Mit „Bernadette ändert ihr Leben“ hat Barbara Handke ihren dritten Roman veröffentlicht. Nach Stationen in Rostock und Leipzig, lebt sie auch in Oberwolfach.
Die Autorin Barbara Handke lebt und arbeitet nicht nur in Leipzig, auch der Schwarzwald ist zu ihrer Heimat geworden. In Oberwolfach hat die Schriftstellerin zusammen mit ihrem Mann den Zweitwohnsitz, der sie auch schon zu einem ihrer Romane inspiriert hat. Im August erschien Handkes dritter Roman „Bernadette ändert ihr Leben“. Mit unserer Redaktion hat Handke über ihre Anfänge als Schriftstellerin sowie ihre Lebensgeschichte gesprochen – und warum sie sich als Norddeutsche im Schwarzwald von Anfang an wohlgefühlt hat.
Handke wuchs in Mecklenburg-Vorpommern an der Ostsee auf. 1976 geboren, erlebte sie die Wende als 13-Jährige. „Es war eine große Freude“, erinnert sich Handke an die Zeit. „Auf einmal war die Freiheit da.“ Die Wiedervereinigung und die neuen Möglichkeiten, darum dreht sich auch die Handlung von Handkes Debütroman „Wo ist Norden“.
Bevor sie jedoch Schriftstellerin wurde, legte Handke einige Zwischenstationen ein, auch wenn das Schreiben sie stets begleitete. „Ich liebte schon immer die Literatur“, erzählt sie. Handke machte eine Ausbildung zur Buchhändlerin in Rostock, studierte später Anglistik und Soziologie in Rostock und Leipzig.
Schwarzwald als Inspirationsquelle
Seit 2011 ist Handke als freie Lektorin und Schreibtrainerin selbstständig. Den „langgehegten Wunsch“, sich als Romanautorin zu versuchen, verwirklichte sie 2018 mit „Wo ist Norden“. Die Handlung beschäftigt sich mit den neuen Möglichkeiten nach dem Mauerfall, den Freiheiten. Das Thema „Freiheit“ sei eines der Themen, mit dem sie sich als Schriftstellerin beschäftige, erklärt Handke. Zwar seien alle ihre bisherigen Romane unabhängig voneinander, die Frage, was Freiheit bedeutet, lasse sich jedoch in allen drei Romanen finden.
Zu ihrem zweiten Roman „Sommergäste“ hat die Autorin der Schwarzwald – genauer Oberwolfach – inspiriert. Der Protagonist Huber, ein 30-Jähriger, lebt noch im Haus seiner Mutter. Im Sommer werden die Zimmer an Touristen vermietet. Während diese die Tage im Garten oder am Meer verbringen, beobachtet Hubert das Geschehen. Aber trotz aller Routine ist in diesem Jahr etwas anders als sonst. Die Handlung spielt nicht in Oberwolfach. Aber Zimmer des Hauses, in dem Handke und ihr Mann nun leben, wurden früher ganz wie im Roman an Gäste vermietet.
Vor 15 Jahren war Handke dann das erste Mal in Oberwolfach – zu Besuch bei der Großmutter ihres Mannes. „Da wusste ich noch nicht, dass es mehr werden würde zwischen dem Schwarzwald und uns“, erinnert sie sich. Die Unterschiede zwischen Großstadt, Ostsee und dem Schwarzwald seien nie ein Problem gewesen. „Sie haben alle ihren Charme“, findet die Autorin. Insbesondere während der Corona-Pandemie verbrachte Handke viel Zeit in Oberwolfach. Sie schätze das Arbeiten im ruhigen Schwarzwald: „Gerade wenn man ein Stück weiter kommen will.“ Sich auf einen Lebensmittelpunkt festzulegen, dass käme für Hanke aber nicht in Frage. „Ich würde mich nicht festlegen wollen.“
Mit ihrem jüngsten Roman „Bernadette ändert ihr Leben“ gelang schließlich der Sprung zu einem „großen“ Verlag. Der Roman ist bei Rowohlt erschienen. „Es war lange erarbeitet“, findet Handke. Dennoch gehöre auch etwas Glück dazu. „Viele Menschen wollen schreiben und es kann schwierig sein, einen geeigneten Verlag zu finden.“ Ihre Promotion an der Universität für angewandte Kunst in Wien und ein Literaturpreis für ihr früheres Werk „Sommergäste“ habe geholfen, sich als Autorin zu etablieren, glaubt Handke.
In „Bernadette ändert ihr Leben“ setzt sich die namensgebende Protagonistin mit ihrem Alltag auseinander. Zu viel ist ihr missglückt. Karriere und Familie sind vermasselt, und Besserung ist nicht in Sicht. Als sie das Angebot bekommt, für eine Kollegin einzuspringen und einen Monat in Madrid zu arbeiten, macht sie sich ohne Plan und Sprachkenntnisse auf den Weg. „Ich war selbst eine Weile in Madrid“, erzählt Handke zur Entstehungsgeschichte des Romans.
Trotz ihres bisherigen Erfolgs könne sie von ihrer Autorentätigkeit alleine nicht leben. „Parallel arbeite ich als Lektorin, gebe Workshops“, erklärt sie. „Für Profit ist das Schreiben maximal ungeeignet“, meint Handke lachend. Es sei eher Berufung als Beruf. Auch die tatsächliche Arbeit als Autorin unterscheide sich oft von dem Bild des Traumjobs Schriftsteller. „Es braucht unglaublich viel Selbstdisziplin“, weiß Handke. „Stoisches Weitermachen“ gehöre da auch dazu.
Das Schreiben als Berufung statt Beruf
Auch wenn „Bernadette ändert ihr Leben“ erst seit kurzem auf dem Markt ist, hat Handke bereits einen neuen Roman in den Blick genommen. Spielen soll er in Wien. „Eine Lieblingsstadt von mir“, erklärt Handke. Sie bezeichnet sich selbst als „sehr reisefreudig“. „Ein Erbe des Ostens“, meint sie mit Blick auf die eingeschränkte Freiheit in der DDR. Ideen für den Roman habe sie schon einige, verrät Handke.
„Bernadette ändert ihr Leben“ wurde beim Rowohlt-Verlag veröffentlicht. Der 288 Seiten lange Roman ist für 23 Euro erhältlich. Barbara Handkes Debütroman „Wo ist Norden“ (312 Seiten) und ihr zweiter Roman „Sommergäste“ (144 Seiten) sind für je 18 Euro beim Verlag „Edition Überland“ erhältlich.