Lörracher Amoklauf
: Fünfjähriger erstickt unter Plastiktüte

Ermittler klären Ablauf der Lörracher Amoktat / Beileidsbekundungen
Von
Schwarzwälder-Bote
Oberndorf
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Ein Bär und ein Abschiedsbrief liegen vor dem Elisabethen-Krankenhaus in Lörrach.

dpa

Von Guido Neidinger Lörrach. Das Haus, in dem die Amokläuferin einige Jahre mit ihrer Familie gelebt hat, liegt verlassen am Eingang des Schwarzwalddorfs Häg-Ehrsberg (Kreis Lörrach). An der Einfahrt hängt ein einsames Pappschild. Nur ein Wort steht darauf: "Warum?"Diese bohrende Frage wird wohl nie geklärt werden können. Denn alle Beteiligten sind tot. Nur was passierte und wie es passierte, ist nach den vorliegenden Ergebnissen der Obduktion durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg weitgehend klar.

Ihren Mann erschoss die 41-jährige Rechtsanwältin Sabine R. am Sonntag mit zwei Schüssen in Kopf und Hals in ihrer Lörracher Kanzlei, die ihr auch als provisorische Wohnung diente. Dann schlug sie den fünfjährigen gemeinsamen Sohn mit einem unbekannten stumpfen Gegenstand nieder und erstickte ihn mit einer Plastiktüte. Anschließend zündete sie die Wohnung an.

Bevor die Frau ruhig ins nahe Elisabethen-Krankenhaus lief, verletzte sie zwei Menschen – einen mit einem Streifschuss am Kopf, einen Baptistenpfarrer mit einem Schuss in den Rücken. Wie erst gestern bekannt wurde, hat sie auf ihrem Weg in die Klinik noch auf weitere Passanten geschossen – auf einen Fußgänger, der in Deckung ging, auf eine gehbehinderte alte Frau und auf eine Familie in einem vorbeifahrenden Auto. Getroffen wurde niemand von ihnen.

Im Krankenhaus stach die Amokläuferin mit einem dolchähnlichen Fahrtenmesser mehrfach auf einen 57-jährigen Pfleger ein und fügte ihm drei tödliche Schüsse in Kopf und Hals zu. Danach starb die Frau in einem Feuergefecht mit der Polizei. Die Täterin wurde von 17 Schüssen aus Dienstpistolen der Polizei getroffen. Mehrere Schüsse waren tödlich.

Damit ist der Tathergang weitgehend geklärt. Doch auch gestern blieb das "Warum?". Dennoch kehrte am zweiten Tag nach dem grausamen Verbrechen langsam wieder die Normalität zurück: Die Aufräumarbeiten an dem Wohnhaus, in dem zwei Menschen starben, haben begonnen. Für die zwölf Familien, die am Sonntagabend von der Feuerwehr aus dem brennenden Haus gerettet wurden und ihr Dach über dem Kopf verloren haben, wird es noch Wochen oder gar Monate keine Normalität geben.

Sie sind in Gästeappartements der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft oder bei Bekannten untergebracht. Übergangswohnungen werden gesucht. Gestern durften die Bewohner wenigstens die wichtigsten Habseligkeiten unter Polizeigeleit aus ihren Wohnungen holen. Ob Gefahr für die Stabilität des Gemäuers besteht, muss ein Statiker klären.

Innerhalb kürzester Zeit haben sich mehr als 150 Menschen aus aller Welt in das Internet-Kondolenzbuch der Stadt eingetragen. "Die Einträge drücken Beileid und Betroffenheit aus", sagte Fachbereichsleiter Jochen Schicht. Zudem ist das Interesse an der 50 000 Einwohner zählenden Stadt Lörrach sprunghaft gestiegen – von 4000 Klicks an einem normalen Wochenende verzeichnete die Internetseite nach dem Amoklauf 16 000.

Es ist eine traurige Berühmtheit, auf die die Bürger und ihr Stadtoberhaupt gerne verzichtet hätten.

Leitartikel

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