Mit Harry Bodmer (dritter von links) kann sich das „German Cycling“ auf eine waschechte Radsport-Legende verlassen. Foto: Harry Bodmer

Harry Bodmer aus Rottweil ist seit April 2025 stellvertretender Präsident von German Cycling. Er spricht über den Wandel des Verbandes und den Blick Richtung Olympia 2028.

In der Welt des deutschen Radsports nimmt Harry Bodmer aus Rottweil eine besondere Rolle ein: Der 60-Jährige ist seit April 2025 stellvertretender Präsident von German Cycling. Im Gespräch mit unserer Redaktion gibt er Einblicke in die Entwicklung des deutschen Radsports und erläutert, was diese für die Olympischen Spiele 2028 bedeutet.

 

Der Radsport wird internationaler und moderner

Wenn im Sommer 2028 die internationale Sportwelt nach Los Angeles (USA) blickt, werden dort auch deutsche Radfahrer an den Start gehen – dann jedoch nicht mehr unter dem Verbandsnamen „Bund Deutscher Radfahrer“ (BDR), sondern als Mitglieder von „German Cycling“.

Mit dem Rebranding vom BDR zu „German Cycling“ wolle man am Zahn der Zeit drehen, erklärt der stellvertretende Verbandspräsident: „Der neue Verbandsname hat mehrere Gründe. Früher hätte man darüber vielleicht nicht nachgedacht, aber aus heutiger Sicht klingt der Begriff ‚Bund Deutscher Radfahrer‘ relativ männlich. Wir wollen niemanden ausschließen und sind nun breiter und moderner aufgestellt. Mit German Cycling sind wir international zudem präsenter.“

Für Bodmer geht es jedoch nicht nur um Gleichstellung, sondern auch um gezielte Nachwuchsförderung: „Im vergangenen Jahr konnten wir durch gezielte Projekte mehr als 400 Kinder im Alter bis zu sechs Jahren als Mitglieder hinzugewinnen.“

Der Verband will dem Nachwuchs etwas zurückgeben

Sein Ziel ist es, dass German Cycling mit den führenden Radsportnationen mithalten kann. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gab es aus deutscher Sicht eine Silber- und eine Bronzemedaille zu bejubeln. Ein Jahr später erreichte Florian Lipowitz den dritten Platz bei der Tour de France und belegte zudem Rang drei bei der Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres.

„Wir wollen den jungen Athleten etwas zurückgeben und gleichzeitig als Verband möglichst erfolgreich sein. In wenigen Wochen beginnt die Qualifikation für Olympia, und dort möchten wir mit so vielen Startplätzen wie möglich vertreten sein“, blickt Bodmer zweieinhalb Jahre vor den Spielen voraus.

Für Bodmer, der von 1993 bis 2016 Vorsitzender des Radfahrvereins Germania Herrenzimmern war, steht insbesondere die sportliche Entwicklung junger Menschen im Mittelpunkt. Bei seinem umfangreichen Engagement als Funktionär gerät fast in den Hintergrund, dass Harry Bodmer selbst auf eine außergewöhnlich erfolgreiche Profikarriere zurückblickt.

Nicht nur Sportler sondern auch Fliesenleger

Der gebürtige Herrenzimmerer ist vierfacher Kunstrad-Weltmeister, World-Games-Sieger und Träger des Silbernen Lorbeerblatts – der höchsten staatlichen Auszeichnung für sportliche Spitzenleistungen in Deutschland.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 1992 erhielt Bodmer diese Ehrung 1995 – mit Verzögerung, da er zum Zeitpunkt der Verleihung im Urlaub war. „Mit einer solchen Auszeichnung rechnet man natürlich nicht. Im Leben überschneiden sich Dinge manchmal, aber der Urlaub war trotzdem schön“, erinnert er sich mehr als 30 Jahre später.

Die Profikarriere des 60. Jährigen prägt seinen Alltag heute aber immer noch, denn Bodmer ist neben dem Sport auch selbstständiger Fliesenleger: „Durch meine Zeit als Profi habe ich gelernt einen komplett durchgetakteten und geregelten Alltag zu haben. Da muss man aber natürlich auch auf viele anderen Dinge im Leben verzichten.“

Golfen für den guten Zweck

Neben dem Radsport engagiert sich Bodmer stark für die Stiftung „Mit spielend helfen“. Durch das Charity-Golfturnier wurden in den vergangenen Jahren mehr als 650.000 Euro für die Kinderkrebsnachsorgeklinik Katharinenhöhe in Schönwald gesammelt. Seit 2019 fand jedoch kein Charity-Golf mehr statt, wie Bodmer berichtet: „Wir spielen dort weiterhin jährlich Golf, leider jedoch ohne Charity. Damals ist coronabedingt das Hotel in Königsfeld weggefallen, in dem wir die Teilnehmer untergebracht hatten.“

Dennoch zeigt er sich optimistisch für die Zukunft: „Wir sind offen für weitere Charity-Events. Vielleicht nicht mehr in der Größenordnung von früher mit rund 100 Teilnehmern, aber auch 20 bis 30 Personen reichen aus, um für einen guten Zweck zu golfen.“ Königsfeld ist dabei kein zwingender Austragungsort mehr; wann die Golfer wieder für den guten Zweck einlochen, ist derzeit noch offen.