Auf der Rückseite der Erddeponie zwischen Möttlingen und Unterhaugstett soll eine PV-Anlage gebaut werden. Foto: Biermayer

Auf der Erddeponie zwischen Möttlingen und Unterhaugstett will die Stadt eine Freiflächen-PV-Anlage bauen. Die soll pro Jahr über zwei Gigawattstunden Energie liefern. Das reicht für 1500 Personen pro Jahr.

Die Erddeponie an der L343 dient bald nicht mehr nur als Ablageort für Aushub. Die Stadt möchte auf dem Südhang des Erdhügels eine PV-Anlage installieren. „Die Fläche ist dafür prädestiniert“, sagte Bürgermeister Roberto Chiari im Gemeinderat. Die Verwaltung habe sich schon mit entsprechenden Firmen ausgetauscht. Das Thema nehme nun konkrete Formen an.

 

Ideale Ausrichtung Christian Hallier-Hohensteiner und Dominik Pfohl von der Firma EngCon aus Kreuzlingen am Bodensee stellten dem Gremium ihre Projektidee vor. Auf der Südwest-Seite der Deponie – also Richtung Unterhaugstett – sollen die Paneele aufgestellt werden. Der Hang habe eine Neigung von bis zu 20 Grad. Das ermögliche eine „ideale Ausrichtung der Module“, so Pfohl. Es müsse noch geklärt werden, wie nah die Anlage an den Waldrand gebaut werden darf.

Leistung von mehr als 2,2 Gigawattstunden

Die habe einen Kilowatt-Peak von rund 1900, so Pfohl. Pro Jahr erwarte er eine Leistung von mehr als 2,2 Gigawattstunden. Das könne der Netzverknüpfungspunkt auch verkraften. Der sei in unmittelbarerer Nähe, was im Bau kosten spare. Durch die gewonnene Sonnenenergie könnten 1500 Menschen pro Jahr mit Storm versorgt werden.

Biodiversität erhalten Hallier-Hohensteiner erklärte, dass die Anlage so errichtet werde, dass nur wenig gegraben werden muss. Das erhalte die Biodiversität. Die Natur erhole sich nach dem Bau erfahrungsgemäß schnell. Das Projekt verbessere die Klimabilanz der Stadt, indem es den CO2-Ausstoß bei der Energiegewinnung reduziere.

Beteiligung für Bürger? „Eine geniale Geschichte“, meine Dietmar Lehmann-Schaufelberger. Er wollte wissen, ob es für Bürger ein Beteiligungsmodell gebe und wo der Strom hin fließe. Hallier-Hohensteiner erklärte, dass Beteiligungsmodelle bei Anlagen dieser Größenordnung „schwierig“ seien. Entweder könne der Strom über ein Betreibermodell verkauft werden. Dann bekomme man eine Vergütung. Oder man schließe einen Stromliefervertrag mit NetzeBW. Diese Variante bevorzuge er. Denn dann würde der erzeugte Strom die Menschen vor Ort versorgen.

Pachthöhe unklar Thomas Eisinger (CDU) erkundigte sich danach, wie viel Geld die Anlage der Gemeinde einbringen wird. Das könne sie noch nicht sagen, so Jaqueline Zimmermann aus dem Bauamt. Die Fläche gehöre ForstBW und damit dem Land. Erst wenn die Stadt wisse, was sie für die Pacht bezahlen muss, könne sie sagen, wie viel Geld nachher bei der Kommune hängen bleibe.

Schafe integrieren „Wer kümmert sich um die Pflege der Anlage?“, fragte Katrin Heeskens (UL): „Das machen wir“, so Hallier-Hohensteiner. EngCon arbeite dafür mit lokalen Unternehmen und Schäfern zusammen. Die Ständer der Module hätten eine Höhe von einem Meter. Darunter könnten Schafe dafür sorgen, dass keine Pflanzen über die Paneele wachsen. Außerdem würden „Glas-Glas-Module“ verwendet. Die ließen Licht durch und seien somit der Biodiversität zuträglich.

Zustimmung Aus dem Möttlinger Ortschaftsrat kam Zustimmung zu dem Vorhaben. „Wir finden das sehr gut“, meinte Valerij Schwindt. Sorgen bereite ihnen lediglich die parallele Anlieferung von Erdaushub. Der Staub könne sich auf den Modulen absetzten und deren Wirksamkeit beeinflussen. Pfohl konnte ihm diese Sorge nehmen. Durch die starke Neigung der Module würden sich diese bei Regen selbst reinigen. Sollte trotzdem etwas sein, werde man jemanden vorbeischicken. So etwas komme bei vergleichbaren Anlagen aber eigentlich nie vor.

Zeitplan Heeskens fragte nach dem Zeitplan. Wenn das Verfahren schnell laufe, könne der Bauantrag in einem Jahr gestellt werden, so Hallier-Hohensteiner. Der eigentliche Bau der Anlage dauere vier bis sechs Wochen. Dazu komme noch der Netzanschluss. Das dauere meistens etwas länger.

In den Regionalplan aufnehmen?

Sebastian Kopp (UL) sprach sich dafür aus, dass die PV-Anlage in den entsprechenden Regionalplan aufgenommen wird. Dann kann sich die Kommune diese Fläche anrechnen lassen und muss andernorts weniger Freiflächen-PV-Anlagen umsetzen. Es sei noch unklar, ob das so möglich sei, erklärte Jaqueline Zimmermann. Vielleicht könne die Fläche nur teilweise angerechnet werden. Der Rat entschied sich schließlich einstimmig dafür, einen Bebauungsplan aufzustellen, der die Errichtung der Anlage auf der Erddeponie ermöglicht.