Stilvoll bei einem Sektempfang im Rathaus überreichten die Vertreter des Nagolder Gewerbevereins ihre Jubiläumschronik aus der Feder von Eckhart Kern an die Stadt. Foto: Uwe Priestersbach

Für eine spannende Lektüre in Sachen Stadtgeschichte sorgt die von Eckhart Kern und Brigitte Graf erstellte Chronik des Nagolder Gewerbevereins.

Das Jubiläumsjahr des Nagolder Gewerbevereins klingt zwar langsam aus, doch im Rahmen eines Sektempfangs im Rathaus wurde mit der Übergabe der Vereinschronik unter dem Titel „175 Jahre Nagolder Gewerbeverein, 1848 – 2023, eine Erfolgsgeschichte“ nochmals ein Ausrufezeichen gesetzt.

 

Wie der Gewerbevereinsvorsitzende Ralf Benz in Erinnerung rief, pflegen Gewerbeverein und Stadt ohnehin schon immer eine enge Beziehung. Es gab in der Vergangenheit sogar Phasen, in denen der Stadtschultheiß zugleich Vereinsvorsitzender war. Vor diesem Hintergrund fand es Ralf Benz wichtig, die Chronik in einem entsprechenden Rahmen an Oberbürgermeister Jürgen Großmann und Stadtarchivarin Clare Hölig zu übergeben. Glücklich war man auch, dass man mit Eckhart Kern einen profunden Kenner der Nagolder Stadtgeschichte als Autor gewinnen konnte, während bei Brigitte Graf das Layout und die grafische Gestaltung zusammenliefen.

„Die Geschichte des Gewerbevereins hat mich begeistert“, bekannte Eckhart Kern, der sich bereits seit 30 Jahren intensiv mit der Nagolder Stadthistorie befasst. Und so hatte er sich spontan als Autor zur Verfügung gestellt – nicht ahnend, dass die Quellenlage zur 175-jährigen Geschichte des Gewerbevereins sowohl im Stadtarchiv wie auch in den Vereinsakten eher bescheiden ist. So löste beispielsweise die Frage nach einem Vereinsarchiv „tiefes Schweigen“ im Vorstand aus.

Mit Staubmaske und Durchhaltevermögen

Doch gab es „Gott sei Dank“, so der Stadthistoriker, das im Hause Zaiser archivierte ehemalige „Amts- und Intelligenzblatt für die Oberamtsbezirke Nagold und Horb“ samt seiner Beilage „Der Gesellschafter“. Mit Staubmaske und viel Durchhaltevermögen arbeitete sich Eckhart Kern durch die Jahresbände – und fügte das Gewerbevereins-Puzzle zusammen.

Bei der Vorstellung der Chronik ging der Autor auf vier Persönlichkeiten ein, die als Vorsitzende des Gewerbevereins eine Ära geprägt hatten. An erster Stelle nannte er Karl Sannwald, der dem Verein von 1866 bis 1895 vorstand und dem unter anderem die Nagolder Gewerbeschule zu verdanken ist. Die Ära von Hermann Kapp, der den Verein von 1928 bis zur Gleichschaltung 1934, und später von 1951 bis 1958 führte, war von den Schwierigkeiten nach dem ersten Weltkrieg, dem Lavieren durch die Zeit des Nationalsozialismus sowie von der Wiedergründung des Gewerbevereins 1951 geprägt. Hermann Bechthold war es anschließend gelungen, den Verein in der Nachkriegszeit solide weiterzuführen.

Drei Macher und der „merkurische Geist“

Wie Eckhart Kern an dieser Stelle betonte, bilde die Zusammenarbeit der Institutionen und die Kooperation der handelnden Gruppen das „Erfolgsgeheimnis der Nagolder Wirtschaft“. Als Beispiel nannte er die Ära der drei „Macher“ - den Gewerbevereinsvorsitzenden Helmut Raaf von 1990 bis 2016 sowie die Oberbürgermeister Rainer Prewo und Jürgen Großmann, die Nagold mit der Innenstadtumfahrung und der Landesgartenschau nach vorne gebracht haben. Doch sei es eben auch der „merkurische Geist“, mit dem sich Nagold zur Erlebnis- und Kaufhausstadt entwickelt habe, unterstrich Eckhart Kern.

Oberbürgermeister Jürgen Großmann bezeichnete die Chronik des Gewerbevereins als „charmante Provokation“, nachdem aus ihr sichtbar werde, „was die Altvorderen geleistet haben“. Zugleich sieht er die aktuell Handelnden vor die Aufgabe gestellt, „die Stadt neu zu erfinden und gemeinsam zu hirnen, wie eine gute Zukunft entwickelt werden kann“. Aus der profunden Vereinschronik werde daneben der „Nagolder Geist“ und das Miteinander in Nagold deutlich, wobei der OB auch ein dickes Lob für Eckhart Kern aussprach und betonte: „Er ist eine Marke und ein Glücksfall für Nagold“.