Rettungsdienste warnen vor Folgen der Gesundheitsreform
: Müssen Notfallrettungen künftig aus eigener Tasche bezahlt werden?

Die 112 bleibt erreichbar – doch hinter der schnellen Hilfe wächst die Sorge um die Finanzierung. Rettungsorganisationen warnen vor Folgen, die Patienten spüren könnten.
Von
Anna-Sophie Zepf
Baden-Württemberg
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Ein leistungsfähiger Rettungsdienst ist Voraussetzung für eine verlässliche notfallmedizinische Versorgung in Deutschland. (Symbolfoto)

Ein leistungsfähiger Rettungsdienst ist Voraussetzung für eine verlässliche notfallmedizinische Versorgung in Deutschland. (Symbolfoto)

DRF Luftrettung
  • Rettungsorganisationen warnen vor Folgen der GKV-Reform für die Notfallrettung.
  • Kernpunkt ist eine Öffnungsklausel in § 133 SGB V, die kostendeckende Vergütung sichern soll.
  • Ohne sie drohen Deckelungen: Mehrkosten könnten im Extremfall Patienten in Rechnung gestellt werden.
  • Luftrettung sieht steigende Kosten für Personal, Technik, Energie und Kerosin – Ausgleich erschwert.
  • Klinikschließungen erhöhen Bedarf im ländlichen Raum – schnelle Versorgung könnte gefährdet sein.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Sturz auf der Treppe, plötzlich ein stechender Schmerz in der Brust oder ein schwerer Verkehrsunfall: Es sind Momente, in denen niemand lange überlegt. Die Nummer 112 wird gewählt. Dass nur wenige Minuten später Rettungskräfte mit medizinischer Ausrüstung und entsprechender Ausbildung vor der Tür stehen, ist in Deutschland selbstverständlich. Doch hinter dieser Sicherheit steht ein komplexes System, das durch die Gesundheitsreform zunehmend unter finanziellem Druck gerät.

Daher fordern die Hilfsorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft sowie der ADAC und die DRF Luftrettung eine besondere Regelung im vor ein paar Tagen vom Bundestag beschlossenen Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Dem Patienten separat in Rechnung gestellt werden

Die sogenannte Öffnungsklausel in § 133 SGB V soll sicherstellen, dass die besonderen Anforderungen der Notfallrettung berücksichtigt werden und eine kostendeckende Finanzierung möglich bleibt. Was genau das für diese Organisationen, insbesondere die Luftrettung, aber auch für Patienten, bedeutet, erklärt Claudia Lazi, leitende Pressesprecherin der DRF Luftrettung.

Christoph 11 Mauthepark Schwenningen

Zahlreiche Einsätze hat der Rettungshubschrauber Christoph 11 in Villingen-Schwenningen und Umgebung geleistet. Wird das auch in Zukunft noch so möglich sein? (Symobolfoto)

Anna-Sophie Zepf

Ohne die Öffnungsklausel könnten Krankenkassen künftig nur die gesetzlich festgelegten Beträge erstatten, führt Lazi aus. „Alle darüber hinausgehenden Kosten müssen die Luftrettungsorganisationen entweder den staatlichen Trägern in Rechnung stellen oder, sollten diese die Kosten nicht übernehmen, müssen diese Kosten im äußersten Fall dem Patienten separat in Rechnung gestellt werden.“

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Kostensteigerungen können nicht mehr aufgefangen werden

Die geplante Begrenzung der Vergütungsentwicklung könnte nach Ansicht von Lazi dazu führen, dass wichtige Kostensteigerungen nicht mehr aufgefangen werden können: „Kurzfristige Preissteigerungen, beispielsweise aufgrund der geopolitischen Lage bei Kerosin, sind nach den Beschlüssen im Beitragssatzstabilisierungsgesetz künftig nur schwer zu kompensieren.“

Das betrifft auch steigende Ausgaben für Personal, (Luft-)Fahrzeuge, Medizintechnik und Energie. Besonders herausfordernd sei die Situation, weil die deutschen Luftrettungsorganisationen ausschließlich gemeinnützig arbeiten und keine Gewinne erwirtschaften dürfen, erklärt Lazi. „Jeder Cent muss direkt der Luftrettung zugutekommen.“

Die Bedeutung der Luftrettung im ländlichen Raum

Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Luftrettung im Zuge der Krankenhausreform und der damit verbundenen Klinikschließungen eine noch größere Rolle im Gesamtsystem Notfallrettung einnehmen werde, meint die Pressesprecherin. Vorwiegend im ländlichen Raum werde es entscheidend sein, größere Entfernungen unter hochwertiger medizinischer Versorgung schnell zu überbrücken.

Laut Lazi entsteht daraus ein Widerspruch: Auch in Zukunft soll jeder Mensch in Deutschland im Notfall schnell erreicht und auf höchstem medizinischem Niveau versorgt werden können. Gleichzeitig wachsen die Aufgaben und die Verantwortung der Rettung aus der Luft stetig. Ohne eine ausreichende Finanzierung sei zu befürchten, dass eine schnelle, flächendeckende und  hochwertige Notfallversorgung langfristig nicht mehr überall gewährleistet werden könne, warnt sie.

Effizienter werden, ohne Qualität zu verlieren

„Unser Ziel ist es, effizienter zu werden, ohne Qualität zu verlieren“, erklärt Lazi. Das gelinge, wenn Versorgung klüger organisiert werde: datenbasiert, vernetzt, flexibel und am tatsächlichen Bedarf der Patienten orientiert.

Eine effizientere Luftrettung könne dazu beitragen, Kosten zu begrenzen und gleichzeitig die hohe Qualität der Notfallversorgung zu sichern. „Genau darum geht es: nicht weniger Hilfe, sondern bessere Strukturen für schnelle, verlässliche und bezahlbare Hilfe.“ Aber die Beitragsstabilität gelinge nicht allein durch pauschales Sparen, stellt sie fest.