Die Senioren stellen einen erheblichen Teil der Wahlberechtigten dar. (Symbolfoto) Foto: Benjamin Westhoff/dpa

Von Ärzteversorgung bis Verbrenner-Zukunft – die Landtagswahl bietet viele Diskussionspunkte. Was aber brennt den Senioren im Kreis Rottweil unter den Nägeln?

Mit der Landtagswahl am 8. März sind Hoffnungen, Erwartungen, aber auch Befürchtungen verbunden. Wir fragen bei Rainer Pfaller, Vorsitzender des Kreisseniorenrates, nach, was die Senioren im Landkreis umtreibt – und was sie von der neuen Landesregierung erwarten.

 

Der Landesseniorenrat hat in einer Handreichung an die Kreisseniorenverbände eine Liste möglicher Gesprächsthemen und Fragestellungen zusammengestellt. Darin geht es vor allem um die Themen Pflege und Gesundheit, barrierefreien Wohnraum und Mobilität, soziale Sicherung und Rente, aber auch Digitalisierung und Teilhabe sowie Generationengerechtigkeit. Besonders letztere Punkte greift Rainer Pfaller in seinem Statement für den Kreisseniorenrat auf.

„Spielball wirtschaftlicher Zwänge“

Dabei weist er zunächst darauf hin, dass es den „typischen Senior“ nicht gebe. Die Spanne reiche von topfit bis zum Pflegefall. Deshalb könne man nicht übergreifend für alle Senioren typisierte Aussagen treffen. Auch sei man sich durchaus bewusst, dass man mit Blick auf die Landesebene als Kreisseniorenrat eher von geringerer Bedeutung sei.

Eine der größten Sorgen betreffe soziale Einsparzwänge von Bund und Land, erklärt Pfaller. „Auch die Senioren sind zum Spielball der allgemeinen wirtschaftlichen Zwänge geworden und müssen weitere Einschnitte und Beschneidungen befürchten. Diese werden sich als Einschränkung der persönlichen Handlungsfreiheit auswirken und als unmittelbare Diskriminierung empfunden“, sagt er. Die Schließung von Bank- und Postfilialen dokumentiere diese Praxis.

Verlagerung ins Digitale macht zu schaffen

Ebenso mache die Verlagerung von Alltagsgeschäften und Behördengängen auf den Internetweg den Älteren besonders zu schaffen, da diese für viele schlichtweg nicht leistbar sei.

Man habe auch die Erfahrung gemacht, dass die bisherigen örtlichen Ansprechpartner bei Versicherungen, Telekommunikationsunternehmen oder anderen Agenturen inzwischen mitunter deutschlandweit „seelenlos fern“ platziert seien. Tendenzen dieser Entwicklung zeigten auch die Krankenkassen, etwa wenn Leistungen, wie Reha, gekürzt würden, „die überwiegend von Älteren genutzt werden müssen“. Auch werde die ärztliche Versorgung bei Entfernung und Präsenz immer stärker durch finanzielle Erwägungen bestimmt, schildert Pfaller seinen Eindruck.

Wahrnehmen und berücksichtigen

Den größten Bedarf sehe er darin, dass die Altersgruppe der Senioren – mit all ihren individuellen Bedürfnissen – nicht etwa als Belastung ausgeblendet werde, sondern vielmehr, dass der Bedarf an Unterstützung gesehen, anerkannt und auch berücksichtigt werde.

„Oft genügen geringe Hilfen, die aber dann wegen ‚scheinbar‘ geringer Nachfrage eingestellt werden“, meint der Kreisseniorenratsvorsitzende.

Etwa ein Drittel der Kommunen hat einen Seniorenbetreuer

Auch die Gemeinden seien nicht frei davon. „Es ist kommunalpolitisch deutlich opportuner, sich den prominenten Themen – Kinder, Schüler, Vereine – zu widmen. Dies zeigt auch die geringe Anzahl von gemeindlichen Seniorenbetreuerinnen, die trotz der Drittelförderung des Landkreises nur von sieben der 23 Gemeinden genutzt wird“, so Rainer Pfaller. Allerdings gebe es im Gegenzug auch herausragende „Leuchttürme“. Das kreisweite Gefälle des jeweiligen gemeindlichen Engagements sei offenkundig.

Für die Zukunft gelte aus seiner Sicht, darauf zu achten, dass die Senioren im Zuge der „klammen Kassen und zwingenden Selbst-Beschneidungen der Kommunalhaushalte“ als Ältere und „weniger attraktive Aufgabe“ nicht überproportional viel hinzunehmen haben. „Die Senioren als Teil der Gemeinschaft wollen sich Sparzwängen nicht verschließen. Sie erwarten jedoch, dass diese ausgewogen zwischen allen Altersgruppen umgesetzt werden.“

Das fordert der Landesseniorenrat

Der Landesseniorenrat hat übrigens einen Landesaltenplan und einen Demografiebeauftragten gefordert, der dafür sorgen soll, dass die Interessen von Senioren berücksichtigt werden. Politik für ältere Menschen müsse in allen Ministerien verankert sein. Denn mehr als drei Millionen Menschen in Baden-Württemberg – und damit ein erheblicher Teil der Wahlberechtigten – seien älter als 60 Jahre.