die Rede von rund 48 Millionen Euro für das Gesamtpaket Hermann-Hesse-Bahn gewesen.
Dass dieser Betrag nicht zu halten sein würde, zeichnete sich früh ab.
Verzögerungen und zu erwartende Zusatzmaßnahmen für den Natur- und insbesondere den Fledermaus-Schutz ließen erahnen, dass die Preise klettern werden. Es folgten Corona, der Krieg in der Ukraine, Lieferschwierigkeiten, Energie-Krise, hohe Inflation.
„Längst bekannt“
Allein die Tunnel-im-Tunnel-Lösung zum Schutz der Fledermäuse – unvermeidlich, um keine juristischen Schwierigkeiten zu bekommen – wurde 2023 mit 18,4 Millionen Euro veranschlagt. Mehr als ein Drittel der noch 2014 angepeilten Summe.
Die Kostensteigerung, die an diesem Freitag nun allerdings mit den Vertretern des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn besprochen wurde, lässt all das schon beinahe blass aussehen.
164 Millionen Euro stehen mittlerweile unter dem Strich. Noch im Mai war von 121 Millionen Euro die Rede gewesen. Eine Steigerung um 43 Millionen Euro – und damit fast so viel, wie das Projekt ursprünglich im Ganzen kosten sollte.
Wo all das innerhalb der vergangenen knapp drei Monate plötzlich herkam? In den Unterlagen zur Sitzung findet sich dazu eine Erklärung – wenn auf den ersten Blick keine besonders erhellende.
Es habe sich um „längst bekannte“, allerdings „bisher nicht im Wirtschaftsplan abgebildete Kostensteigerungen“ gehandelt.
Zehn Prozent pro Jahr
In der jüngsten Sitzung des Zweckverbands Hermann-Hesse-Bahn wurde Landrat Helmut Riegger deutlicher: Der Wirtschaftsplan sei falsch aufgestellt und unvollständig gewesen.
Unter anderem, so fügte Holger Schwolow, Technischer Geschäftsführer des Zweckverbands, hinzu, habe es Preissteigerungen von etwa zehn Prozent pro Jahr gegeben. Das sei jedoch nicht immer sauber in die Wirtschaftspläne eingeflossen. Und das, wie es scheint, seit mehreren Jahren.
Aufgefallen war diese mangelhafte Dokumentation erst vor vier Wochen.
Riegger spricht dabei von „internen Versäumnissen“, aus denen auch Konsequenzen gezogen wurden – offenbar nicht zuletzt personell. Susan Knowles löst zum 1. August Thomas Huck als kaufmännische Geschäftsführerin ab. Das gab der Landrat im Rahmen der Sitzung bekannt.
Eine gute Nachricht hatte Riegger auf Nachfrage von Lothar Kante (SPD) immerhin für Städte und Gemeinden: Trotz der immens gewachsenen Kosten soll es keine Mehrbelastung für die Kommunen geben.
„Die Gründe sind ja da, man hätte sie aber sagen müssen“
Das sei das Ziel und der hohen Fördersumme sowie nicht zuletzt Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann zu verdanken.
Die Kostensteigerungen selbst seien indes nachvollziehbar. „Die Gründe sind ja da, man hätte sie aber sagen müssen“, so der Landrat.
Die künftige kaufmännische Geschäftsführerin Knowles führte etwa die zahlreichen Naturschutzmaßnahmen an, die stetig hinzugekommen seien.
Schwolow erklärte, der Preis für „Baustahl beispielsweise hat sich verdreifacht“. Zudem sei im Bahn-Bereich in den vergangenen Jahren wenig gebaut worden. Nun ziehe das an. Der Markt an bauenden Anbietern sei aber begrenzt – und somit teuer.