Das ist Madame Tiz – der Künstler bezeichnet sich als erste Dragqueen im Schwarzwald-Baar-Kreis und bringt eine klare Botschaft mit. Foto: Fabian Schreiter

Schrill, selbstbewusst, mit klarer Botschaft: Madame Tiz kämpft sich trotz Anfeindungen ihren Weg frei – und zeigt, wie empowernd queere Kunst sein kann.

Ein hautenges, taupefarbenes Kleid, eine wallende blonde Mähne und ein dramatischer Blick aus auffällig geschminkten Augen – Madame Tiz setzt sich gerne in Szene.

 

Hinter der Maskerade verbirgt sich ein Schwenninger, der sich selbst als erste Dragqueen im Schwarzwald-Baar-Kreis bezeichnet, und mit seinem teilweise schrillen Auftreten verbindet er eine glasklare Message.

Doch so selbstbewusst wie jetzt trat er nicht immer auf. „Ich habe schon viele Anfeindungen erlebt“, erzählt er. Er sei bespuckt, durch die Innenstadt verfolgt worden, und habe schon Erlebnisse ertragen müssen, die so schlimm waren, dass sie letztlich in ein Gerichtsverfahren gemündet hätten.

Lebensrezept gefunden

Jetzt aber hat Tizian Fuchs, wie Madame Tiz mit bürgerlichem Namen heißt, sein Rezept fürs Leben gefunden: „Leb’ Dein Leben“, sagt er, rät ungeniert zum Verwirklichen der eigenen Träume. Und seien sie noch so verrückt. Und ja, als verrückt möge manch einer auch bezeichnen, was der 20-Jährige selbst tut – jenseits seiner Ausbildung zum Verkäufer, die er gerade absolviert: Er verkleidet sich „als Drag“, tritt als Madame Tiz auf Partys auf, heizt die Stimmung an.

„Ich verkleide mich gerne“ gibt er zu und erzählt, wie er sich selbst das Schminken beigebracht hat – „ich habe geübt, geübt und geübt“. Vor zwei bis drei Jahren wurden die ersten Wimpern geklebt, irgendwann die erste Schmink-Palette bestellt, ein zweites Ich nahm Gestalt an.

Oft bleibt Madame Tiz im Schrank

Im Mai 2025 schlug die Geburtsstunde, im Juni am Christopher Street Day in Freiburg war das Debüt von Madame Tiz. Für Fuchs ist sie keine seelenlose Figur, sondern Kunst, in die er sein ganzes Herz legt. In seiner Heimat – Tizian Fuchs ist gebürtiger Schwenninger und lebt aktuell in Donaueschingen – bleibt Madame Tiz meistens im Schrank, in Freiburg aber oder in anderen Großstädten entfaltet sich ihre Rolle. Und in seinem engen Umfeld, bei Freunden und Familie, freut sich Tizian Fuchs über großen Rückhalt: „Meine Familie ist vollkommen ok damit. Das ist toll, viele Leute unterstützen mich.“ Sobald er in die Rolle der Madame Tiz schlüpft, geht das Temperament mit ihm durch. Dann performt Madame Tiz, rapt, singt, verkörpert den Song eines Künstlers, als wäre es ihr eigener. „Ich will mich noch weiterentwickeln“, sagt Madame Tiz im Brustton der Überzeugung.

Trotzdem: Madame Tiz und Tizian Fuchs verfolgen das gleiche Ziel, gehen aber doch getrennte Wege – „ich will das trennen“, sagt Tizian Fuchs. Irgendwann, meint er, wolle er mit seiner Kunst gerne auch Geld verdienen, vielleicht auch Workshops und Kurse geben. Wissend, dass bis dorthin noch ein ordentlicher Weg vor ihm liegt.

„Aber ich mache das gerne“

„1000 Euro Ausgaben“ stehen für Kostüme, Kosmetik und dergleichen aktuell etwa unterm Strich – dem gegenüber stünden, sagt er offen, aktuell nur etwa 500 Euro an Einnahmen. „Aber ich mache das gerne“, das Geld sei ihm zweitrangig. Viel wichtiger ist Madame Tiz die Kunstform an sich. Queere Kunst, erzählt der Künstler im Gespräch mit unserer Redaktion, sei viel zu wenig vertreten – „es ist aber wichtig, dass gezeigt wird, dass das normal ist“. Mit seinem eigenen Tiktok-Konto und über den Instagram-Kanal von Madame Tiz passiert das bereits. Dort trägt Madame Tiz ihre Botschaft, die über allem steht, lauthals in die Welt hinaus: „Verfolge Dein Ziel, tu’, was Dich glücklich macht – man lebt nur einmal.“