Der Blick in das Innere der Stadtkirche. Foto: Heiko Hofmann

Am 21. Dezember vor 150 Jahren wurde eines der bedeutendsten Bauwerke Nagolds eingeweiht – die evangelische Stadtkirche. Wir haben ein paar imposanten Zahlen zu dem Gotteshaus recherchiert.

Jeder Nagolder kennt die Stadtkirche. Das Gotteshaus prägt seit 150 Jahren das Stadtbild. 150 Jahre nach der Einweihung wird an diesem Sonntag, 22. Dezember ein Festgottesdienst gefeiert – ab 10 Uhr mit Prälat Markus Schoch aus Reutlingen. Zur 150. Jahrestag der Einweihung beleuchten wir das Nagolder Wahrzeichen in 15 Zahlen.

 

3932 Pfeifen...

...hat die Orgel. Die Chororgel wurde 1969 eingebaut, die große Orgel 1971, und 2012 gab es eine Generalsanierung. Mit ihren 60 Registern, die man alle unterschiedlich miteinander kombinieren könnte, hat die Nagolder Orgel fast unzählig viele klangliche Möglichkeiten. Dennoch ist die Zahl genau berechenbar: Es sind exakt 1 152 921 504 606 846 975 Möglichkeiten. Würde jede Möglichkeit auch nur für eine Sekunde erklingen, bräuchte es 36,5 Milliarden Jahre, um alles auszuprobieren.

Orgelpfeifen in der Stadtkirche Foto: Heiko Hofmann

61 Meter hoch...

...ist der Turm. Wer auf die Balustrade will, muss 164 Stufen hochsteigen. Die ersten christlichen Kirchen hatten übrigens noch keine Türme. Erst ab dem 8. Jahrhundert wurde begonnen, Glocken in Kirchtürme zu hängen. Den kleinen Balkon mit der Balustrade oben auf dem Turm nutzen traditionell die Turmbläser, um zum Beispiel jeden Morgen im Advent Choräle zu spielen, die dann weithin in der Stadt hörbar sind.

750 Sitzplätze...

...gibt es in der Stadtkirche. Sie verteilen sich auf 40 kürzere Bänke im Schiff und 28 lange Bänke auf den Emporen. Hinzu kommen Stühle. Als die Johanneskirche 1874 eingeweiht wurde, verfügte sie über 2000 Sitzplätze. Damals gab es noch mehrstöckige Emporen in dem Gebäude. Damit fanden alle Einwohner Nagolds einen Platz in der Kirche. Vollbesetzt ist die Stadtkirche heute nur noch an Heiligabend und bei Konzerten.

40 kürzere Bänke stehen im Schiff der Kirche, 28 lange Bänke auf den Emporen. Foto: Heiko Hofmann

1874 ist das Jahr...

...der Einweihung der Stadtkirche. Diese wurde am 21. Dezember 1874 mit einem Festgottesdienst begangen – es war ein Großereignis für die ganze Region. „Sämtliche 2000 Sitzplätze wurden besetzt“, ist überliefert. Manche Besucher mussten sogar stehen. Die Bauzeit betrug viereinhalb Jahre. Die maßgeblich treibende Kraft für den Kirchenbau war der damalige Dekan Johann Georg Freihofer. Bei der Grundsteinlegung im Jahr 1870 ist Freihofer zum ersten Nagolder Ehrenbürger ernannt worden.

397 Kilogramm...

...wiegt die schwerste der fünf Glocken. Es ist die „Elfuhr- und Vesperglocke“. Weiter gehören zum Nagolder Geläut: die kleine Zeichenglocke (230 kg), die Schiedglocke (169 kg), die Taufglocke (141 kg) und die Heiliggeistglocke (101 kg). Bis 1949 musste der Mesner die Glocken von Hand läuten, dann baute man eine elektrische Läuteanlage ein. Auch die Nagolder Glocken mussten in den zwei Weltkriegen eingeschmolzen werden, das Metall ging an die Rüstungsindustrie. Die evangelische Kirche kennt generell neben dem Stundenschlag sieben Läutezeiten: 6 Uhr Morgengebet, 9 Uhr Schiedläuten (wenn ein Gemeindeglied gestorben ist), 11 Uhr Kreuzläuten (Kreuzigung Jesu), 12 Uhr Mittagsgebet, 15 Uhr Kreuzläuten (Sterbestunde Jesu), 18 Uhr Gebets-/Vesperläuten (im Winter 17 Uhr) und um 20 Uhr das Nachtläuten (im Winter 19 Uhr). Das morgendliche Gebetsläuten um 6 Uhr ist in Nagold vor zwei Jahren mit Rücksicht auf die Anwohner rund um die Stadtkirche abgeschaltet worden.

15 Figuren...

...sind in der Weihnachtskrippe zu entdecken. Lange Jahre hatte der einstige Stadtpfarrer Helmut Luckert die Krippe in der Stadtkirche jährlich liebevoll aufgebaut und dekoriert. Dieses Jahr übernimmt das ein neues Team. Und damit werden auch zum ersten Mal andere Krippenfiguren die Geschichte von der Geburt Jesu erzählen. Sie wurden von der Künstlerin Frida Christaller gestaltet und vom Ehepaar Fezer an die Kirchengemeinde gespendet. Die 1991 verstorbene Künstlerin ist vor allem durch ihre Krippen bekannt.

