Eine „Tapinoma magnum“-Ameise in Kehl, fotografiert im Sommer 2024: Die invasive Art breitet sich in Baden-Württemberg immer weiter aus. Foto: Uli Deck/dpa

Die Spezies Tapinoma magnum, die Große Drüsenameise, breitet sich im Nordschwarzwald aus. Und daran ist der Mensch alles andere als unschuldig. Was jeder wissen sollte.

Es gibt sie in Karlsruhe, in der Region Stuttgart, im Kreis Tübingen und auch im Enzkreis. Die Rede ist von der invasiven Ameisenart Tapinoma magnum, der Großen Drüsenameise.

 

Seit rund zehn Jahren leben die Tiere in Baden-Württemberg, mittlerweile wurden aber auch weiter nördlich, etwa in Köln oder Hannover Vorkommen vermeldet. In Deutschland gibt es sie nach Angaben des Umweltbundesamtes seit 2009.

Aggressiv und bissig, Superkolonien mit Millionen von Tieren

Die Insekten gelten als aggressiv und bissig, haben kaum natürliche Feinde in Deutschland und können Superkolonien mit Hunderttausenden bis Millionen von Tieren bilden.

In großer Zahl stellen sie nicht zuletzt eine Gefahr für die Infrastruktur dar – indem sie etwa Gehwege unterhöhlen oder Kabel beschädigen. In der Stadt Kehl im Ortenaukreis sorgten die Tiere bereits für Strom- und Internetausfälle.

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit

Vor rund zwei Jahren wurden sie erstmals im Enzkreis nachgewiesen, genau genommen in Kämpfelbach, nordwestlich von Pforzheim. Auch in Öschelbronn, nordöstlich von Pforzheim, gibt es die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammenden Tiere bereits.

Im Kreis Calw dagegen „sind bisher keine Vorkommen der Großen Drüsenameise gemeldet worden oder bekannt“, berichtet Mara Müssle, Pressesprecherin des Landratsamtes Calw auf Anfrage unserer Redaktion. Aber: „Dass diese Ameisenart auch irgendwann in den Landkreis Calw einwandert und gemeldet wird, lässt sich nicht ausschließen.“

Es ließe sich auch sagen: Vermutlich ist das nur eine Frage der Zeit. Und gut möglich, dass daran dann sogar ein Bürger des Landkreises eine Mitschuld trägt. Denn: „Eine Ameise wandert nicht von allein zwei Kilometer, nur um eine neue Kolonie zu gründen“, wird dazu Kehls städtischer Umweltbeauftragter auf der Internetseite der Stadt zitiert. Stattdessen würden die Tierchen oftmals unbeabsichtigt und unwissentlich mittels Pflanzen an neue Orte transportiert, wo sie sich dann rasend schnell ausbreiten.

„Eine Königin und ein paar Arbeiterinnen genügen bereits, um den Grundstein für eine neue Superkolonie zu legen“, warnt er. Und es müsse sich nicht zwingend um exotische Pflanzen handeln. „Die Gefahr kann auch in der Primel lauern“, so der Umweltbeauftragte.

Pflanzen gewissenhaft an Wurzelballen auf Ameisenbefall kontrollieren

Pflanzen sollten daher gewissenhaft an den Wurzelballen auf Ameisenbefall kontrolliert werden, ehe sie im heimischen Garten eingesetzt werden.

Haben sich die Tiere erst festgesetzt, müssen sie bekämpft werden – was sich nicht gerade einfach gestaltet. Wichtig sei, erklärt Sprecherin Müssle, schnell und koordiniert vorzugehen.

Verdachtsfälle oder bestätigte Vorkommen müssten unverzüglich der Stadt oder Gemeinde gemeldet werden. Wobei eine Bestimmung der Art laut Umweltbundesamt mit bloßem Auge nicht möglich sei und Experten mit einem Mikroskop überlassen werden solle.

Das ist allein schon deshalb von Bedeutung, weil es in Deutschland Dutzende heimischer Arten gibt, die nützlich sind.

Stehe ein Befall fest, so Müssle, sollten alle Beteiligten – etwa Stadt- oder Gemeindevertreter, Grundstückseigentümer, Anwohner, Schädlingsbekämpfer – eng zusammenarbeiten. Und die richtige Bekämpfungsmethode wählen.

Oftmals nicht möglich, Tiere zu eliminieren

„Neben dem Einsatz von chemischen Mitteln (Insektiziden) können auch thermische Verfahren mit Heißwasser/Heißschaum zum Einsatz kommen“, erklärt die Sprecherin des Calwer Landratsamts.

Oftmals sei es aber nicht möglich, die Tiere zu eliminieren, sondern lediglich sie zu zurückzudrängen. „Die chemische Bekämpfung sollte Fachpersonal, in der Regel also einem Schädlingsbekämpfungsunternehmen, überlassen werden.“