Rottweil - Familie Schmidt steht Beispielhaft für viele Rottweiler, die seit Monaten dem Narrentag in der eigenen Stadt entgegenfiebern. Wir trafen Schantle, Gschell und Federahannes in ihrem Narrenquartier in der Königsberger Straße.

Bereits an der Haustüre kündigen gelb-schwarze Bändel an, dass hier eine ganz besonders närrische Familie wohnt. Seit Generationen geht die Familie des Rottweilers Uwe Schmidt narren. Für seine Kinder Hannah (16), Lucas (18) und die 22-jährige Lena ist das der erste Narrentag überhaupt, bei dem sie mitmachen dürfen –­ und das auch noch zu Hause.

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Auch um den Esszimmertisch ranken sich schwarz-gelbe Girlanden und gebastelte Bajasse. Wie seinen Kindern wurde Uwe Schmidt das Narren in die Wiege gelegt "Ich kenne das von Kindesbeinen an und freute mich als Bub immer wahnsinnig drauf, ab Dreikönig wieder klepfa zu dürfen." Damals wollte er immer ein Rössle werden, heute schlüpft er jedoch ins Kleidle des Schantles.

Die fünfköpfige Familie Schmidt vereint mehrere Narrenfiguren. Die älteste Tochter und Sohn Lucas sind Fe-derahannes. Tochter Hannah war bisher im Fransenkleidle unterwegs. Am Wochenende darf sie erstmals als Gschell am Sprung teilnehmen. Endlich ist sie groß genug, dass ihr das Kleidle der Oma passt. Wobei passen falsch formuliert ist. Die Hosen sind dermaßen groß, dass Vater Uwe die langen Beine hochsteckt, während Hannah auf einem Schemel steht. "Das spart am Samstag viel Zeit", erklärt Uwe Schmidt. Es sei sehr schwer das mit Ölfarben gemalte Weißnarrenkleidle zu reinigen – deshalb sei Aufpassen wichtig.

Alle Narrenkleidle liegen schon fein säuberlich bereit für den großen Tag. Die Larven sind auf einem Tisch ausgelegt – schmuck angeordnet wie in einem Museum. Uwe Schmidt erklärt die Besonderheiten: "Unter den paar Tausend Narren erkennt man trotz allem die seiner Kinder und seiner Freunde von weitem."

Mutter Stephanie verkörpert keine Narrenfigur. "Ich war früher immer Bajass, am Wochenende stehe ich aber am Straßenrand und bewirte meine Narren."

Übernachtungsgäste aus Elzach und Überlingen

Als die gebürtige Niedersächsin vor 25 Jahren ihren Rottweiler Mann kennenlernte, musste sie die Eigenheiten der hiesigen Fasnet erst mal lernen. "Früher, als wir noch in Hochmössingen wohnten, fand ich das ganz komisch. Ich fuhr meinen Mann am Sonntag her und holte ihn Dienstagabend wieder. Am Straßenrand kannte ich keinen." Mittlerweile ist auch Stephanie Schmidt ganz vom Narrenfieber besessen, kennt die Bräuche, Lieder und Sprüche der Rottweiler und fiebert der bunten Zeit genauso entgegen wie der Rest der Familie. "Als wir dann nach Rottweil in die Innenstadt zogen, fand ich es so toll, mittendrin zu sein, viele Gäste kamen vorbei", erinnert sich die Frau an ihre alte Wohnung an der Sprungstrecke.

Sie schwärmt besonders für die aufwendigen Fransen-kleidle. "Das war eigentlich immer mein Traum – bis ich merkte, dass ich mich ohne Larve als Bajass wohler fühle."

In diesem Jahr ist sie wieder für die Verpflegung der Gäste zuständig. Denn die Schmidts legen großen Wert auf Gastfreundschaft und Freundschaften, die durch den Viererbund entstanden sind. Über das Wochenende wohnen vier Schuttig und zwei Hänsele bei Schantle, Federahannes und Gschell. Wer genau kommt, wissen sie nicht. Schmidts meldeten sich im Herbst auf den Aufruf in unserer Zeitung, dass Narren aus den anderen Zünften des Viererbunds Unterkünfte suchen. Für die befreundeten Zünfte rücken die Schmidts gerne etwas enger zusammen. "Für uns war das ganz klar. Man hilft sich im Viererbund und wir mögen es, wenn hier was los ist", findet das Familienoberhaupt.

Besonders freut er sich auf den Auftakt des Narrentags am Freitagabend, das erste gemeinsame Feiern im Ort – am Wochenende müssen alle in der Familie und ihre närrischen Gäste mit wenig Schlaf auskommen. Am Samstag kocht Uwe Schmidt einen großen Kessel Gulaschsuppe für die hungrigen Narren – seine Tradition vor jedem Sprung.

Die Vorfreude auf den Narrentag ist allen in der Familie anzumerken. "Da ist eine Stimmung in der Stadt, die kann man sich gar nicht vorstellen", schwärmt Papa Uwe vom Fackelumzug morgen Abend. Er weiß, wovon er spricht – Narrentage hat er schon einige miterlebt. Ein Narrentag zu Hause sei aber was ganz Besonderes, weil das nicht so oft vorkommt.

Allgemein merkt man Uwe Schmidt an, dass sein Herz an der Rottweiler Fasnet hängt. Die Augen blitzen während er über die Bräuche und Besonderheiten der Rottweiler Fasnet und des Viererbunds redet. Der Narrentag ist für ihn die Superlative der Fasnet. "Es ist schwierig, das in Worte zu fassen. Es ist ein völlig anderes Gefühl als beim Narrensprung." Am Wochenende genießt er den Heimvorteil. Als Rottweiler weiß er genau, wo man nach den Umzügen den Narrentag am besten genießen kann.

Und die Kinder? Lucas ist auf die Größe der Umzüge gespannt. "Man muss damit aufgewachsen sein, um die Bedeutung vollständig zu begreifen", findet der 18-Jährige.