Die Donaueschinger Einzelhändlerin Karin Stocker-Werb präsentiert das Bonbon als mögliche Verpackung für runde Dinge. Foto: Nadja Varsani

So landen kniffelige Formen hübsch im Geschenkpapier. Wie Weihnachtsgeschenke zum Kunstwerk werden. Donaueschinger Einzelhändler verraten ihre besten Tricks.

„Soll ich es einpacken?“, fragt Felix Rau, Filialleiter bei Osiander in Donaueschingen, eine Kundin. Mit geübtem Griff misst er die Länge des Geschenkpapiers ab und legt es um das Buch. Anschließend lässt er, ausgerüstet mit Schere und Klebeband, das Geschenk im Papier verschwinden.

 

Mehr brauche es für gewöhnlich nicht, um Geschenke dekorativ zu verpacken. „Wir haben eine besondere Falttechnik, damit wir auf Geschenkband verzichten können“, erklärt er und streicht mit den Handflächen zwei diagonal gefaltete Seiten glatt. Das Geschenkpapier ähnelt nun dem Kragen eines Jacketts. Besonders effektvoll sei diese Falttechnik, wenn man zweifarbiges Papier verwende.

„Dort, wo die beiden Kanten übereinanderliegen, entstehen durch unterschiedliche Faltmethoden im Handumdrehen dekorative Oberflächen. Was man bei Büchern oder anderen flachen Geschenken immer machen sollte, ist das Umschlagen der Seiten zu einem Falz. Das macht das Ganze viel professioneller und ordentlicher,“ weiß Rau.

Felix Rau zeigt, worauf es beim Verpacken von Weihnachtsgeschenken ankommt. Foto: Nadja Varsani

Hier ist ein Verpack-Fachmann am Werk, das merkt man schnell. Bücher scheinen noch die kleinste Herausforderung. Aber wie verhält es sich mit unförmigen Dingen? „Besonders schwierig sind großformatige Geschenke, die nicht rechteckig sind. Oder schwierige Formen wie diese Weihnachtsbaumkerze“, zeigt Felix Rau. Hier sei es die beste Lösung eine Tüte herzustellen.

Diese Technik habe ihm eine Kollegin während der Ausbildung gezeigt und er wende sie seit vielen Jahren an. Man müsse kein Origami-Profi sein, um sie zu erlernen. Wichtig sei eher, dass man übt und sich die Technik so einprägt, dass man nicht mehr überlegen muss.

Für unförmige Geschenke wie diese Tannenbaumkerze eignet sich eine gefaltete Tüte Foto: Nadja Varsani

Die Ausgangsform stellt man dabei ähnlich her, wie eine leere Geschenkverpackung. Der Kniff ist nun, am Boden soviel Papier umzufalten, dass die Grundform des Geschenks hereinpasst. Ein weiterer Vorteil der Tüte ist neben ihrem großzügigen Fassungsvermögen, dass sie mehrfach verwendet werden kann.

Verpackt wird alles, vom Lutscher bis zum Bügelbrett

Auch Karin Stocker-Werb, Seniorchefin im Thedy-Geschäft, ist erprobte Einpackerin. „In der Weihnachtszeit haben wir rund 200 Kunden am Tag. Schätzungsweise verpackt jeder Verkäufer täglich im Schnitt 150 Geschenke.“ Dabei mache sie keinen Unterschied, welchen Verkaufswert das Geschenk hat. „Wir verpacken alles, vom Lutscher bis zum Bügelbrett, wenn es gewünscht wird“, so Stocker-Werb.

Als besondere Herausforderung hat sie sich einen Ball ausgesucht. Ihre Einpacktechnik ist einfach, aber effektiv. Zuerst umschlingt sie den Ball großflächig mit Geschenkpapier. Anschließend führt sie die überstehenden Seiten zusammen und fasst sie mit Geschenkband ein. Es entsteht ein großes Bonbon, dem sie noch eine gefaltete Schleife aufsetzt.

Für Großes eignet sich Packpapier

„Für große Geschenke wie Schlitten oder Puppenwagen eignet sich Packpapier besser“, verrät die Seniorchefin. Gerade Dinge mit spitzen Kanten setzen gebräuchlichem Geschenkpapier schnell zu. Packpapier biete hier eine stabile Alternative. Damit es dennoch weihnachtlich aussieht, schneidet Karin Stocker-Werb Motive aus Geschenkpapier aus und klebt sie auf.

Meterweise Papier

Die Dimensionen des täglichen Verpackens werden deutlich, wenn man den Papierverbrauch betrachtet. 200 Meter Papier fasst die Rolle unter dem Verpackungstisch. „In der Weihnachtszeit verbrauchen wir zwischen vier und fünf dieser Rollen, oft alleine in den letzten beiden Wochen vor Weihnachten“, so Stocker-Werb.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gibt an, dass Schätzungen zur Folge das Abfallvolumen an Weihnachten um bis zu 20 Prozent ansteigt. Zu keinem Zeitpunkt im Jahr wird mehr verpackt, eingetütet und dekoriert.

Für großförmige Geschenke könne man laut Stocker-Werb zuhause durchaus auch Zeitungspapier nehmen und das Geschenk mit Schleifen oder Tannenzweigen aufhübschen. Denn neben dem Geldbeutel leidet auch die Umwelt unter den großen Verpackungsmengen, schließt die Seniorchefin.

Nachhaltig verpacken

So funktioniert’s
Wer beim Verpacken die Umwelt schonen möchte, hat viele Möglichkeiten. Schlichtes Packpapier oder Zeitungspapier lässt sich leicht verzieren und spart Ressourcen. Naturmaterialien wie Tannenzweige, getrocknete Orangenscheiben oder Kiefernzapfen werten die Verpackung auf. Auch alte Landkarten, Prospekte oder Kalenderblätter eignen sich als kreative Alternativen. Beim Verschließen sind Bänder aus Baumwolle oder Jute besser als Plastikband und können mehrfach verwendet werden. Bestenfalls ersetzt man so auch das Klebeband. Wichtig ist zudem, Verpackungen so zu wählen, dass möglichst wenig Verschnitt entsteht und sich Materialien später sauber trennen lassen. Verzichten sollte man auf mit Aluminium oder Lack beschichtetes Papier. Das Symbol Der blaue Engel könne helfen, Verpackungen zu finden, die recyclingfähig sind, schreibt die Deutsche Umwelthilfe auf ihrer Webseite.