6 Meter hoch ist der Christbaum...

... in der Stadtkirche. Er stammt aus dem Stadtwald. Früher suchten die Förster den Baum aus, inzwischen wählt Mesner Manfred Kohler eine Tanne aus und fällt sie gemeinsam mit den Kollegen aus der Jakobus- und der Remigiuskirche. Beim Schmücken erteilt Ehefrau Silvia Kohler die Anweisungen, während Manfred Kohler auf der Leiter steht und die Strohsterne und die roten Kugeln aufhängt. Lametta kommt nicht an den Baum.

28 Fenster...

...befinden sich im Kirchenschiff. Nur die Fenster in den Treppentürmen sind noch original, alle anderen erhielten bei der Renovierung 1969 eine neue Bleiverglasung. Die ursprünglichen Chorfenster wurden 1874 vom württembergischen König gestiftet. Am 16. April 1945 zerstörte eine in der Nähe detonierte Bombe die Chorfenster. Die heutigen Chorfenster fertigte die Werkstatt von Adolf Saile in den Jahren 1952 bis 1955 an. Die drei Chorfenster legen die Dreieinigkeit Gottes aus. Gott – der Vater (links in blau), Gott – der Sohn, (Mitte in rot) und Gott – der Heilige Geist (rechts in grün).

Foto: Heiko Hofmann

14 große Pendelleuchten...

...befinden sich im Kirchenschiff. Hinzu kommen 70 Wand- oder Deckenleuchten sowie sechs Scheinwerfer und Konsolen. 1897 kam elektrische Beleuchtung in die Kirche – der damalige Kronleuchter mit 20 Glühbirnen war die Spende eines Nagolder Bürgers. Es gab noch immer keine Umstellung auf LED-Beleuchtung. Die Beleuchtung ist im Wesentlichen noch auf dem Stand von 1969.

10 500 Gottesdienste...

...wurden in der Stadtkirche in den 150 Jahren gefeiert – mindestens. Hinzu kommen Advents- und Passionsandachten sowie Sondergottesdienste, die in früheren Zeiten zahlreicher als heute waren.

14 Dekane...

...und seit 2021 ein Codekan wirk(t)en in Nagold seit der Einweihung des Kirchenbaus. Dies sind: 1851–1877 Johann Georg Freihofer, 1878–1887 Gottlob Kemmler, 1887–1895 Otto Emil Schott, 1895–1909 Christian Friedrich von Römer, 1909–1919 Adolf Pfleiderer, 1919–1934 Wilhelm Otto, 1935–1940 Wilhelm Gümbel, 1940–1959 Rudolf Brezger, 1959–1965 Eberhard Weismann, 1965–1975 Helmut Betsch, 1975–1984 Eberhard Lempp, 1985–1994 Adolf Götz, 1995–2006 Albrecht Becker, 2007–2020 Ralf Albrecht, seit 2021 Codekan Tobias Geiger. Seit der Fusion zum Kirchenbezirk Calw-Nagold im Jahr 2019 ist das geschäftsführende Dekanat in Calw.

160 Gesangbücher...

...liegen in der Stadtkirche aus. Bei großen Gottesdiensten werden Liedblätter erstellt. In diesem Jahr wird an das erste evangelische Gesangbuch vor 500 Jahren erinnert.

In der Kirche liegen 160 Gesangbücher aus. Foto: Heiko Hofmann

57 263 Kilowattstunden (kWh)...

...verbrauchte die Stadtkirche 2023 für ihre Heizung. Zum Einsatz kommt eine Warmluftheizung mit Gasbrenner. Mit der Energiekrise 2022 wurden die Gottesdienste als „Winterkirche“ ins Zellerstift verlegt. Davor, 2020, lag der Verbrauch noch bei 111 792 KWh. Die Winterkirche hat Bestand.

25 Konzerte...

...und kirchenmusikalische Veranstaltungen gibt es im Jahr 2024 in der Stadtkirche. Durch die einzigartige Akustik und den hohen neugotischen Kirchenraum ist die Stadtkirche bei Künstlern und Ensembles aus der Region beliebt als Konzertort – zum Beispiel auch bei der Musikschule Nagold, dem Vokalensemble des OHG, dem Remigius-Kammerchor, dem Chor der Hochschule für Kirchenmusik Tübingen und bei der Sommermusik Oberes Nagoldtal.

Die Bibel auf dem Altar ist 1522 Seiten dick. Foto: Heiko Hofmann

1522 Seiten...

... umfasst die Altarbibel, die in der Stadtkirche ausliegt. Im Reformationsjahr 2017 bekamen alle Kirchengemeinden in Württemberg eine Altarbibel mit der neuen revidierten Lutherübersetzung geschenkt.

Festgottesdienst

Der Prälat kommt
Das 150-jährige Bestehen der Nagolder Stadtkirche soll mit einem besonderen Gottesdienst am Sonntag, 22. Dezember, ab 10 Uhr gefeiert werden. Prälat Markus Schoch aus Reutlingen wird die Festpredigt halten, der CVJM-Posaunenchor und die Nagolder Kantorei übernehmen die musikalische Gestaltung, im Anschluss lädt die Kirchengemeinde zu einem Stehempfang ein. Um 9.30 Uhr spielen die Posaunenbläser vor dem Alten Turm. Dann führt wie vor 150 Jahren ein kleiner Festzug hinauf zur Stadtkirche.