Kinderrechte in Afrika: Lahrer Verein blickt auf Arbeit in zehn afrikanischen Ländern zurück

Marthe Wandou (Zweite von rechts, stehend) inspirierte die CSG-Schüler.
SchuleIbert beschrieb den Einsatz des Vereins als „stille Arbeit“, die in der Stadt kaum wahrgenommen werde. „Kinderrechte Afrika steht für Substanz, für nachhaltige langfristige Arbeit“, sagte er. Der Verein setzt sich ein für Straßenkinder, für Kinder in Gefängnissen, für Kinder mit Behinderungen sowie gegen Kinderhandel, gegen Kindersoldaten und generell gegen Gewalt gegenüber Kindern. Der Verein bemüht sich, den Kleinsten den Weg zur Bildung zu vermitteln und so auch um deren Zukunft. Dazu gehört auch das Ziel, den Kindern eine Stimme zu geben, verbunden mit Rechten, Würde, Perspektiven und Hoffnung.
Zum Festakt am Samstag gehörten Vorträge zur Geschichte des Vereins sowie Aussichten, wie sich Kinderrechte für Afrika weiterentwickeln werden. Auf der gleichen Bühne im Pflugsaal am Freitagabend haben Katja Zug (Juristin und Projektverantwortliche des Vereins), Cornelia Guth (als Abteilungsleiterin zuständig für Kinder, Jugend und Familie im Lahrer Rathaus), Hadi Sayed-Ahmad (ein Sprecher des Jugendgemeinderates), Marthe Wandou (Kinderrechtsorganisation in Kamerun sowie Trägerin des alternativen Nobelpreises 2021) und Antoine Akplogan (Kinderrechtsorganisation in Mali) über Perspektiven diskutiert. Michael Brünger (Vorstand Kinderrechte) moderierte die Diskussion. Luise Hoffmann und Delphine Weil-Accardo (Projektmanagerinnen im Verein) haben für die Gäste aus Afrika und die Besucher zwischen Französisch und Deutsch übersetzt.
Kommunikation soll auf Augenhöhe funktionieren
Einig waren sich alle an der Diskussion Beteiligten, dass die Vorstellung, Erwachsene wüssten schon, was Kinder benötigen, falsch sei. Guth, die das so klar ausgedrückt hatte, ergänzte, dass es in jeder Kommune in Deutschland ein Konzept für Teilnahme und Entwicklung von Kindern gibt. Klar war allen auf dem Podium, dass Engagement und Ehrenamt bei dieser Arbeit unerlässlich sind.
Wandou und Akplogan stellten dem ihre Ambitionen gegenüber, die beide für ihr Engagement in Afrika benötigen. So haben Staaten wie Mali und Kamerun Gesetze, die Kinderrechte garantieren. Es gelte allerdings, diese Rechte gegenüber Traditionen und Bräuchen oder verschiedenen Religionen auch durchzusetzen. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land seien mitunter beträchtlich.
Laut Katja Zug sollte die Kommunikation im Idealfall auf „Augenhöhe“ funktionieren. Gerade hier gab die Juristin zu, dass es ihr und anderen immer bewusst sein müsse, dass die Verhältnisse in Deutschland nie mit denen in afrikanischen Ländern verglichen werden dürfen. Die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen sind mitunter gravierend, erklärte Wandou in Lahr. In vielen der traditionellen Gesellschaften würden Mädchen früh verheiratet. Daher hätten die Eltern wenig Interesse daran, der Tochter bei ihrer eigenen Entwicklung zu helfen.
Marthe Wandou besucht Lahrer Gymnasium
Sayed-Ahmad sprach als einer der gewählten Vertreter der Jugendlichen in der Stadt bei der kurzen Vorstellung von Erfahrungen, die er aufgrund seiner Herkunft gemacht hat. Diese Erfahrungen, die er nicht weiter ausführte, hätten geholfen, dass er gerade zwischen vielen Kulturen „Vorteile ohne Vorurteile“ erkennen könne. Er betonte, dass die Mitglieder im Jugendgemeinderat gelernt haben, Forderungen gegenüber der Verwaltung oder dem Gemeinderat auch durchzusetzen. Gerade bei Fragen, die Kinder und Jugendliche in der Stadt betreffen, findet das Gremium der Jugendlichen mittlerweile Gehör. Das unterschied sich nicht so sehr von dem, was Wandou über ihre Arbeit gesagt hatte: „Wir schaffen Platz und Raum, damit Kinder und Jugendliche gehört werden.“
Wandou war im Rahmen ihres Besuchs auch beim Clara-Schumann-Gymnasium zu Gast. Oberstufenschüler hatten die Chance, Marthe Wandou kennenzulernen und mit ihr im persönlichen Austausch mehr über ihre Arbeit zu erfahren, wie das CSG mitteilt. Dass dieser persönliche Rahmen eine besondere Ehre für die Schüler ist, versicherte der Vorsitzende des Vereins Kinderrechte Afrika, Michael Brünger, mit den Worten: „Normalerweise spricht Marthe Wandou vor staatlichen Einrichtungen und Parlamenten auf der ganzen Welt.“ Insbesondere ihre Kindheitserfahrungen in Kamerun und ihren unerschütterlichen Kampf für soziale Gleichberechtigung von Frauen und Kindern in ihrem Heimatland berührten die Schüler sichtlich. „Aus welchen Beweggründen entschieden Sie sich für ein Jurastudium?“ und „Wer ist Ihr Vorbild?“ waren nur zwei der zahlreichen Fragen, die die Schüler im englischen Dialog Wandou stellten. Dass es keinerlei Berührungsängste mit dieser faszinierenden Frau gab, zeigte sich zum Abschluss als Schüler Selfies mit Wandou machten, so das CSG in seiner Mitteilung.
Der Verein
Horst Buchmann (1947–2021) hat den Verein mit Sitz in Lahr 1995 gegründet. Der Verein arbeitet heute mit Organisationen in verschiedenen afrikanischen Ländern zusammen. Seit 1996 wurden mehr als 130 000 Kinder durch mehr als 80 zum Großteil mehrjährige Projekte in der Demokratischen Republik Kongo, Togo, Mali, Elfenbeinküste, Senegal, Guinea, Liberia, Benin, Kamerun und Ghana gefördert.