Eigentlich wollte die Stadt Lahr mit dem E-Werk zwei Anlagen bei Kippenheim errichten. Nun könnte jedoch alles anders kommen.
Im Gewann „Detschel“ zwischen Sulz und Schmieheim sollen zwei Windräder entstehen. So lautete der ursprüngliche Plan der Stadt Lahr, die das Vorhaben gemeinsam mit dem E-Werk Mittelbaden im April 2024 präsentierte. Dass alles nun anders kommen könnte, hatte vor einem Jahr wohl noch niemand geahnt: Aus zwei Anlagen soll nur noch eine werden. Und selbst diese steht derzeit noch auf wackligen Beinen, erklärte Martin Wenz, Finanzvorstand des E-Werks, am Montagabend dem Ortschaftsrat Schmieheim.
Die erste böse Überraschung: Entgegen aller Erwartungen kam es bei der Planung der beiden Windräder zu einem Konflikt mit der Motorplatzrunde des Flugplatzes Altdorf-Wallburg. Und das, obwohl man im vergangenen Jahr noch fest davon ausgegangen war, dass keine Probleme mit der Einflugschneise geben würde. „Mit den Vereinsmitgliedern wurden viele Gespräche geführt. Sie sind bereit, ihre Motorplatzrunde zu verschieben. So kann jedoch nur noch eines der beiden Windräder gebaut werden“, begründete Wenz. Demnach sei für eine zweite Anlage im gepachteten Areal keinen Platz mehr: „Man braucht einen Mindestabstand zwischen den Anlagen, sonst nehmen sie sich gegenseitig den Wind weg. Außerdem kann es zu Turbulenzen kommen.“
E-Werk hofft auf Zuschlag
Laut Wenz wäre aber auch nur der Bau einer einzigen Anlage lohnenswert. Demnach produziere das geplante Windrad satte zwölf Millionen Kilowattstunden im Jahr. „Der Stromverbrauch der Kippenheimer Haushalte – also ohne Gewerbe – liegt bei rund 10,5 Millionen Kilowattstunden“, erklärte der Finanzvorsitzende. Aufatmen könne man jedoch nicht, da die größte Herausforderung noch bevorstehe: die Ausschreibung des sogenannten EEG-Zuschlags. Ohne diesen gibt es für den produzierten Strom kein Geld für den Betreiber – in diesem Fall das E-Werk. „Jedes Mal erhalten 500 bis 600 Windräder in ganz Deutschland den Zuschlag, die anderen gehen leer aus“, so Wenz. Jährlich gebe es vier Ausschreibungsrunden. Gibt es also keine Förderung, muss wieder ein Vierteljahr ins Land gehen, bevor es eine neue Chance gibt. Das Problem: „Die Genehmigung für den EEG-Zuschuss läuft Ende 2026 aus. Danach muss der Bund eine neue Regelung ins Leben rufen. Niemand weiß jedoch, ob die Rahmenbedingungen für Betreiber dann besser oder schlechter werden. Darum wird es in den nächsten Ausschreibungsrunden einen großen Andrang geben“, befürchtete Wenz.
Für den Transport der Einzelteile gibt es mehrere Möglichkeiten
Wie geht es nun also weiter? Zuerst brauche es eine Genehmigung für die Anlage im „Detschel“, die laut dem E-Werk-Experten im Frühjahr 2026 vorliegen soll. Bis dahin hofft Wenz, dass bekannt werde, wie die neue Regelung für den EEG-Zuschuss aussehe. „Dann entscheiden wir, ob wir uns für die zwei übrigen Ausschreibungsrunden des bisherigen Zuschusses bewerben, oder auf die neue warten.“ Wann alles in trockenen Tüchern ist, könne er nicht sagen.
Ortsvorsteher steht dem Ganzen positiv gegenüber
Aus dem Ortschaftsrat kam die Frage auf, wie viele Bäume für die Anlage abgeholzt werden müssen. „Rund ein Hektar vor Ort und drei Viertel Hektar auf dem Weg dahin“, so Wenz. Letzteres sei nötig, um Waldwege für den Schwertransport zu verstärken. „Davon profitieren auch die Forstarbeiter.“ Generell müsse man sich früher oder später die Frage stellen, über welchen Weg die Anlage geliefert werden soll. Die Idee, die Teile durch die Gemeinde Kippenheim zu manövrieren, sorgte im Gremium angesichts der engen Straßen für Kopfschütteln. Eine Alternative wäre die Anfahrt über den Windpark Langenhard, bei dem auch ein gemeinsamer Netzanschluss möglich wäre. „Das liegt aber alles in der Zukunft.“
Ortsvorsteher Michael Hartmann erklärte abschließend: „Wir müssen akzeptieren, dass bei uns Windräder stehen. Ich stehe dem Ganzen positiv gegenüber.“
Info – Kaum Auswirkungen auf Bürger
Weil durch die Motorplatzrunde des Flugplatzes umgeplant werden musste, rückt das Windrad näher an das Dorf. Wenz beruhigte jedoch: „Die Luftlinie zur nächsten Bebauung beträgt 1147 Meter. Das ist ein sehr guter Abstand – das hat man bei solchen Projekten nur selten.“ Zudem sei die Anlage ein getriebeloses Modell. Dadurch sei es leiser als andere. „Auch die Blinklichter, die nachts einige Anwohner stören könnten, schalten sich nur ein, wenn Flugobjekte in der Nähe sind“, so Wenz. Eine Grafik des Experten zeigt zudem: Im Ort wird die Anlage kaum zu sehen sein. Erkennbar ist sie dagegen von der Dammenmühle oder dem Herrschaftswald.