Insbesondere gesunde Ernährung für die jüngsten Ortenauer ist Christof Wettach, Kinder- und Jugendmediziner mit Praxis in Lahr, ein Anliegen. Foto: Hendrik Schmidt

Zum Auftakt der Kampagne „Die Ortenau isst gesund“ erklärt der Lahrer Kinderarzt und Mitorganisator Christian Wettach, warum Klimawandel und Gesundheit untrennbar zusammenhängen.

Wer sich ausgewogen und gesund ernährt, beugt nicht nur zahlreichen Krankheiten vor, sondern trägt auch zum Klimaschutz bei: Unter diesem Motto startet am heutigen Freitag die zweite Auflage von „Die Ortenau isst gesund“. Auf dem Programm stehen Workshops, Kinovorstellungen, ein Aktionstag für Schüler sowie zahlreiche Online-Vorträge.

 

Zu den Initiatoren der Vortragsreihe gehört der Lahrer Kinderarzt Christoph Wettach. „Klimaschutz ist Gesundheitsschutz“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion – und fasst den Zusammenhang noch weiter: Nur in einer gesunden Umwelt könne ein gesunder Mensch leben.

Mit dem Klimawandel kommen auch neue Krankheiten

Wettach nennt fünf Faktoren, die für das Wohlbefinden der Menschen unerlässlich seien: „Gute Luft, frisches Wasser, giftfreie Böden, erträgliche Temperaturen und gesunde Ernährung.“ Zwar sind die Folgen des Klimawandels bereits heutzutage spürbar, sie werden sich in den kommenden Jahrzehnten jedoch noch deutlich verschärfen. „Als Arzt blickt man immer auch in die Zukunft“, sagt Wettach.

Im Kreis gebe es derzeit bereits zwischen 30 und 40 Tage im Jahr mit Temperaturen über 30 Grad, so Wettach. „In 20 bis 25 Jahren werden es voraussichtlich bis zu 80 Tage mit Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad sein. Darauf sind wir nicht vorbereitet.“

Umweltveränderungen seien eine wesentliche Ursache neuer und zunehmender Krankheitsbilder, sagt der Lahrer Kinder- und Jugendarzt. Auch Unverträglichkeiten nähmen deutlich zu – von Pollenallergien über Neurodermitis bis zu Nahrungsmittelallergien. „Es gibt definitiv mehr Allergien als früher“, so Wettach.

Das Wissen um die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur sei das eine, betont Wettach. Die entscheidende Frage sei jedoch, welche Konsequenzen daraus im Alltag gezogen würden. In seiner Praxis legt er daher großen Wert auf eine „klimasensible Gesundheitsberatung“.

Ein zentraler Bestandteil davon – und auch ein Schwerpunkt des Programms von „Die Ortenau isst gesund“ – ist pflanzenbasierte Ernährung. Diese sei nicht gleichzusetzen mit veganer Ernährung, betont Wettach, da sie zwar den Fokus auf pflanzliche Lebensmittel lege, aber auch eine begrenzte Menge tierischer Produkte erlaube. Dennoch ist er überzeugt: „Vegane Ernährung ist die für den Planeten gesündeste.“

Das Vortragsprogramm orientiert sich an den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Dort heißt es inzwischen: nur noch einmal pro Woche Fleisch“, erklärt Wettach.

Bereitschaft sei bei vielen Eltern da, auch mal Neues auszuprobieren

Das markiert einen deutlichen Wendepunkt, denn früher waren die Empfehlungen der DGE wesentlich fleischlastiger. Wettach: „Vor allem hieß es: Ganz ohne Fleisch geht es nicht, auf keinen Fall bei Kindern.“ Mittlerweile ist die Fachgesellschaft umgeschwenkt, erkennt seit 2024 auch vegetarische und sogar vegane Ernährung als gesundheitsfördernd an, möchte aber auch weiterhin „aufgrund der weiterhin limitierten Datenlage keine eindeutige Empfehlung für oder gegen vegane Ernährung“ aussprechen, wie es auf der Internetseite der DGE heißt.

Wie dort hielten sich auch in der Bevölkerung nach wie vor hartnäckig zahlreiche Ernährungsmythen, die wissenschaftlich längst widerlegt seien, so Wettach. In der Praxis führe das dazu, dass Kinder, die sich rein pflanzlich ernähren, dazu angehalten würden, einmal jährlich per Blutbild zu beweisen, dass es ihnen gesundheitlich gut geht. Das Ergebnis sei eindeutig: „Die Blutwerte sind größtenteils besser als bei fleischessenden Kindern“, sagt Wettach.

Ob er denn keine Sorge habe, dass seine Klienten negativ auf seine Ratschläge reagierten?„Aber das ist ja auch nicht einfach nur meine Meinung, das sind wissenschaftliche Fakten“, entgegnet Wettach, sagt aber auch: „Bei mir soll niemand umerzogen werden und das merken die Menschen auch“.

Bei den meisten, die mit ihren Kindern in seine Praxis kommen, spüre er die Bereitschaft, sich seine Ratschläge anzuhören, auch wenn davon nicht immer alles sofort zu Hause umgesetzt werde. Veränderungen bräuchten Zeit und gingen oft mit Unsicherheit einher, sagt Wettach. Dass es jedoch Veränderungen brauche, ist für ihn klar: „Wir retten damit nicht nur die Erde – sondern auch uns selbst.“

Das Programm

Zum Auftakt gibt es einen Online-Vortrag zum Thema „Gesundes Wasser - gesunde Menschen“, ab 20 Uhr mit den Referenten Vera Dreher und Christof Wettach. Auch alle weiteren Vorträge sind online, dazu gibt es Workshops, eine Filmvorführung im Kino Haslach und Aktionen des Ernährungszentrums Ortenau. Weitere Infos gibt es beim Gesundheitsportal Ortenau auf der Webseite ortenaukreis.de/gesundheitsportal und auf Instagram auf dem Kanal gesundheitsportal.ortenau.