Freiburg: Freiburger Dompfarrer tritt ab

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Schwarzwälder Bote
Freiburg. Der Freiburger Dompfarrer Claudius Stoffel ist gestern in der Folge seiner Alkoholaffäre von seinem Amt zurückgetreten. Das Erzbistum teilte mit, Erzbischof Robert Zollitsch habe den Rücktritt angenommen.
Nach Ostern werde man mit Stoffel über dessen zukünftige Tätigkeit in der Seelsorge sprechen. Die Freiburger Staatsanwaltschaft hatte zuvor Berichte bestätigt, dass der bei den Gläubigen sehr beliebte 55-jährige Dompfarrer nicht nur vergangene Woche mit 1,4 Promille am Steuer im Kaiserstuhl einen Unfall gebaut hat und bei einer anderen Gelegenheit vor vier Jahren in Freiburg wegen Fahrerflucht zu einer Geldbuße verdonnert wurde: Auch in Basel wurde Stoffel vor zwei Jahren zu einer Geldbuße von 2900 Schweizer Franken verurteilt und mit einem dreiwöchigen Fahrverbot belegt, weil er mit Alkohol am Steuer erwischt wurde. Die Höhe der Strafe erlaubt den Rückschluss, dass er damals zwischen 0,5 und 1 Promille Alkohol im Blut gehabt haben musste. Wegen der Alkoholfahrt vom vergangenen Donnerstag läuft nun ein Ermittlungsverfahren gegen Stoffel.
Münster steht vor Papstbesuch ohne Pfarrer da
Der liegt zurzeit im Krankenhaus und denkt über seine Zukunft nach, wie seine Sprecherin Claudia Warth gestern sagte. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse, und es kam zu einem Gespräch zwischen Stoffel und dem zuständigen Personalreferenten beim Bistum. Die Folge: Das Freiburger Münster steht fünf Monate vor dem Besuch des Papstes ab sofort ohne Pfarrer da. Warth: »Wir waren baff, wie schnell das nun ging.« Die Gottesdienste neu zu besetzen sei das kleinste Problem, aber vielen laufenden Projekten in der Gemeinde drohe nun der Stillstand. »Wir müssen erstmal sehen, wie es für unsere Gemeinde nun weitergeht«, so Warth.
In einem Brief an seine Gemeinde hatte Stoffel am Montag mitgeteilt, dass der Grund seiner Alkoholfahrt vor einer Woche eine »dringende Bitte um seelsorgerische Hilfe« gewesen sei. Er habe wegen seiner Lungenentzündung unter starken Medikamenten gestanden und zudem Alkohol getrunken: »Ich habe das Zusammenwirken von Medikamenten und Alkohol eindeutig unterschätzt«, so der Pfarrer in seinem Brief. Ihm sei bewusst, dass er »einen großen Fehler« begangen habe und er bedaure sein Verhalten zutiefst.
Stoffel soll gesundheitliche Probleme in den Griff bekommen
Sobald Stoffel aus dem Krankenhaus komme, werde es ein Gespräch mit dem beim Bistum für Personalfragen zuständigen Domkapitular Peter Kohl geben, so Bistumssprecher Robert Eberle. Denkbar sei, dass Stoffel eine mehrmonatige Auszeit nehme, um seine gesundheitlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Es gebe im Bistum Freiburg entsprechende Einrich- tungen, die »Seelsorge für Seelsorger« anbieten. Danach sei denkbar, dass Stoffel wieder eine Pfarrstelle, aber eben nicht mehr am Freiburger Münster, übernehme. »Bei aller Beliebtheit von Herrn Stoffel, wir haben in den letzten Tagen auch viele Zuschriften von Gläubigen erhalten, die sein mehrfaches Fehlverhalten nicht gutheißen und Konsequenzen gefordert haben«, so Robert Eberle. Häufig sei dabei der Vergleich zur zurückgetretenen evangelischen Bischöfin Margot Käßmann gezogen worden, die bereits nach einem Alkoholdelikt ihr Amt abgegeben hatte.