Rolf Frankenberger forscht an der Uni Konstanz über Rechtsextremismus. In einem Vortrag der Bunten Liste in St. Luzen schilderte er aktuelle Erkenntnisse. Foto: Klaus Stopper /Klaus Stopper

Umwelt, Heimat, Essen – diese Begriffe nutzen Rechtsextreme, um ihre Ansichten gesellschaftsfähig zu machen. Darüber hat Rolf Frankenberger in einem Vortrag berichtet.

Veranstalter war die Bunte Liste Hechingen, die den Grünen nahesteht, und so war auch die Grünen-Bundestagskandidatin Asli Kücück unter den etwa 60 Besuchern des Vortrags, der in St. Luzen stattfand.

 

Rolf Frankenberger, der in Stetten wohnt und in Tübingen das Institut für Rechsextremismusforschung leitet, schilderte an diesem Abend die Bestrebungen von rechtsgerichteten Politikern, über die Prägung von Sprache ihre Anliegen zu verfolgen. Heimat, Umwelt und Essen waren Begriffe, auf die er näher einging.

Beispiel Heimat. Das sei ja eigentlich ein positiver Begriff, der Zugehörigkeit vermittle, der alltäglich erfahrbar sei und die Persönlichkeit der Menschen in einer Region speziell prägen und ein Wohlgefühl vermitteln könne. Heimat sei damit ein Begriff, der im Ursprung eigentlich eine verbindende Funktion habe.

Heimatbegriff wird zum Mittel der Spaltung

Rechtsextreme Politiker dagegen würden den Heimatbegriff als Ausgrenzungsmittel gegen Migranten einsetzen. Also eine Spaltung in jene, die hier eine Heimat zu beanspruchen hätten und jene, die nicht dazugehören. Wie das bewusst eingesetzt wird, zeigte er an mehreren Wahlplakaten auch der AfD.

Klimaschützer werden als Öko-Spinner abqualifiziert

Auch beim Begriff der Umwelt werde versucht, eine Spaltung voranzutreiben, indem der Klimawandel als Element dieses Themas verneint werde. Rechtsextremisten würden Umwelt nur in einem Begriff von kleinteiligem Naturschutz verwenden, vor allem auf eine bäuerliche Romantik zurückgreifen und auf die Sehnsucht nach Zuständen, wie sie vor der Industrialisierung geherrscht hätten. Die Überzeugung, dass es einen durch Menschen verursachten Klimawandel gibt, würden Rechtsextreme dagegen bekämpfen mit dem Ziel, die Gesellschaft in Gute und Schlechte zu spalten. Wer beispielsweise für Windräder sei, werde als Ökospinner gebrandmarkt, dem es egal sei, ob das die Umwelt verschandelt werde.

Einheimische Speisen und Getränke als Mittel der Identität

Und selbst das Essen werden als Mittel für die Spaltung der Gesellschaft eingesetzt. Zum einen dadurch, das einheimische Speisen und Getränke in gewisser Weise als die einzig normale Form der Ernährung dargestellt würden, die dem Volk Identität gäben.

Schweinefleisch dient als Abgrenzung zum Islam

Und zudem werde der Verzehr von Schweinefleisch geradezu als Kampf- und Abgrenzungsmittel gegen den Islam dargestellt. Essen, das eigentlich etwas Verbindendes sei, werde also ebenfalls so dargestellt, dass es zur Ausgrenzung diene.

Bei Gespräch mit Rechtsextremen auf gegenseitiges Zuhören achten

Durch seine Forschungsarbeit habe er festgestellt, dass rechtsextreme Ansichten häufig in sich viele Widersprüche aufwiesen und auch gegen Gesetzte der Logik verstoßen, was in der Anhängerschaft aber kaum thematisiert werde. Wer sich hier auf Debatten einlasse, sollte seiner Meinung nach darauf achten, auch die Argumente der anderen ernst zu nehmen, dafür aber auch darauf zu bestehen, dass die eigenen Ansichten vom anderen zumindest wahrgenommen werden. Man müsse sich keineswegs immer einig sein, aber wer demokratisch denke, sei immer auch bereit dazu, sich fair und sachlich mit anderen Ansichten auseinanderzusetzen. Eine lebhafte Diskussion mit den Zuhörern schloss sich an.