Das Naturschutzgebiet im Egenhäuser Kapf liegt im tiefen Schnee. Doch ganz winterliche Ruhe herrscht in der Natur dennoch nicht: Vögel, Sträucher und Nadelbäume behaupten sich.
Eine weiße Decke liegt auf dem Egenhäuser Kapf. Abseits der Wege knirscht der unberührte Schnee unter den Füßen, zurück bleiben tiefe Abdrücke. Hier und da zieht sich eine Fährte Richtung Gestrüpp, leicht und sanft, es kann kein schweres Tier gewesen sein.
Das Leben ist nur scheinbar erstarrt. Gerade im Kapf, in dem sich immergrüne Nadelgewächse behaupten und kleine schneefreie Oasen unter ihren ausladenden Ästen geschaffen haben, mischt sich das Weiß mit dunklem Tannen- und saftigem Grasgrün. Teilweise ist es Moos, das sich an und unter Bäumen behauptet.
Erstaunlicherweise sind es nicht nur die Nadelgewächse, die dem Winter trotzen. Wer genau hinsieht, kann zwischen den nackten, abwehrend spitzen Zweigen grüne Blätter entdecken. Ein Holunderstrauch behauptet sich stolz am Weg, als habe jemand vergessen ihm mitzuteilen, dass der Winter für die Natur Ruhe einläuten soll. Kleine, perlenförmige Beeren hängen an ihm.
Hagebutten hängen vereinzelt noch an ihren Sträuchern, manche sterbend-schrumpelig, andere prall, aber strahlend rot. Die Beeren dürften noch die letzten Leckerbissen sein, die die verbliebenen Vögel im Kapf genießen können.
Vögel keckern im dichten Unterholz
Ihr Keckern zerreißt die winterliche Stille, ihr Rascheln ist überlaut im Gestrüpp. Hin und wieder sieht man sie fliegen, versteckt vom dichten Gestrüpp von Ast zu Ast hüpfen – unerreichbar für jeden Feind, der Dornen und spitze Äste fürchtet und der sie in der blattlosen Landschaft nur zu deutlich sehen kann. Und wie die Menschen scheinen auch sie den Rückzug ins schützende Zuhause der offenen Landschaft vorzuziehen.
Völlig unbeeindruckt von den eisigen Temperaturen sind die Flechten. Sie winden sich um Stämme und Äste. Mit ihrer warm-grauen Färbung fügen sie sich in die weiße, eisig-kalte Umgebung ein und heben sich doch vom flauschig anmutenden Schnee ab, der wie aufgeplatzte Baumwolle auf den Ästen liegt.
Auch am Boden haben sich nicht alle Pflanzen der erzwungenen Winterpause gebeugt. Disteln warten auf ihr Wiedererwachen, Gräser strecken sich vorwitzig durch den Schnee. An schneefreien Stellen haben sich sogar saftig grüne Blattpflanzen gehalten.
Einige Tiere haben sich dagegen sehr deutlich vom Leben zurückgezogen. Am Parkplatz steht ein Insektenhotel – die Löcher sind bei weitem nicht alle belegt, aber einige winzige Tierchen haben von innen ihr Räumchen mit Wachs versiegelt. Ganz so, als wollten sie sagen: „Es ist kalt, ich bin raus. Weckt mich auf, wenn der Frühling kommt.“