Kirche in Bad Teinach
: Kleine Orgel kommt ganz groß raus

Am Sonntag führen ein Konzert in der Dreifaltigkeitskirche mit Musik auf der renovierten Chor-Orgel und Darbietungen des Kirchenchors zurück ins 17. Jahrhundert.
Von
Hans Schabert
Oberndorf
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Sichtlich mit Freude lässt Jörg Widmann in der Kirche in Bad Teinach die Chor-Orgel erklingen, die seit 1965 im ursprünglichen, kunstvollen Gehäuse von 1680 nach fachlichem Urteil den ursprünglichen Klang wiedergibt.

Hans Schabert

Die kabbalistische Lehrtafel der Prinzessin Antonia von Württemberg in der zwischen 1663 und 1665 erbauten Dreifaltigkeitskirche in Bad Teinach ist weit über die Grenzen des Städtchens hinaus bekannt. Als Lehr- und Lerntafel ziert sie kunstvoll und aussagekräftig seit 352 Jahren das Gotteshaus. Fast ein stiefmütterliches Dasein führt daneben bislang die Chor-Orgel aus dem Jahr 1680. Sie wird beim Kirchenkonzert am Sonntag, 28. September, ab 17 Uhr in den Mittelpunkt rücken. Dabei sollen Geschichts- wie Musikfreunde auf ihre Kosten kommen, wenn Jörg Widmann die 448 Pfeifen mit Melodien aus der Entstehungszeit zum Klingen bringt und berichtet.

Kunstvoll bemaltes Gehäuse

Zwar wurde das Innenleben des Instruments erstmals 1692 nach Zerstörung durch die Franzosen und mehrfach später erneuert, aber das kunstvoll bemalte Orgelgehäuse mit seiner aufklappbaren Vorderseite ist original erhalten. Das gute alte Stück wurde einst aus Geldern zusammengespart, die Herzog Eberhard III. für die Ausstattung der Kirche jährlich in den Schwarzwald schickte. Als 1680 ein Überschuss von 194 Gulden angespart war, gaben der Calwer Dekan Dreher und Untervogt Berblinger grünes Licht, dass bei Hof-Orgelmacher Fesenbeckh das kleine Orgelwerk im italienischen Stil in Auftrag gegeben werden konnte.

Gebläse ersetzt und Pfeifen gereinigt

Sehr genau ist eine Renovierung 1790 datiert. Versteckt im Innern des Gehäuses klebend wurde bei der jüngsten Renovierung eine handschriftliche Notiz folgenden Inhalts entdeckt: „Ich Jean Martin Bühler Orgelmacher von Straßburg habe diese Orgel anno Domini 1790 cj [calendarium julianus?] 26. Februari solche renoviert.“ Die jetzt abgeschlossene jüngste Renovierung bestand vor allem aus dem Ersatz des defekten Gebläsemotors und Reinigungsarbeiten an den Pfeifen.

Mit diesen war viele Wochen Jörg Widmann beschäftigt. Ihm stand der bei Orgelbauer Rohlf in Neubulach-Seitzental tätige Meister des Fachs, Tobias Merkle, zur Seite. Allerdings ist das Instrument im uralten Gehäuse relativ jung: Es wurde 1965 unter Begleitung des Denkmalamts durch Hauptkonservator Walter Supper durch die Echterdinger Firma Weigle erneuert.

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Musik aus der Ursprungszeit

Im Abnahmebericht bescheinigte vor 60 Jahren Professor Herbert Liedecke: „In seiner Disposition entspricht es dem früheren Instrument des 17./18. Jahrhunderts. […] Für den Blick ist der Orgelschrein mit seinen zu öffnenden Türen und den hellen Zinnpfeifen eine Freude […] auch für besondere kirchenmusikalische Ansprüche sehr wohl geeignet.“ Davon können sich am Sonntag beim Konzert die Besucher überzeugen, wenn Jörg Widmann in die Manuale greift und ins Pedal tritt. Es wird Musik aus der Ursprungszeit der Orgel zu hören sein. Auch bei den Darbietungen des Kirchenchors wird auf Lieder aus der Zeit des Barock mit Liedgut von Paul Gerhardt, Johann Crüger und Gerhard Ebeling zurückgegriffen.

Verbindungsgang für Königsfamilie

Das jetzt renovierte Exemplar hat auf der Westempore gegenüber vom Altarraum seit 1861 eine gewissermaßen verwandte Schwester. Dem veränderten Klangideal folgend entstand damals eine Stieglitz-Orgel, in der drei Register aus dem alten Instrument verarbeitet wurden. Diese Orgel wurde 1975 erneuert und erweitert. Sie erklang letztmals am 10. August 1975, um drei Tage später abgebaut und teils in der neuen Orgel bei Weigle in Echterdingen wiederverwertet zu werden. Eingeweiht wurde diese am 2. Advent 1975 im Rahman eines von Dekan Karl Frey gehaltenen Festgottesdienstes. Wer hinaufschaut zur Westempore, erkennt nicht mehr, dass einst und noch beim Einbau des Instruments vom Badhotel ein Verbindungsgang für die württembergische Königsfamilie zum „Fürstenstand“ auf dieser Empore führte.