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Schlager-Ikone stirbt im Alter von 75 Jahren auf Mallorca. Erinnerungen bleiben in Freudenstadt.

Freudenstadt/Palma - Die Schlagerwelt trauert um Costa Cordalis. Der "Anita"-Star starb kurz nach seinem 75. Geburtstag auf Mallorca. Nicht nur als Musiker räumte der Grieche ab, sondern auch als König des Dschungels – und im Schnee.

Man schrieb das Jahr 1976, als ein Grieche mit einem Song über ein Mädchen aus Mexiko in den deutschen Charts Furore machte. "Schwarz war ihr Haar, die Augen wie zwei Sterne so klar", schwärmte der Sänger mit dem dunklen Lockenschopf. Ihr Name war "Anita", und der Titel des Ohrwurms wird für immer mit dem von Schlagerstar Costa Cordalis verbunden bleiben. Am Dienstagnachmittag starb er nun in seiner Wahlheimat Mallorca mit 75 Jahren. Berichten zufolge war er nach einem Schwächeanfall länger in einem Krankenhaus der Insel behandelt worden.

Fast 50 Jahre war er mit seiner Frau Ingrid verheiratet

Noch Ende Februar hatte Cordalis zusammen mit Sohn Lucas (51) – dem Ehemann von TV-Sternchen Daniela Katzenberger (32) – an einem Benefizkonzert zu Ehren des im Herbst verstorbenen "Goodbye Deutschland"-Stars Jens Büchner in Essen teilgenommen. Dabei soll er Medienberichten zufolge bereits erschöpft und angeschlagen gewirkt haben.

Die Familie teilte über ihr Management mit, Cordalis sei im Kreise seiner Lieben gestorben. "Wir sind alle tieftraurig über den Verlust. Mein Vater war ein wunderbarer Mensch, der sich immer für andere eingesetzt hat", wurde Lucas Cordalis zitiert. "Er wollte die Menschen glücklich machen – und das ist ihm auch gelungen. Er wird uns allen sehr fehlen."

Costa Cordalis war ein Urgestein des deutschen Schlagers. Sein Name wird in einem Atemzug genannt mit anderen Ikonen des Genres wie Roy Black ("Ganz in Weiß") oder Rex Gildo ("Fiesta Mexicana"), wobei er mit Letzterem seine musikalische Sehnsucht nach dem Reich der Maya teilte.

1944 als Konstantinos Kordalis in Mittelgriechenland geboren, wagte Cordalis mit gerade einmal 16 Jahren den Sprung nach Frankfurt, wo der Teenager schnell Deutsch lernte. Später studierte er Germanistik und Philosophie, ohne allerdings einen Abschluss zu erlangen. Seine Karriere als Sänger begann 1965, und zwar mit einem am King of Rock 'n' Roll inspirierten Cover-Song: "Du hast ja Tränen in den Augen", eine deutsche Fassung des Elvis-Schmachtsongs "Crying In The Chapel".

Der Durchbruch gelang ein Jahrzehnt später mit einer Frauen-Trilogie: Carolina (1973), Anna Lena (1974) und Anita (1976) machten Cordalis auch dank Auftritten in Dieter Thomas Hecks "Hitparade" und Ilja Richters "Disco" schnell zur Kultfigur der Schlagerszene. Insgesamt verkaufte Costa Cordalis im Laufe der Jahre mehr als zehn Millionen Tonträger.

Einen privaten Einblick in sein Leben gewährte der Künstler zu seinem 70. Geburtstag im Jahr 2014, als er unter dem Titel "Der Himmel muss warten" seine Autobiografie publizierte. "In der Boulevardpresse muss ich mich ständig gegen irgendwelche Anfeindungen wehren", schrieb Cordalis in dem Buch, das er gemeinsam mit Stefan Alberti von der "Neuen Osnabrücker Zeitung" verfasst hatte.

Positiv fielen seine Erinnerungen an die RTL-Dschungelshow "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" aus. In deren erster Staffel holte er sich 2004 prompt den Sieg – und wurde so zum Dauergast auch in anderen TV-Sendungen. Das habe ihm "rund eine halbe Million Euro in die Kasse gespült", gab "König Costa" offen zu. "Da soll jeder über das Dschungelcamp denken, was er will. Auf solche Summen verzichtet kein Künstler gerne."

Liebestechnisch hatte er schon früh das große Glück gefunden: Fast 50 Jahre war Cordalis mit seiner Frau Ingrid verheiratet, mit der er drei Kinder hat. Seit 2015 war er zudem Opa der kleinen Sophia, der Tochter von der "Katze" und Sohn Lucas.

Am Mittwochabend machte die Todesnachricht im Freudenstädter Höhenstadtteil Kniebis, direkt an der Schwarzwaldhochstraße gelegen, schnell die Runde. "Das ist natürlich sehr traurig und macht mich betroffen", sagt Ortsvorsteher Helmut Klaissle (63). Und vielen der rund 900 Einwohner werde es sicher ähnlich gehen. Rund 30 Jahre lang, bis 2016, hatte der Sänger hier gewohnt, im Dorf mit einem schwäbischen und mit einem badischen Teil, eine Streusiedlung, in der man den Nachbarn nicht treffen muss, wenn man nicht will. "Costa war ein Kniebiser, er war einer von uns", sagt Klaissle. Costa Cordalis sei hier Bürger gewesen, nicht der Star. Gut integriert, sagt Klaissle, auch im Vereinsleben. Das einstige Mitglied der griechischen Nationalmannschaft im Ski-Langlauf kam hier auf seine Kosten, mit vielen Loipen und Wintersportstadion direkt im Ort, ebenso beim Joggen oder beim Radfahren.

Klaissle bezeichnet Cordalis als "angenehmen Menschen", mit dem man auf der Straße immer ein paar Worte sprechen konnte, sehr nahbar. "Das hat gepasst", so Klaissle in der zurückhaltenden Schwarzwälder Art. Die drei Kinder wuchsen im Dorf auf, besuchten hier die Grundschule und später in Freudenstadt weiterführende Schulen. "Manchmal kamen auch Leute von auswärts und sind über den Zaun seines Hauses gestiegen. Da hat er sich natürlich mokiert", so der Ortsvorsteher. So wie dies andere Schwarzwälder auch getan hätten.

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