Die langen Haare sind nicht das Problem: Die feinen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können allergische Reaktionen hervorrufen. Die Raupen spinnen ihre Nester in Gruppen. Foto: Philipp Schulze/dpa

Von Mai bis Juli haben die Raupen des Eichenprozessionsspinners Hochsaison. Ihre Härchen können schwere Reizungen auslösen. Wie verbreitet sind die Tiere im Kreis?

Sie sind klein, schwarz-gräulich, fast immer in Massen anzutreffen und ihre langen Haare schreien nach Gefahr: Auch in diesem Sommer ist der Eichenprozessionsspinner in Baden-Württemberg wieder auf dem Vormarsch.

 

Seinen Namen hat der Nachtfalter, der eigentlich nicht problematisch ist, vom Verhalten der Raupen – sie bewegen sich in großen Gruppen reihenweise, ähnlich einer kirchlichen Prozession, fort. An Bäumen spinnen sie, ebenfalls in Gruppen, ein großes Nest.

Passanten dürften vor allem die Warnschilder bekannt sein, die in befallenen Regionen zu sehen sind. Für den Menschen gefährlich sind jedoch nicht die langen Haare, sondern die feinen, kaum sichtbaren Brennhaare. Gelangen sie auf die Haut, können sie Rötungen und allergische Reaktionen hervorrufen. Beim Einatmen sogar eine schwere Bronchitis bis zu Asthma.

Feine Härchen werden vom Wind transportiert

Im Südwesten sei daher besondere Vorsicht geboten, sagt Lea Dieckmann von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) laut Medienberichten. In diesem Jahr breite sich das Tier vermutlich stärker aus als in den Vorjahren. Der Eichenprozessionsspinner gilt als einer der Gewinner der Klimaerwärmung.

Das tückische an den Härchen: Abstand halten und die Tiere nicht zu berühren ist keine Garantie. Die Brennhaare sind so fein, dass sie auch vom Wind weitertransportiert werden können. Kommen sie mit der Haut in Kontakt, sollte die betroffenen Stellen schnell mit klarem Wasser abgespült und gekühlt werden.

Passender Lebensraum nur im Osten des Landkreises

Laut Dieckmann ist die Ostalb besonders vom Eichenprozessionsspinner betroffen – doch wie sieht es im Kreis Freudenstadt aus? Björn Uerpmann, Naturschutzbeauftragter beim Landratsamt und zuständig für Horb, Empfingen und Eutingen, kann beruhigen: „Im Landkreis Freudenstadt gibt es vergleichsweise wenig Eichen, die für den Eichenprozessionsspinner interessant sind.“ Das Tier bevorzuge ältere Eichen mit großen Kronen in einer sonnigen Lage.

Solche Bäume gebe es am ehesten im östlichen Teil des Landkreises, dort an den Waldrändern und in der Feldflur, so Uerpmann weiter. An diesen Eichen gebe es auch immer wieder einen Befall. Jedoch: Zugenommen habe die Ausbreitung aber nicht. „Risikogebiete im eigentlichen Sinne gibt es bei uns im Kreis bislang nicht“, erklärt er.

Zurzeit keine biologische Bekämpfung

Sollte dem Landratsamt oder den einzelnen Kommunen ein Befall gemeldet werden, dann werden die Flächen abgesperrt. Als nächstes werde geprüft, ob eine Bekämpfung notwendig ist, so der Naturschutzbeauftragte weiter. Diese erfolge in der Regel mechanisch – die Nester werden also abgesaugt. Die Raupe kann auch biologisch bekämpft werden – mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis. Das komme auf den Waldflächen aktuell aber nicht zum Einsatz.

Uerpmann rät: Passanten sollten die Warnschilder ernst nehmen und betroffene Bäume unbedingt meiden. Sollte der Befall noch nicht bekannt sein, helfe es auf jeden Fall auch, das Gebiet zu melden.