1983 fuhr der letzte Personenzug auf der Strecke zwischen Calw und Weil der Stadt. Bis zum Wochenende. Denn jetzt war der erste Zug im Testbetrieb unterwegs.
In gut sechs Wochen sollen die ersten Fahrgäste auf der Hermann-Hesse-Bahn befördert werden. Die Restarbeiten laufen aber derweil auf Hochtouren weiter.
Am Wochenende kam es dabei zu einer echten Premiere: Der erste Personenzug seit 1983 war in einem Testbetrieb auf der Strecke von Weil der Stadt nach Calw unterwegs.
Obwohl die Bahn erst ab dem 31. Januar Fahrgäste befördert, heißt es also schon ab jetzt: Achtung, es fahren wieder Züge. In diesem Fall war es ein Zug des Typs NE 81, der laut Calwer Oberbürgermeister Florian Kling die Schwäbische-Alb-Bahn für diese Testfahrt zur Verfügung gestellt habe.
Calwer OB bei „Jungfernfahrt“ dabei
Auch wenn natürlich offiziell noch keine Fahrgäste befördert werden – einer war dennoch dabei: Der Calwer OB ließ es sich nicht nehmen, bei der inoffiziellen „Jungfernfahrt“ mit an Bord zu sein. Das erzählte er in seiner Ansprache beim Konzert der Calwer Chöre zum Ende des Jubiläumsjahrs „950 Jahre Calw“ in der Aula.
„Ich bin heute die erste Personenfahrt seit 1982 von Weil der Stadt nach Calw mitgefahren“, erzählter der Calwer OB und Beifall und sogar einzelne Jubelschreie aus dem Auditorium begleiteten diese Schilderung über die Testfahrt, die „wegen der vielen Stopps und Nachbesserungsarbeiten über drei Stunden gedauert hat“.
In einem Beitrag im sozialen Netzwerk Instagram bezeichnete der offizielle Account der Hermann-Hesse-Bahn die Fahrt als „ein starkes Zeichen – für die Region, für das Projekt und für alle, die seit Jahren daran arbeiten“. Diese Testfahrt habe gezeigt: „Die Bahn ist zurück. Und sie lebt.“
Die Freude und Begeisterung sei „förmlich zu spüren“ gewesen: „überall strahlende Gesichter und viele begeisterte Zaungäste an den Bahnsteigen und am Gleis.“
Auch wenn noch viel Arbeit „vor uns liegt – insbesondere bei Signalen, Bahnübergängen und der Tunnelsicherheit – waren die Fahrten ein voller Erfolg“, heißt es dort weiter. Die Technik habe überzeugt, die Abläufe hätten funktioniert, der nächste Schritt sei gemacht.
Auch wenn die Fahrt einige Zeit gedauert habe, „es gab keine technischen Probleme“, erzählt Kling auf Nachfrage unserer Redaktion. Bei der Testfahrt hätten „Ingenieure und Techniker an verschiedenen Stellen Streckenabschnitte, Gleise, Weichen oder technische Einbauten begutachtet oder gemessen“, so der OB, der weiter mitteilt: „Da noch nicht alle Schranken an den Bahnübergängen angebracht waren, musste der Triebwagen auch vor der Kreuzung von Straßen anhalten, damit die Überfahrt gesichert werden konnte. Insgesamt verlief die Fahrt reibungslos.“
Noch einige Restarbeiten an Hesse-Bahn zu erledigen
Noch sei einiges an Restarbeiten zu erledigen. „Das stellt für alle Beteiligten eine Herausforderung dar, aber es macht auch große Freue, zu sehen, wie wenig nur noch fehlt, damit die Bahn in Betrieb gehen kann“, so der OB weiter.
Für ihn „war es ein Abenteuer und eine große Freude, dass ich an dieser Fahrt teilnehmen durfte, und mich ein bisschen mit den Bahn-Ingenieuren unterhalten konnte. Es war ein tolle Erlebnis zu sehen, wie später einmal der batteriebetriebene Triebwagen Mireo Plus B in die Haltestellen und Tunnel einfahren wird und welche Stadt- und Landschaftsansichten die Fahrgäste zu Gesicht bekommen.“
Technische Abnahmefahrten zum Test der Signaltechnik und der Bahnübergänge sind dann für das Wochenende 17. und 18. Januar 2026 geplant. Vom 19. bis 25. Januar laufen Schulungsfahrten für das Zugpersonal mit den neuen, batterieelektrisch betriebenen Mireo-Zügen.
Ab dem 1. Februar startet der Stundentakt, ab April der Halbstundentakt, ab voraussichtlich Juni geht die Fahrt auch bis Renningen. Am Samstag, 31. Januar, ist die Eröffnungsfahrt geplant – mit Halt und Festakten an allen Zwischenhalten.
Eröffnungsfahrt zwischen Calw und Weil der Stadt am 31. Januar
Wenn die Hesse-Bahn ab 2026 rollt, werden Fahrgäste im Übrigen nur ein Ticket von Calw nach Stuttgart brauchen. Die Strecke ist ab sofort in den VVS integriert – nach Jahren der Bemühungen.
Trotz aller Verzögerung und gestiegenen Kosten: Bald ist es endgültig so weit und die Fahrgäste können die lange ungenutzte Strecke wieder befahren. Wenn nach 43 Jahren endlich wieder ein offizieller Personenzug auf der altehrwürdigen Strecke verkehrt.