Die Pianistin Beatrice Rana Foto: Simon Fowler

Das Orchestre National de France und die Pianistin Beatrice Rana überzeugen beim „Meisterkonzert“ im Beethovensaal.

Ausnahmsweise soll in diesem Text mal mit dem Schluss begonnen werden - der Zugabe nämlich, die das Orchestre National de France beim „Meisterkonzert“ im Beethovensaal gegeben hat. Denn nach dem Schlussakkord blickte man reihum in fragende Gesichter, ja, selbst repertoiremäßig gewöhnlich gut unterrichtete Kreise konnten nur mit Mutmaßungen dienen: Dvorák vielleicht? Oder Smetana? Also fix /Rat gesucht bei einem der französischen Musiker, die gerade ihre Noten zusammenpackten: Cécile Chaminade, so die Auskunft, ist die Komponistin der Orchestersuite Callirhoë, aus der man eben den beschwingten „Pas des écharpes“ gehört hatte.

 

Es war der Schlusspunkt eines mehr als bemerkenswerten Konzerts, das ansonsten auf die bewährten und bekannten Repertoirestücke des französischen Orchesterkanons setzte. Paul Dukas’ brillanten „Zauberlehrling“ und Strawinskys klangfarbensatten „Feuervogel“, dazu, als Reverenz an den vor 150 Jahren geborenen Maurice Ravel, dessen Klavierkonzert G-Dur und – zum Finale – den unverwüstlichen Boléro.

Ravels Klavierkonzert spielt Rana mit lakonischer Souveränität

Letzteren hört man, im Gegensatz zu seinem Bekanntheitsgrad, im Konzert gar nicht eben häufig, was daran liegen könnte, dass er durchaus heikel zu spielen ist. Nicht nur wird vom Perkussionisten verlangt, auf der kleinen Trommel 169 Mal denselben Rhythmus zu wiederholen, auch die Bläser stehen prominent im Rampenlicht, was allerdings kein Problem bedeutete für die Spitzenkräfte des Pariser Orchesters, die schon zuvor mehrfach ihre Brillanz demonstriert hatten. Nein, das war ein fesselnder, vom Dirigenten Christian Măcelaru stringent auf die finale Kulmination hingesteuerter Boléro, der das Publikum im leider nur schütter besetzten Saal zu Beifallsstürmen hinriss. Solche hatten vor der Pause schon der italienischen Pianistin Beatrice Rana gegolten, die Ravels Klavierkonzert mit fast lakonischer Souveränität hinlegte, klanglich wie rhythmisch auf dem Punkt und in allerfeinster Abstimmung mit dem Orchester und dessen exzellenten Solisten – erwähnt sei nur die Solofagottistin, die auch die fies schnellen Figurationen im dritten Satz mit Bravour meisterte.

Dass die Franzosen ein Spitzenorchester sind, bewiesen sie auch im strawinskyschen „Feuervogel“, wo ihr distinkter Klang auch in Verdichtungen ebenso wenig an Transparenz einbüßte wie in Dukas’ Vertonung von Goethes literarischer Vorlage. Ach, und fast hätten wir Beatrice Ranas Zugabe vergessen: das Spinnerlied aus Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ op. 67/4.