Wohin mit dem deutschen hochradioaktiven Atommüll? Diese Frage ist noch lange nicht entschieden. Auch zwei Bereiche des Schwarzwald-Baar-Kreises kommen – wenn auch bislang nur sehr theoretisch – als Standort in Frage. Foto: © pixelschoen – stock.adobe.com

Deutschland sucht einen Standort für ein Atommüll-Endlager. Ein Bericht zeigt: Ein Viertel der Landesfläche kommt in Frage – auch zwei Granitgebiete im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat Anfang November neue Zwischenstände zur Suche nach einem Standort für ein Endlager hochradioaktiver Abfälle veröffentlicht. Auch der Schwarzwald-Baar-Kreis ist weiterhin von der bundesweiten Analyse betroffen. Bei Martin Seuffert, Erster Landesbeamter und Dezernatsleiter im Landratsamt, laufen die Informationen zu diesem Themenkomplex zusammen. Im Kreistag berichtete er über den aktuellen Kenntnisstand, wonach große Teile des Kreisgebiets aus dem Verfahren herausgefallen sind, während zwei hiesige Regionen weiter mit im Fokus der Experten bleiben.

 

Bereits seit 2020 untersucht die BGE deutschlandweit 90 Teilgebiete, die damals 54 Prozent der Landesfläche umfassten. Ziel der ersten Verfahrensphase ist es, diese enorme Fläche auf nur noch fünf bis zehn Standortregionen zu reduzieren.

Grundlage dafür sind sogenannte repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen, die die geologischen Bedingungen bewerten und die Gebiete in vier Kategorien einteilen – von D (ungeeignet) bis A (sehr gut geeignet).

Große Gebiete scheiden aus

Der Schwarzwald-Baar-Kreis gehört teilweise zu einem großräumigen Kristallingebiet, dem sogenannten Moldanubikum. Laut BGE wurden weite Teile dieser Region nun in die Kategorien C und D eingestuft – sie erfüllen die Mindestanforderungen nicht und werden nicht weiter betrachtet.

Zwei Bereiche bilden aber die Ausnahme: Weiter auf der Liste vertreten sind ein Granitkomplex („Triberger Granitkomplex“) im Norden, der die Gemeinden Schonach, Schönwald, Königsfeld sowie die Städte Triberg und St. Georgen betrifft, sich aber auch in den Kreis Rottweil und den Ortenaukreis erstreckt, und ein weiterer Granitkörper im Westen bei Vöhrenbach („Eisenbacher Granitkomplex“), der bis hinein in den Kreis Breisgau-Hochschwarzwald reicht. Diese Gebiete bleiben vorerst im Verfahren.

Weitere Prüfschritte

Grundlage der bisherigen Bewertungen waren bislang laut Martin Seuffert lediglich geologische Daten. Als nächstes soll jetzt unter anderem geprüft werden, inwieweit das jeweilige Gestein geeignet ist, radioaktive Strahlung zurückzuhalten. Im nächsten Prüfschritt sollen bisher angewandte Kriterien dann nochmal kleinräumiger angewandt werden.

Die BGE hat die Gebiete hellblau markiert, die weiterhin in Frage kommen. Foto: Bundesgesellschaft für Endlagerung BGE

„Spannend“ wird es laut Martin Seuffert im Sommer 2026, dann sind neue Zwischenberichte angekündigt. Sollten die Granitgebiete weiterhin als in Frage kommend bewertet werden, könnten sie 2027 in die Kategorien B oder A eingestuft werden – und hätten damit realistische Chancen, zu den etwa zehn deutschen Standortregionen zu gehören, die in Phase zwei über Tage untersucht werden.

Entscheidung erst in Jahrzehnten

Der Weg zu einem endgültigen Standort bleibt lang. Nach der oberirdischen Erkundung folgt in Phase drei eine unterirdische Untersuchung der verbliebenen Regionen. Die endgültige Entscheidung, wo das Endlager entstehen soll, wird 2046 oder später erwartet.

Landratsamt bleibt aufmerksam

Das Landratsamt bewertet positiv, dass große Teile des Kreisgebiets nicht mehr weiter betrachtet werden. Gleichzeitig betont die Verwaltung, dass auch für die in Frage kommenden Gebiete noch keine Vorentscheidung gefallen ist: Derzeit sind noch rund 25 Prozent der Fläche Deutschlands im Verfahren – viele davon in Norddeutschland. Infrage kommen aber zum Beispiel auch noch Flächen im Nordschwarzwald oder in Ostbayern.

In den kommenden Wochen und Monaten stehen mehrere Informations- und Austauschformate auf Landes- und Bundesebene an. Vertreter des Kreises werden daran teilnehmen und sollen den Kreistag regelmäßig über neue Entwicklungen informieren.

Die Sache mit dem Opalinuston

Aus dem Rennen
Der Schwarzwald-Baar-Kreis war in der ersten der drei Phasen der Endlagersuche eigentlich auch noch als Teil des „Teilgebiets Ton“ betroffen, das sich unter anderem auch über den Hegau und den Bereich Alb-Donau erstreckt. Hierzu gehört der südliche Bereich des Landkreises etwa bei Blumberg. Allerdings wurde genau diese Fläche mit Opalinuston im Untergrund bereits 2022 aus dem Rennen genommen, wie Martin Seuffert berichtete.

Schweizer planen in Ton
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Schweiz plant, ihr eigenes atomares Endlager in der Gesteinsschicht des Opalinustons zu bauen. Der Standort „Nördlich Lägern“ in den Kantonen Zürich und Aargau – in deutscher Grenznähe – wurde als vielversprechendste Option ausgewählt, mit Anlagen in etwa 800 Metern Tiefe. Landrat Sven Hinterseh findet das bemerkenswert: Das Gebiet bei Hohentengen sei für Deutschland ausgeschlossen, linksrheinisch scheine die Geologie aber sicher, ließ er durchblicken, dass ihn das schon auch wundert. Auf die Frage von Kreisrat Joachim von Mirbach (Grüne), wie es komme, dass die Schweiz Opalinuston dem Granit vorziehe, Deutschland aber nicht, antwortete Martin Seuffert, dass das gar nicht grundsätzlich der Fall sei. So sei bei der deutschen Suche auch noch ein Gebiet um Ulm herum im Rennen, in dem man es mit Tongestein zu tun habe.