Der Kammerchor Ebingen hat in der Tailfinger Pauluskirche Johannes Brahms „Deutsches Requiem“ dargeboten.
Im trüben November ist die Darbietung eines Requiems angebracht. Die Kammerfassung des „Deutschen Requiems“ unter der Leitung von Brigitte Wendeberg in der Pauluskirche vermochte aber jegliche dunklen Gedanken zu vertreiben.
„Es ist ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den Menschen in einer Weise wie wenig anderes. Der tiefe Ernst, vereint mit allem Zauber der Poesie, wirkt ganz wunderbar, erschütternd und besänftigend.“ Mit diesen Worten Clara Schumanns, Komponistin, Pianistin und Ehefrau von Brahms’ Freund Robert Schumann ist eigentlich alles gesagt. Und doch vermögen die Sätze die Flut an Emotionen nicht zu beschreiben, welche die Zuhörer dieser gelungenen Aufführung erfasste.
„Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms ist ein meisterliches Werk und verdient eine ebenso meisterliche Vorstellung. In der Originalfassung für Soli, Chor und Orchester zählt es zu den meistaufgeführten oratorischen Werken überhaupt.
Chor, Solisten, zwei Klaviere und Pauken
Die für den Auftritt des Kammerorchesters von Brigitte Wendeberg gewählte Fassung verzichtet auf das Orchester und stellt dem Chor zwei Klaviere sowie Pauken zur Seite. Die bedachtsame Bearbeitung von Heinrich Poos öffnet so den Hörwinkel für die gesangliche Darbietung.
Nicht nur die beiden Solisten überzeugen auf ganzer Linie. Zu Herzen ging die gesungene Ankündigung des Baritons Jasper Lampe, „Es wird erfüllet werden das Wort!“, auf die der Chor mit Inbrunst die rhetorische Frage stellte: „Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg“?
In allen Stimmlagen ist der Kammerchor Ebingen, der Sängerinnen und Sänger aus dem ganzen süddeutschen Raum in seinen Reihen weiß, hervorragend besetzt. Der engagierte, konzentrierte Auftritt des Chors wurde vom Dirigat Brigitte Wendebergs noch übertroffen.
Frenetischer Applaus nach den letzten Tönen
Auch optisch ein Genuss war das Paukenspiel von Albrecht Volz, der die Bibelworte, die Brahms für sein Werk gewählt hat, unterstrich. Die junge Sopranistin Carla Massou jubilierte mit den Sopranistinnen des Chors um die Wette und brillierte wie diese auch in den höchsten Lagen mit einer beeindruckenden Klarheit.
Überwiegend den Diskant auf einem der beiden Bechsteinflügel übernahm Michael Wendeberg. Auch Shan-Chi Hsu am anderen Instrument musste sich nicht verstecken; sie steuerte zumeist die tiefen Töne bei. Das Zusammenspiel mit Pauken, Chor und Solisten ist in allen sieben Sätzen des Opus’ „in optima forma“.
Eine „Ewige Ruhe“, das bedeutet „Requiem“ auf Deutsch, gab es nach dem Schlussakkord nicht. Doch das große Publikum bewies feines Gespür und ließ die letzten Töne nachklingen, bevor es in der Pauluskirche frenetischen Applaus gab.